Hingucker: Das moderne weiße ioki-Elektroshuttle fällt auf.

Julia Vellguth, Hamburg-West
In Lurup und Osdorf sind die Wege zu Bus und Bahn weit, und es fehlen Querverbindungen. Ein Taxi zum Bahnhof zu nehmen kommt nur für wenige in Frage. Für alle anderen gibt es seit kurzem den Shuttledienst ioki, der zum HVV-Tarif über eine App genutzt werden kann. Elbe-Wochenblatt-Reporterin Julia Vellguth hat das neue Angebot getestet.
Nach dem Herunterladen der ioki-App muss ein persönliches Konto angelegt werden. Beim Öffnen der App wird der aktuelle Standort angezeigt, und es erscheint die Frage „wo willst du hin?“ Vor der ersten Fahrt kann man sich unter „Support“ informieren, wie ioki funktioniert. Hier ist auch ein informatives Video hinterlegt, das allerdings nicht speziell für Hamburg gemacht wurde. Die Karte, die das „Bediengebiet“ des Shuttles anzeigt, ist klein und ungenau, da hilft nur ausprobieren.
Die Start- und Zieleingabe gestaltet sich verwirrend, denn per Autovervollständigung werden Orte aus ganz Deutschland vorgeschlagen. Achtung: Gespeichert werden die Sucheingaben nicht! Wer während der Eingabe eine Nachricht erhält und sie liest oder in der App zurückgeht, muss alles von vorne eingeben.

15 Minuten Fußweg zum nächsten Fahrzeug

Vor der Fahrt muss neben der gewünschten Fahrtzeit und der Anzahl der Mitfahrer die Zahlungsart angegeben werden – wer keine HVV-Karte hat, kann die Fahrt zum HVV-Tarif über die ioki-App nur per Kreditkarte bezahlen. Die Kreditkartennummer kann für künftige Fahrten gespeichert werden.
Mit etwas Glück findet sich auf der gesuchten Strecke sofort ein verfügbarer Fahrer. Am östlichen Rand des „Bediengebiets“ an der Flottbeker Drift ist allerdings nach mehrmaliger Sucheingabe kein Fahrzeug zu finden – also hilft nur, den Startort für die Fahrt zum Klein Flottbeker Bahnhof zu verändern. Auch die Suche am Stillen Weg findet kein Fahrzeug, schließlich wird eines in einer Entfernung von 15 Minuten Fußweg angezeigt. Das ist mir deutlich zu weit.

Ein paar Schritte weiter Richtung Westen wird nun der Shuttle „Anna“ angeboten, Start an der Julius-Brecht-Straße vorm Elbe Einkaufszentrum. Meine Vorfreude steigt, doch das Rädchen dreht sich nach dem Klick auf „Buchen“ lange, und die Buchung kann aus unklaren Gründen nicht bestätigt werden. Inzwischen sind seit der ersten Suche 25 Minuten vergangen.
Eine Fahrzeugsuche ab der Bushaltestelle Windmühlenweg (Osdorfer Landstraße) ist schließlich von Erfolg gekrönt: Shuttle „Henry“ soll auf seiner Tour schon in drei Minuten vorbeikommen. Diese Information löst leichte Hektik aus. Nach einem Klick auf „Buchen“ wird als Bestätigung ein Buchungscode angezeigt, den man dem Fahrer zeigen soll.
Die App zeigt während des Wartens auf dem Stadtplan den eigenen Standort und den des herannahenden Wagens. Es heißt, Henry komme in zwei Minuten, in Echtzeit dauert es ein wenig länger. Schließlich erscheint „Dein Fahrer ist da“, und von weitem ist tatsächlich das auffällige weiße Elektro-Fahrzeug zu sehen. Das Auto fährt allerdings zügig vorbei – trotz Winkens.

10 Fahrzeuge sind laut „Süddeutscher Zeitung“ im Testgebiet unterwegs

Für den Fall, dass sich Fahrer und Fahrgast nicht treffen, gibt es die Telefonfunktion, die gut funktioniert. Klickt man auf den Telefonhörer, wird man mit ioki verbunden. Der Fahrer meldet sich prompt per Mobiltelefon zurück und sagt sofort zu umzudrehen. Der angegebene Standort an der Osdorfer Landstraße sei ungenau gewesen.
15 Minuten nach der ursprünglich angekündigten Zeit ist der Elektroshuttle da – die erste Sucheingabe ist inzwischen 45 Minuten her. Den Buchungscode vorzeigen, und es kann losgehen. Mitfahrer gibt es keine, dafür umso mehr Platz im Innenraum. Das nagelneue Auto sieht von innen exakt aus wie ein modernes Black Cab, ein Londoner Taxi. Hier passt ein großer Kinderwagen oder Rollstuhl hinein. Es gibt drei Sitze in Fahrtrichtung und drei Klappsitze gegenüber – und viele gelbe Haltegriffe, die ans Busfahren erinnern. Ansonsten erinnert nichts an öffentliche Verkehrsmittel. Im Gegenteil: Es fühlt sich an, als säße man in einem geräumigen Taxi.
Die Fahrt ist angenehm, das Auto gut klimatisiert und leise und der Fahrer Arnfried freundlich und gesprächig. Das Elektroshuttle-Angebot werde viel genutzt, betont er, vor allem von jungen Leuten rund ums Lurup-Center. Sein Job macht ihm sichtlich Spaß, was auch an den gut gelaunten Fahrgästen liege, erklärt er.
Der Bahnhof Klein Flottbek ist schnell erreicht, hier wartet Arnfried auf den nächsten Auftrag. Die 2,20 Euro (HVV-Tarif) und das Taxi-Feeling machen die lange Wartezeit schnell vergessen. Der Fahrer gibt noch zwei hilfreiche Tipps: Wenn kein Fahrer verfügbar ist, immer ein Stück weiter gehen und noch mal probieren und bei jeder Fahrt etwas mehr Zeit im Voraus einplanen. „Man sollte nicht unter Zeitdruck stehen.“ Obwohl es sich manchmal so anfühlt, ist ioki kein Taxi.

https://vhhbus.de/ioki-hamburg/

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here