Melissa (4) hält tapfer eine echte Vogelspinnen-Haut auf der Hand. (Foto Gisela Baudy)

Am 18. Juli 2018 hatte die Loki Schmidt Stiftung zu einer Entdeckertour rund um Spinnen in der Heide eingeladen. Die Veranstaltung „Spinnen – mehr als nur lästige Zimmerbewohner“ fand im Rahmen der Netzwerkreihe „HARBURG GRÜN & FAIR“ statt. Kooperationspartner war HARBURG21.

Sie krabbelten um die Wette, Kinder und Spinnen, am „Schafstall“ in der Fischbeker Heide – die einen sichtbar, die anderen eher unsichtbar. Auf der Tagesordnung stand die Entdeckertour „Spinnen – mehr als nur lästige Zimmerbewohner“. Linnéa Birth und Ludmila Wieczorek von der Loki Schmidt Stiftung führten die Besucherinnen und Besucher durch ein abwechslungsreiches und interaktives Programm für die ganze Familie. Von A wie „Anfassen“ bis Z wie „Zahlenraten“ war alles dabei, was Lernen – besonders im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung – leicht und die Lernenden locker macht.

Julius (5) mag alles, was krabbelt. Spinnen sind da keine Ausnahme. Und davon krabbelt, keschert (speit), springt und spinnt es in Fischbek im Wald, auf Wiesen und in der Heide zuhauf: 158 Arten haben Spinnenforscher*innen bis dato registriert. Das sind weitaus mehr als etwa Julius, Frieda (5), Ellie (3), Melissa (4) und die Erwachsenen zu finden hofften, als sie sich an dem heißen Sommernachmittag des 18. Juli um 15 Uhr im Infohaus Fischbeker Heide versammelt hatten. Aber kennenlernen konnten die jungen und junggebliebenen Forscherinnen und Forscher das eine oder andere Exemplar schon – auf Bildern, anhand von Spinnenhäuten und sogar in echt.

Den Anfang machte eine riesige schwarze Vogelspinne – aus Stoff. Ein echtes und harmloses Kuscheltier. „Vogelspinnen sind für Menschen überhaupt nicht gefährlich“, erklärte Linnéa Birth, die seit August 2017 bei der Loki-Schmidt-Stiftung ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert und absolut fasziniert von den behaarten Achtbeinern ist. „Ich find Spinnen einfach toll“, verrät die junge Frau mit der großen schwarzen Plastikspinne am rechten Zeigefinger.

Nachdem den Spinnenbildern die richtigen Bezeichnungen zugeordnet worden waren – hier eine Wolfspinne, dort eine rote Röhrenspinne, daneben die Wasserspinne und so fort – schwärmten alle aus, eine Spinne zu finden und im Beobachtungsbecher einzufangen. Sie schauten im Gras, unter Laub und Steinen, in Baumrinden und Holzbalken und an Häuserwänden. „Merkt euch auch, wo ihr die Spinnen gefunden habt, weil wir sie dort wieder hinsetzen werden“, entließ Linnéa die eifrigen Forschergeister.

Die Ausbeute war – der Jahreszeit geschuldet – gering, aber dennoch interessant: Eine langbeinige Zitterspinne sowie eine winzige Trichterspinne konnten von den Freizeitforscherinnen und -forscher bestaunt werden, bevor sie die Spinnen wieder aussetzten. „Du bist frei!“, gab Elly (5) der Trichterspinne mit auf ihren Weg zurück in ihre Behausung. Eine Wolfsspinne entzog sich näherer Betrachtung. Sie tauchte geschwind unter den Augen von Ludmila Wieczorek, Leiterin des Informationshauses, im Ufergras des kleinen Geländetümpels unter. „Die sind wirklich flink“, erläuterte sie. „Müssen sie auch sein. Denn sie spinnen keine Netze. Sie lauern auf ihre Beute, einen Käfer zum Beispiel, und dann schießen sie aus ihrem Versteck hervor.“

Dass Spinnen auch Fliegen, Wespen und Bienen fressen, wusste Frieda zu berichten. Dass Wespen auch Spinnen fressen und Spinnen sich sogar von kleineren Spinnen ernähren, wussten nur die Kursleiterinnen.

„Das war cool“, freute sich Melissa, nachdem die Kinder in Zweier-Teams gegeneinander angetreten waren, um ihre „Beute“ (Erwachsene) so schnell wie möglich einzuspinnen. Das gestaltete sich nicht ganz so einfach, denn die Spinnfäden bestanden aus langen, unhandlichen Seilen.

Beute einwickeln. Mitte: Linnéa Birth. Rechts: Ludmila Wieczorek. (Foto Gisela Baudy)

Anschließend stürzten sich die jüngsten Spinnenfans mit Elan auf ein ca. 2 x 2 Meter großes Netz aus dicken schwarzen Seilen. Auf diesem zwischen den Bäumen aufgespannten großmaschigen „Spinnennetz“ versuchten die Kinder von einer Seite zu anderen zu krabbeln, ohne mit den Füßen den Boden zu berühren. Klappte auch meistens.

Zum Abschluss ließ Linnéa den Lernstoff noch einmal Revue passieren – mit einem selbst gestalteten und gebauten Birkenholz-Glücksrad und zwölf Quizfragen. Alle Teilnehmenden durften drehen und sich erinnern, dass Spinnen beispielsweise (bis zu) acht Augen haben, die kalte Jahreszeit in Winterstarre überdauern, einen (für uns ungefährlichen) Giftzahn zum Betäuben ihrer Beute haben, ansonsten aber statt Zähnen Kieferklauen besitzen und (als Webespinnen) sechs bis sieben verschiedene Spinnfäden produzieren. Eine kleine Süßigkeit belohnte alle für den Einsatz.

Um 17 Uhr ging die kurzweilige Informations- und Aktionstour zu Ende. „Ich hab tatsächlich vieles nicht gewusst, was ich heute über Spinnen erfahren habe“, kommentierte eine Mutter im Weggehen. Allen anderen ging es vermutlich ebenso.

Zum Hintergrund: Unter dem Slogan „HARBURG GRÜN UND FAIR“ führt das lokale NachhaltigkeitsNetzwerk HARBURG21 mit verschiedenen Harburger Akteuren eine gemeinsame Veranstaltungsreihe durch. Den Auftakt machten die Bücherhalle Harburg und die Kita Eddelbüttelstraße mit der Ausstellung Energie verwenden und nicht verschwenden. Außer der Loki Schmidt Stifung sind mit dabei: die Baumschule Lorenz von Ehren, Dr. habil. Wolfgang Ahlf (Ökologie- und Nachhaltigkeitsforscher, ehem. TUHH), Globales Lernen Harburg, die Goethe Schule Harburg, die HARBURG21-Arbeitsgruppe Verkehr21 sowie die TuTech Innovation.

Vorschau: Die nächste Netzwerk-Veranstaltungen der Loki Schmidt Stiftung sind die „Zwei-Länder-Heide-Tour“ am 19. August um 12.00 Uhr und „Die Mythologie der Heide-Bäume“ am 9. September um 10.00 Uhr.

Ferner stehen bislang auf dem Programm: eine Radtour der HARBURG21-Arbeitsgruppe Verkehr21 am 12. August zur Seemannsmission Hamburg-Harburg Duckdalben in Waltershof sowie der Vortrag-und Diskussionsabend „Wem gehört die Stadt?“ von Dr. habil. Wolfgang Ahlf (ehemals TUHH) am 14. September 2018, 19 Uhr im Harburger Rathaus. Mehr Informationen sind im Terminkalender des Harburger Klimaportals zu finden. Mehr Infos finden Sie in unserem Terminkalender.

Zum Veranstaltungsprogramm der Loki Schmidt Stiftung geht es hier.

Text: Chris Baudy
Fotos: Gisela Baudy
Plakat: Chris Baudy (mit Foto der Loki Schmidt Stiftung)

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