Seit März wird in der Weidenallee gebuddelt, momentan ist die Straße für den Durchgangsverkehr gesperrt. Dieses Bild entstand im Mai. Foto: mg
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Der Umbau der Weidenallee ist noch nicht fertig, da wird schon geme-ckert. Dass Radfahrer bald auf einem Schutzstreifen rechts auf der Fahrbahn unterwegs sind, hält Amrey Depenau in einer Kolumne, die in der vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Hamburg herausgegeben Zeitschrift „RadCity“ erschien, für ein „bescheidenes Ergebnis einer großen Baustelle“.
Das bisherige Radeln auf der Fahrbahn vom Neuen Pferdemarkt bis zur Fruchtallee sei entspannt gewesen, schreibt Depenau. Künftig würden Autofahrer ohne ausreichenden Seitenabstand an den Radfahrern vorbeifahren. Die hätten auf ihren „Sch(m)utzstreifen“ weniger Platz als vorher. Laut Depenau hätte es gereicht, die alten Radwege auf dem Gehweg zu entfernen und Tempo 30 auf der Weidenallee einzuführen.
In der Verkehrsbehörde verteidigt Sprecher Christian Füldner die Planung: „Die Neugestaltung wird den Rad- und Fußverkehr deutlich verbessern. Wenn die Straße fertig ist, wird der Radverkehr durchgängig, möglichst geradlinig und mit genügend Platz auf eigenen Schutzstreifen unterwegs sein können.“ Mögliche Konfliktstellen zwischen Radfahrern, Fußgängern und Außengastronomie würden auf ein Minimum reduziert, so Füldner
Ein Spaziergang auf der momentan wegen der Bauarbeiten für den Durchgangsverkehr gesperrten Weidenallee zeigt: Im nördlichen Bereich ist der schicke neue Bürgersteig bereits fertig, dort haben Fußgänger tatsächlich mehr Platz und einige Lokale können mehr Tische auf den Bürgersteig stellen.
Bislang hielten viele Autos auf der „Weide“ in zweiter Reihe, in Zukunft würden sie dann auf dem Schutzstreifen stehen. Sprecher Füldner stellt klar: „Auf den hier eingerichteten Schutzstreifen (zu erkennen durch eine gestrichelte Linie – im Unterschied zum Radfahrstreifen mit durchgehender Linie) dürfen Autos nicht parken. Nur ausnahmsweise dürfen sie kurz darauf fahren, beispielsweise wenn sich in einer engen Straße zwei Busse begegnen. Außerdem dürfen Autos bis zu drei Minuten auf Schutzstreifen halten, um zum Beispiel etwas auszuladen. Aber nicht parken.“
Bei der Planung habe die Verkehrsbehörde auch die angespannte Parkplatzsituation im Blick gehabt. „Die Schrägparkplätze bleiben größtenteils erhalten, womit möglichst viele Autos auf engem Raum Platz finden können“. Falschparken bleibe weiterhin verboten.
Wie geht es weiter: Als die Schutzstreifen auf der umgebauten Osterstraße fertig wurden, gab es heftige Kritik (das Elbe Wochenblatt berichtete), die mitlerweile weniger geworden ist. Auf der Weidenallee dürften nun neue Konflikte bevorstehen.

4 KOMMENTARE

  1. Große Baustelle, bescheidenes Ergebnis?
    Diese Frage stellen Sie zu Recht! Anhand des Planausschnitts, den Sie veröffentlicht haben, wird sinnbildlich klar, wie viel Verkehrsfläche in der vorgeblichen „Fahrradhaupstadt Hamburg“, weiterhin dem rollenden- und dem ruhenden Kfz.-Verkehr zu Verfügung gestellt wird: Es sind in dem gezeigten Abschnitt überschlägig 60%! Den Fußgängern werden etwa 28% Verkehrsfläche zugebilligt und für den Radverkehr bleiben nur mickrige 12% (ca.) übrig!
    Einmal mehr wird hier klar, dass die phrasenhaften politischen Absichtserklärungen des Hamburger Senats, den Radverkehrsanteil auf 25% vom Gesamtverkehr erhöhen zu wollen, dass diese Erklärungen Schall und Rauch sind! Um dieses vorgebliche Ziel tatsächlich erreichen zu können, dafür werden die notwendigen Konsequenzen konsequent NICHT gezogen. Das Diktat der „autogerechten Stadt“ regiert weiter und der Senat handelt (wie fast immer) nach dem opportunistischem Prinzip: „Wir tun mal so, als ob wir etwas täten!“
    J.Reuter

  2. Wirklich unbegreiflich, warum auf dieser kurzen Strasse kein Tempo 30 angeordnet werden konnte. Solange Parkplätze wichtiger sind als sichere Verkehrsführung, bleibt die Annsage „Hamburg wird Fahrradstadt“ eine leere Worthülse.

  3. Am Nordende der Weidenallee ist die Situation nach dem Umbau auch für Fußgänger deutlich „beschissener“, da man hier die besonders hirnrissige Idee hatte, dass man Abbiegestreifen braucht und trotzdem an beiden Seiten Längsparkplätze bis an die große Kreuzung heran braucht. Aber insgesamt war dieser Umbau völlig unnötig. 30km/h-Schilder kosten dagegen fast gar nichts und hätten die Situation fast ohne baulichen Eingriff (abgesehen vom notwendigen Rückbau der Mini-Fahrradwege) gelöst.

    Es wäre schön, wenn man die beton- und autofanatischen Planerinnen/Politikerinnen und Planer/Politiker in Hamburg endlich mal mit ihrem Denken im 21. Jahrhundert ankommen würden: Kreuzungen im dicht bebauten urbanen Raum müssen auch urban (also mit Aufenthaltsqualität und im menschlichen Maßstab, siehe Jan Gehl) gestaltet werden und sind nicht autozentriert quais als niveaugleiche Autobahnkreuze mit Alibi-Fuß- und -Radfahrer-Bereichen zu gestalten. Wo bitte verstecken sich die ganzen Leute, die so sehr auf das alles zerstörende Verkehrsmittel Automobil stehen und aufgrund derer sich die politisch und planerisch Verantwortlichen legitimiert fühlen, so einen allerletzten Scheiß zu planen? Ich kenne fast ausschließlich Menschen, die es anders wollen. Lebe ich in einer Parallelwelt? *grübel*…

    • Nun ja, leider fahrt ja die Mehrheit in der Stadt ja noch Auto und stellt sich jeden Tag wieder in den Stau und jammert dann darüber. Leider fehlt der Mehrheit der PolitikerInnen in HH die Fantasie, wie es besser gehen könnte. Die SPD hat ihr „Kassel Syndrom“ und CDU/FDP/AfD leben verkehrsmäßig eh noch in den 60/70er Jahren. Die Grünen sind zumindest bei Herrn Scholz handzahm gewesen und die LINKE kommt nicht an die Regierung.
      Und so wird dann von der Fahrradstadt gefaselt und die Autostadt voll am Leben erhalten.

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