Hamburg ist auf gutem Wege, seine Ambitionen, eine vorzeigbare fahrradfreundliche Stadt zu werden, zu erfüllen. Wo immer die Möglichkeit besteht, werden Radfahrstreifen angelegt, Fahrradwege verbessert und Ampelschaltungen installiert, die den Verkehrsfluss mit Fahrrädern verbessern sollen. Doch damit nicht genug. Fahrräder benötigen auch Stellplätze, von denen es bislang nicht annähernd ausreichende Angebote gab. Nach den letzten Verlautbarungen des Hamburger Senats sollen deshalb allein an Bahnhöfen 28.000 neue Stellplätze für Fahrräder gebaut werden. Investitionsaufwand 31 Millionen Euro. Eine der Vorzeigeanlagen ist die Stellplatzanlage an der Hoheluftbrücke, die nicht nur zahlenmäßig erheblich aufgerüstet wurde (Verdoppelung der Kapazität), sondern Nutzern auch anmietbare abschließbare Stellplätze anbietet. Für die Stadt war es darüber hinaus aber auch Auftrag, im Umfeld der Anlage am Rande der Grünanlagen und vor den roten Klinkerbauten des Kaiser-Friedrich-Ufers und Hohen Weide Fahrradbügel aufzustellen, damit die Anwohner bessere und sichere Abstellmöglichkeiten vorfinden. Doch die Stadt hat die “Rechnung leider ohne den Wirt” gemacht. Blieben die neuen Fahrradbügel zunächst unbenutzt, füllen sie sich jetzt kontinuierlich und haben inzwischen eine Auslastungsquote von 100 Prozent erreicht. Es wird zunehmend schwieriger, überhaupt einen Platz zu finden, so dass man sich die Frage stellen muss, wo waren denn die Fahrräder vorher untergebracht. Bei näherer Betrachtung findet sich auch die Lösung. Nahezu 50 Prozent sind Schrotträder, die von den Eigentümern aus ihrem Keller ausgelagert wurden in der Hoffnung, dass sich die Stadt ihrer annehmen wird. Schließlich wird von den Bezirken immer wieder Entsorgungsaktionen durchgeführt, in Eimsbüttel zuletzt im Dezember 2017. Festes Kalkül von den Verursachern ist dabei, dass die Entsorgung nicht zu eigenen, sondern zu Lasten der Hamburger Steuerzahler geht. Noch ärgerlicher ist allerdings, dass die Fahrradbügel, die die Stadt für viel Geld aufstellt und im Kontext der großen Ziele einer lebenswerteren Stadt anbietet, zumindest temporär zweckentfremdet werden. Es würde nicht verwundern, wenn die selben Verursacher, der umweltorientierten Verkehrspolitik des Senats das Wort reden, beim persönlichen Verhalten aber am eigenen Egoismus scheitern.

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