Noch vor wenigen
Wochen galt die bpd Immobilienentwicklung GmbH als „Retter“ der Harburger Innenstadt. Die Firma hat das marode Harburg Center gekauft, will es abreißen und dafür 220 Wohnungen, eine Ladenzeile im Erdgeschoss sowie eine Tiefgarage bauen. Dank seiner forschen Vorgehensweise hat sich der „Retter“ bislang keine Freunde gemacht. Erste juristische Scharmützel drohen.
Bereits der Abriss des Harburg Centers gestaltet sich kompliziert. Der Tunnel Schüttstraße sollte seit dem 16. Juli mehrere Wochen lang geschlossen werden. Als zuständige unterste Straßenverkehrsbehörde hatte die Polizei den Plan geprüft und zugestimmt. Das Bezirksamt hatte die Abrissgenehmigung erteilt. Doch die Sperrung ist verschoben, vermutlich nur um wenige Wochen.

Wir sind bereit, eine Nachbarschaftsvereinbarung abzuschließen. Dies kann aber ganz sicher nicht kurzfristig
geklärt sein.
Jürgen Allemeyer
Geschäftsführer
Studierendenwerk Hamburg

Warum? Im Tunnel befinden sich zwei Eingänge einer Studentenwohnanlage. Durch eine Schließung des Tunnels wären Fluchtwege versperrt, die Wohnanlage dürfte nicht mehr genutzt werden, die Mieter müssten in Hotels untergebracht werden.
„Die Schließung des Tunnels käme einem Schildbürgerstreich nahe, und ich gehe davon aus, dass die grundsätzlich hierzu erfolgten Genehmigungen nicht vollzogen werden“, hatte Jürgen Allemeyer, Geschäftsführer des Studierendenwerks Hamburg. erklärt „Wir sind bereit eine Nachbarschaftsvereinbarung abzuschließen. Dies kann ganz sicher nicht kurzfristig geklärt sein, so dass ich davon ausgehe, dass die Sperrung bis zur Klärung der offenen Fragen ausgesetzt wird. Ansonsten würden wir alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um unsere und unserer Mieter Interessen zu wahren.“
Nach Auskunft von bpd-Sprecherin Carolin Höfner ist die Tunnelschließung alternativlos: „Aufgrund von Sicherheitsauflagen der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen ist ein Abbruch der Straßenüberbauung ohne eine zeitweilige Sperrung nicht erlaubt.“
Aktuell wird hinter den Kulissen eifrig versucht, die „Kuh vom Eis“ zu bekommen. „Nach meinen Informationen ist der Ablauf zwischen dem Bauherrn und der Polizei noch nicht abschließend abgestimmt. Bei der Abstimmung wird auch das Studierendenwerk eingebunden“, teilte Harburgs amtierender Bezirks-amtsleiter Dierk Trispel auf Anfrage mit.
Auch in der Harburger Kommunalpolitik macht sich Ärger breit. „Ich bin entsetzt, wie bei diesem Großprojekt mit den Anwohnern umgegangen wird. Der Verkehrsausschuss wurde nicht an der Verkehrsleitung und Planung während der Abriss- und Neubauphase beteiligt“, stellt Rainer Bliefernicht (CDU) fest, „bei einer Baustelle dieser Größe im Herzen von Harburg ein Unding.“

 

Neue Verkehrsführung:
Das ist geplant

Der Abbruch des „Schand-flecks“ Harburg Center macht viele Sicherheitsvorkehrungen erforderlich. Es wird zu Sperrungen von Gehwegen, teilweise auch von Straßen kommen.
Nach der Schließung des Tunnels Schüttstraße wird der Verkehr ins SeeveViertel über die Ebelingstraße erfolgen, die dann in beide Richtungen befahren werden darf.
Schlecht für Anwohner: Parken in der Ebelingstraße ist dann nicht möglich. Diese Regelung wird „relativ kurzfristig noch im August/September erfolgen und voraussichtlich in dieser Form mindestens für rund zwei Monate andauern“, sagt Carolin Höfner, Sprecherin der bpd Immobilienent-
wicklung. „Mittelfristig ist im Anschluss geplant, die Vollsperrung der Schüttstraße aufzuheben und eine einseitige Befahrung zu ermöglichen“.
Parallel zu den Abbrucharbeiten finden von September2018 bis März 2019 in der Studentenwohnanlage Schüttstraße Umbauarbeiten statt.
Carolin Höfner: „Wenn möglich, sollten die Schüttstraße und die Ebelingstraße auch während dieser Zeit gemieden werden.“

 

Harburg Center

Zehn Jahre lang hatte Hans-Dieter Lindberg, der ehemalige Eigentümer des Harburg Centers, mit Verwaltung und Politik über eine Umgestaltung des weitgehend leerstehenden Komplexes gestritten.
Der neue Eigentümer, die bpd Immobilenentwicklung GmbH, will das Harburg
Center abreißen und neben Flächen für Einzelhandel auch 220 Wohnungen errichten. 2021 soll der Neubau fertig sein.

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