Im Molotow: Andi Schmidt. Foto: kp flügel

KP Flügel, St. Pauli
Andi Schmidt betreibt das Molotow an der Reeperbahn. Einer der wenigen Clubs, in dem seit Jahrzehnten ambitionierte Bands auftreten, denen es um mehr geht als nur den kommerziellen Erfolg oder das Schaffen von Sauf-Party-Stimmungen. Noch weiß Schmidt nicht genau, wann das Molotow wieder an seinen Ursprungsort im neu geplanten Areal der abgerissenen Essohäuser zurückkehren kann. Dass die Bewohner des Stadtteils sich an der Planung beteiligen konnten, findet er gut. „Ansonsten wäre da im schlimmsten Fall ein quadratisch, hässlicher Glasbetonbau mit Hotel, hochpreisiger Nutzung und Eigentumswohnungen entstanden.“
Was die Entwicklung der Ausgehmeile betrifft, ist Andi Schmidt allerdings skeptisch. „Wir wissen ja alle nicht, wie es in drei Jahren hier aussehen wird. Das Ganze wird natürlich immer mallorcamäßiger. Es entwickelt sich zu einer Feiermeile für Partygänger, für Touristen, die hier von überall her über das Wochenende herkommen. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen.“ Allerdings laufe die Entwicklung in eine Richtung, die er als Gefahr empfindet.

„Wollen nicht nur große Ketten
auf dem Kiez“
Andi Schmidt, Molotow

„Eine Ausgehmeile mit lauter Kneipen gibt es in jeder Stadt. Aber das allein zeichnet St. Pauli nicht aus.“ Immer mehr Systemrestaurantketten würden sich hier ausbreiten. Zudem sei die Mietpreisentwicklung besorgniserregend. „Irgendwo habe ich gelesen, dass die Mieten an der Reeperbahn genauso hoch wie am Neuen Wall sind. Das kann es nicht sein. Als Wohnviertel wird die Reeperbahn attraktiver, Gastronomen wollen auch hierhin, es siedelt sich sehr viel Systemgastronomie an. Da ist eine Spirale im Gang, die nicht gut ist.“
Der 54-jährige Molotow-Betreiber möchte auf dem Kiez nach wie vor Clubs und Läden sehen, die keinem Ketten-Imperium angehören und in denen keine Systemgastronomie betrieben wird. Und in denen all das passiert, was St. Pauli auszeichnet, nämlich inspirierende Livemusik jenseits des Mainstream. „Das muss im Zweifelsfall unterstützt werden, weil die Preisentwicklung dazu führt, dass es Bars und Clubs schwer haben, die auf ein Programm abseits kommerzieller Feten-Hits setzen. Um so etwas machen zu können und finanziell durchzuhalten, ist es wichtig, dass Clubs unterstützt werden. Es muss nicht immer Geld sein. Mir würde es schon reichen, wenn bei Lärmbeschwerden auch die Sichtweise von Clubs, Bars und gastronomischen Betrieben etwas mehr berücksichtigt wird.“

Was die Beschwerden aus der Nachbarschaft wegen Lärmbelästigung betrifft, wolle er nicht sagen, dass diese immer nur von den neu Hinzugezogenen kämen. Aber oft seien sie es, die sich belästigt fühlten. „Es ist schon schwierig genug, und es wäre schön, wenn es nicht noch schwieriger gemacht wird.“
Was den Alkoholverkauf durch die Kioske und das Cornern betrifft, verschärfe diese Entwicklung die ohnehin angespannte Situation der Gastronomie- und Club-Betreiber noch weiter. Andi Schmidt hofft auf eine baldige politische Lösung seitens des Bezirksamts. Es gäbe genügend Vorschläge, dieser unguten Entwicklung entgegenzuwirken. „Einige fordern ein generelles Alkoholverbot, andere ab einer gewissen Uhrzeit. Man muss sicherlich nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, aber es gäbe sicherlich genug Möglichkeiten, den Alkoholverkauf zeitlich einschränken. Es geht nicht darum, dass man hier generell kein Dosenbier mehr kaufen kann.“ Eine letztendlich einvernehmliche Lösung des Konflikts ist seine Erwartung. „Das ist möglich, wenn alle das wollen, und wenn alle sich Mühe geben.“

❱❱ www.molotowclub.com

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here