Der Aushang am Posthop in Iserbrook Foto: Grönwoldt

Als Hans-H. Herrmann am vergangenen Donnerstag etwas in der Iserbrooker Post erledigen wollte, kam er nicht rein. „Diese Filiale bleibt für immer geschlossen“, stand auf dem Schild an der Tür. „Eine unmögliche Entscheidung“, so Herrmann, „zumal diese Agentur für den Ortsteil mit einem hohem Anteil von Senioren lebenswichtig war.“ Noch am Freitag, 6. Juli, war die Post in Iserbrook geöffnet. Weil es keinen Hinweis auf die bevorstehende Schließung gab, standen viele Kunden wie er in der Woche darauf vor verschlossenen Türen.
Wie es dazu kommen konnte, beantwortet Postsprecher Martin Grundler auf Anfrage des Elbe Wochenblatts recht zügig: „Die Filiale in der Sülldorfer Landstraße 13 hat aus Gründen, die die Deutsche Post nicht zu vertreten hat, vorübergehend geschlossen. Wann und wie es mit dem Standort weitergeht, wird schnellstmöglich geklärt.“

Der bisherige Betreiber der Postagentur, Rainer Jakszentis, braucht keine halbe Stunde, um auf unsere E-Mail-Anfrage zu reagieren. Er sieht die Gründe sehr wohl bei der Post: Sein Vertragspartner Post AG habe 2014 „Partnerverträge mit erheblichen Vergütungskürzungen vorgelegt, so dass es sich durch Personalkosten, Versicherungen und langjährige Mietverträge nicht mehr rechnet“, die Filiale zu betreiben. Seitdem diese neuen Vertragskonditionen gelten, ist also offenbar der Wurm drin und die Geschäftsaufgabe für ihn der logische Schritt.
Telefonat mit Udo Böer, dem Vorsitzenden des Postagenturverbands Deutschland. Der 63-Jährige kann ein Lied von diesen und ähnlichen Fällen singen. Er selber war Betreiber einer größeren Postagentur in Ratingen bei Düsseldorf. Nach der Privatisierung der Post 1994 wurde das Filialgeschäft mit Einzelhändlern wie ihm betrieben. Das ging einige Jahre gut. „Der große Schnitt kam Anfang 2014. Die Post legte mir einen neuen Vertrag vor, gemäß dem ich nur noch 600 statt zuvor 1.600 Euro im Monat bekommen sollte. Es hieß, ich solle einwilligen, sonst würde der Vertrag mit einer Frist von sechs Monaten gekündigt.“ Sein Verhältnis zur Post ist seitdem nicht das beste, schließlich sei ihm aber gekündigt worden, „weil er gemeckert habe“.
Der Verbandsvorsitzende teilt die Einschätzung des ehemaligen Betreibers aus Iserbrook. „Selbst, wenn man nur den Mindestlohn zahlt, kann man wirtschaftlich kaum überleben“, sagt der erfahrene Einzelhändler. Zwar lockten die Postdiensleistungen viele Kunden ins Geschäft, doch sei dies sehr zeitaufwändig. „Die einzelne Briefmarke zu 80 Cent bringt aber nur wenig ein. Die Betreiber, die rechnen können, hören auf.“ Dies führe zu Filialschließungen, wie sie die Iserbrooker nun erleben.

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