Aus, vorbei: Erzbischof Stefan Heße hat die Gespräche mit der Hamburger Schulgenossenschaft über die Rettung der katholischen Schulen abgebrochen. Den Eltern wurde diese Nachricht am ersten Tag der Sommerferien mitgeteilt. Nicht per Brief, sondern per E-Mail über die Elternvertreter. Damit scheint für das 2003 eröffnete Niels-Stensen-Gymnasium (NSG) das Ende besiegelt zu sein. Die Zukunft der katholischen Schulen Harburg und Neugraben bleibt ungewiss.
„Die Katholiken in Harburg sind tief enttäuscht. Wir sind davon ausgegangen, dass das Erzbistum mit der Genossenschaft Gespräche und Verhandlungen auf Augenhöhe führt. Jetzt erst ist klar geworden, dass das zu keinem Zeitpunkt der Fall war“, beschreibt Daria Wolf vom Pfarrgemeinderat St. Maria-St. Joseph Harburg die Stimmung.
Hintergrund: Die finanzielle Schieflage des Erzbistums hatte sich über Jahre hinweg entwickelt, ohne dass gegengesteuert wurde. Um die drohende Pleite abzuwenden, wurde Anfang 2018 der Plan vorgestellt, acht der 21 katholischen Schulen zu schließen – darunter alle drei Schulen im Bezirk Harburg. Um diesen Kahlschlag zu verhindern, riefen engagierte Katholiken die Initiative Hamburger Schulgenossenschaft ins Leben. Schulgenossenschaft und Erzbistum sollten gemeinsam das Fortbestehen der Schulen erreichen. Nachdem mehrere kirchliche Gremien für einen Abbruch der Gespräche zwischen Erzbistum und Schulgenossenschaft plädierten, folgte Erzbischof Heße diesem Ratschlag.

Jetzt ist klargeworden, dass die Gespräche und Verhandlungen zu keinem Zeitpunkt auf Augenhöhe geführt wurden
Daria Wolf,
Pfarrgemeinderat

Wie geht’s jetzt weiter? Das Niels-Stensen-Gymnasium wird auslaufen. Alle jetzigen Schüler sollen ihr Abitur aber noch am NSG ablegen können.
Die katholische Schule Neugraben (KSN) soll zu einer Stadtteilschule ausgebaut werden, die katholische Schule Harburg (KSH) ins Gebäude des
Niels-Stensen-Gymnasiums ziehen. Jetzt sucht das Erzbistum für KSN und KSH dringend Investoren. Im Herbst soll bekanntgegeben werden, ob das gelungen ist. Falls nicht, droht auch diesen Schulen das Aus.
Ein erster Plan des Erzbistums scheint geplatzt zu sein. Vor zehn Jahren hatte die Hansestadt dem Erzbistum Grundstücke, auf denen sich Gebäude der KSH befinden, geschenkt! Bei Ausweisung dieser Flächen als Bauland könnte ein Verkauf dem Erzbistum viel Geld in die Kassen spülen. Geld, das für die KSN und KSH genutzt werden sollte. Doch in der Politik besteht wenig Bereitschaft, aus diesen Schulflächen Bauland zu machen.

„Das Vorgehen der Bistumsleitung halten wir für destruktiv“

Offener Brief des Initiativkreises der
Hamburger Schulgenossenschaft

Zum Abbruch der Verhandlungen hat der Initiativkreis der Hamburger Schulgenossenschaft einen offenen Brief veröffentlicht. Hier ein kleiner Auszug:
„Die Hoffnung, die wir zwischenzeitlich gemeinsam für die Schulen hatten, erfüllt sich nun nicht. Wir sind darüber sehr betrübt. Mehr noch bedrückt uns der Stil, in dem die Verhandlungen zu Ende gegangen sind.
Der Vorwurf, es seien nicht ausreichend belastbare Konzepte vorgelegt worden, ist überraschend – bis zum 5. Juli wollten wir verhandeln mit dem Ziel, Grundlagen und Verfahrensweisen zu vereinbaren. Es war immer verabredet, dass die konkrete Ausformung von Bedingungen der grundsätzlichen Einigung folgen muss und wird – aber selbstverständlich haben wir dieser nicht vorgreifen können oder wollen.
Doch schon über eine Woche vorher hat der Generalvikar außerordentlich tendenziöse und unfreundliche Schreiben über uns an die Gremien verschickt. Wir haben seine Schreiben nicht zur Kenntnis erhalten, und hatten keine Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen. Unser Angebot, das Konzept den Gremien vorzustellen und für Fragen zur Verfügung zu stehen, wurde abgelehnt.
Das Vorgehen der Bistumsleitung halten wir für destruktiv und befürchten einen bleibenden Schaden für das Ansehen der Kirche in unserer Stadt.“

Das sagt der Erzbischof

Auszug aus dem Brief des Erzbischofs Stefan Heße an die Eltern und Mitarbeiter der katholischen Schulen in Hamburg vom 5. Juli:
„.Zugleich sage ich Ihnen zu, dass wir weiterhin alles daran setzen werden, die drei mit einem Moratorium belegten Schulen (Sophienschule, Katholische Schule Harburg, Katholische Schule Neugraben, d.Red.) zu entwickeln. Das Ende der Verhandlungen mit der Initiative Hamburger Schulgenossenschaft bedeutet nicht das Ende unserer Anstrengungen, mit externen Partnern hier zu einer zukunftsfähigen Lösung zu kommen.
Unser Ziel ist und bleibt der Auf- und Ausbau der Katholischen Sophienschule und der Katholischen Schule Neugraben zu Grund- und Stadtteilschulen sowie der Umzug der Katholischen Schule Harburg in das Gebäude des Niels-Stensen-Gymnasiums.
Dafür setze ich mich persönlich ein! Und auch das wird nur mit breiter privater und öffentlicher Unterstützung möglich sein.“

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