Osmar Laurente und Frank Hupke (v.l.) vor dem Café Buena Vista. Foto: schneider

Mateo Schneider, Altona
Dieser Ort ist ein besonderer. Einer dieser vergessenen Orte, die etwas ausstrahlen, das im immer dichter bebauten Hamburg immer seltener zu finden ist. Die Kopfsteinpflasterallee direkt am Bahndamm, der Kontrast zu den umliegenden Gewerbegebieten, der graffitiübersäte Tunnel unter dem Bahndamm hindurch, der Friedhof und schließlich das Café. Wer diesen Ort noch sehen möchte, muss sich beeilen. In nicht allzu ferner Zukunft soll er dem neuen Fernbahnhof Diebsteich weichen.
„Es tut in der Seele weh“, sagt Frank Hupke. Hupke wohnt seit acht Jahren am Diebsteich und hat eine besondere Beziehung zu dem Café. Ende 2014 hat der Kubaner Osmar Laurente die leeren Räume einer ehemaligen Dönerbude übernommen und daraus das „Café Buena Vista“ gemacht, „einen Ort voller Charme und Freundlichkeit“, so Hupke, einer der ersten Gäste, fast schwärmerisch.
Das Café ist bereits zum Nachbarschaftstreff geworden, als der allein lebende Hupke am 15. September 2015 einen Schlaganfall erleidet. Danach zeigt sich, welche immense Bedeutung das Café mittlerweile bekommen hat. „Hier werden Freundschaften gefunden, Geburtstage und Hochzeiten gefeiert, gemeinsam nach Beerdigungen getrauert und gemeinsam zu Livemusik getanzt. Es ist ein Ort der Vertrautheit und der Zusammengehörigkeit. Er ist mit uns gewachsen und die Nachbarschaft mit und durch das Café“, so Hupke.

Hupkes Wohnung liegt direkt gegenüber dem Café. „Es war für Osmar Laurente eine Selbstverständlichkeit zu helfen“, sagt er. Da er nicht selber kochen konnte, „fütterte er mich durch, da ich nicht richtig sprechen konnte, hatte ich bei ihm die Gelegenheit, mein Alleinsein zu verlassen und zu wissen, dass jemand da ist, mit dem ich mein Sprechen üben konnte, mit dem ich aber nicht reden musste. Mit dem ich mich nicht verabreden musste, der einfach immer für mich da war. Die Nachbarn, die ich im Café kennengelernt hatte, haben für mich die letzte Phase der Renovierung übernommen, so dass ich mich auch zuhause wieder wohl fühlen konnte.Dies hat mein Leben überaus positiv beeinflusst.“
Noch viel schmerzhafter ist für die Anwohner jedoch, dass die Bahn AG und die Stadt Hamburg sich über ihre Wünsche hinwegsetzen. „Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als dass diese einzigartige, authentische Perle erhalten bleibt“, betont Hupke. Ein Gesprächsangebot, im neuen Empfangsgebäude eventuell Platz für ein neues Café zu schaffen, hat es bislang noch nicht gegeben.

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