Die Organisatoren des Festivals (v.l.): Sly (Habibi Atelier), Melanie-Gitte Lansmann (Citymanagement), Dierk Trispel (Stellv. Bezirksamtsleiter), Gerrald Boekhoff (Fachamtsleiter Bezirksamt), Lina Knipfer (Stadtteilkultur Bezirksamt) und Jürgen Havlik (Alles wird schön). Foto: pr

Von Olaf Zimmermann. Auch Harburg hat sein Open-Air-Kulturfestival: Auf der Freilichtbühne im Harburger Stadtpark erwartet die Besucher bei „Sommer im Park“ am Wochenende 24. bis 26. August ein breit gefächertes Programm mit Pop, Rock- und
Jazzmusik sowie Auftritten von Orchestern und Big Bands sowie Comedy, Tanz und Kabarett. Ärgerlich: An diesem Wochenende findet im Phoenix-Viertel das Stadtteilfest von Marias Ballroom statt.

Mit mir wurde nichts
besprochen
Heimo Rademacher,
Marias Ballroom

„Mit mir wurde nichts besprochen“, sagt Heimo Rademacher (Marias Ballroom). „Im Gegenteil, ich wurde vom Citymanagement angeschrieben, doch beim Sommer im Park-Fest als Marias Ballroom teilzunehmen. Dabei hatte ich bereits Monate vorher bei der Harburger Verwaltung diesen Termin für unser Familien- und Freundesfest im Phoenix-Viertel beantragt.

Nach einem Anruf beim Citymanagement erfuhr ich, dass der Bezirk den Termin für das Open-Air-Festival auf der Freilichtbühne bestimmt hat. Lange nach meinem Antrag. Offenbar hat niemand bei der zuständigen Abteilung nachgefragt, ob dann etwas anderes ansteht.
Ich bin sehr enttäuscht und auch wütend, wie das hier in Harburg teils läuft. Durch meine Arbeit als Vorstand im Clubkombinat Hamburg bekomme ich mit, wie viel besser es im Bezirk Mitte funktioniert. Harburg steht sich wie so oft selbst im Wege und arbeitet nicht wirklich mit uns zusammen.“ Viele Harburger Musikfans werden, davon ist der Ballroom-Chef überzeugt, statt zur Freilichtbühne lieber zum Phoenix-Viertel-Fest gehen.

Heiko Langanke (SuedKultur) ergänzt: „Heimo Rademacher hatte angeboten, einen Bierwagen für Sommer-im-Park zu stellen – samt dem Catering für die auftretenden Künstler. Und er hatte seinen Phoenix-Viertel-Termin frühzeitig angemerkt – und da waren noch andere Termine im Gespräch. Aber da die hiesigen Abteilungen der hiesigen Verwaltung untereinander nicht kommunizieren, ist da was richtig falsch gelaufen. Auch alles Gründe, warum Kulturschaffende eben solche Events wenig oder gar nicht mehr machen.

Und was sagt das Bezirksamt? „Bei dem Phoenix-Viertel-Fest handelt es sich nicht um eine Veranstaltung des Bezirks-amtes. Die Veranstaltungen kollidieren nicht miteinander, sondern finden parallel statt. Wir begrüßen ausdrücklich das private Engagement von Bürgern sowie Sponsoren, die Veranstaltungen wie beispielsweise das Phoenix-Viertel-Fest umsetzen und unterstützen diese bei ihren Vorhaben“, teilt Dennis Imhäuser (Pressestelle Bezirksamt) mit.


Info: Freilichtbühne

Die Freilichtbühne ist im Sommer 2014 nach aufwendiger Sanierung neu eröffnet worden. Sie liegt in einer Senke unterhalb der Eichenhöhe im Westbereich des Harburger Stadtparks an der Außenmühle.

Die Bühne sowie der Zuschauerbereich, der aus mit Gras bewachsenen Terrassenstufen besteht und Platz für bis zu 900 Personen bietet, sind von Hecken eingefasst. Ein Stromanschluss ist vorhanden, Wasser- und Abwasseranschlüsse fehlen.
Beim Festival Sommer im Park wird für die Bühne mit großem Aufwand ein mobiles Dach aufgebaut. Ursprünglich sollte dann bereits eine feste Dachkonstruktion stehen.

Warum die Verzögerung? „Wir haben bei der Ausschreibung keine Angebote bekommen“, beschreibt Bezirksamtssprecherin Bettina Zech das Problem. Eine zweite Ausschreibung war erforderlich. Inzwischen sind alle Gewerke beisammen, die Bühnenüberdachung soll Mitte Oktober
fertig sein.
Erreichbarkeit: Bus 145 oder 245, Haltestelle Rabenstein

Warum die Harburger Freilichtbühne verwaiste
Die Freilichtbühne im Harburger Stadtpark wird kaum genutzt. Neue Ideen sind gefragt, um das 2014 mit viel Aufwand sanierte Schmuckstück wieder ins Bewusstsein der Harburger zu rücken. Bereits 2015 waren Vertreter von SuedKultur, einem Zusammenschluss Harburger Kulturschaffender, und des Bezirksamts darüber in Gesprächen. Jetzt haben das Citymanagement Harburg und das Bezirksamt damals formulierte Ideen aufgegriffen, weiterentwickelt und das Festival „Sommer im Park“ auf die Beine gestellt.

Hintergrund: Wer die Freilichtbühne nutzen wollte, musste sich selbst um Genehmigung, Gebühren, WCs, Wasseranschluss kümmern. So lag es auf der Hand, dass zunehmend Veranstaltungen stattfanden, die eine Refinanzierung durch Getränkeumsatz ermöglichten: Techno-Parties und ähnliches. Als vor Jahren bei Techo-Parties hämmernde Bässe die Tassen in den Geschirrschränken tanzen ließen, gingen Anwohner auf die Barrikaden und setzten striktere Regeln für die Nutzung der Freilichtbühne durch. Ergebnis: Die Veranstalter wichen auf Privatgrundstücke im Bezirk aus, die Bühne verwaiste zusehends.

Neue, leisere Formate sollten gewonnen werden: Kinovorstellungen, nicht elektronisch verstärkte Musik, Lesungen, Theater, Kinderveranstaltungen, Kleinkunst. Doch für Veranstalter sind solche Events auf der Freilichtbühne kaum attraktiv. Bei wenig Einnahmen, dem Wetter-Risiko und hohem Organisationsaufwand besteht die Gefahr, dass „draufgezahlt“ werden könnte.

Als mögliche Lösung empfahl SuedKultur bei einem Treffen mit Vertretern des Bezirksamts, man sollte den Aufwand für ehrenamtliche Organisatoren für eine Veranstaltung auf der Freilichtbühne verringern, einen Toilettencontainer bereitstellen sowie ein Dach oder Zelt für die Bühne installieren, damit man Veranstaltungen bei schlechtem Wetter nicht mehr absagen oder abbrechen müsse. Als Modellprojekt sollte in den Sommerferien 2016 zunächst ein ein- bis zweiwöchiger „Harburger Stadtpark Sommer“ stattfinden.

Dann betraute der Bezirk die Hamburger Kreativgesellschaft, eine städtische Gesellschaft, die bereits der Freilichtbühne im Wilhelmsburger Inselpark Leben eingehaucht hatte, mit der Aufgabe, auch die Harburger Freilichtbühne wiederzubeleben. Doch angesichts der unverändert wenig attraktiven Rahmenbedingungen (hoher Organisationsaufwand für Veranstalter) blieb der große Durchbruch aus.
Beim „Sommer im Park-Festival“ tritt jetzt der Bezirk als Veranstalter auf, unterstützt vom Citymanagement. Das dreitägige Festival kostet gut 30.000 Euro, von denen ein Teil von Sponsoren getragen wird. Mit Hilfe von SuedKultur konnten Künstler verpflichtet werden, die fast alle ohne Gage auftreten.

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