Nachbarn nennen den Altbau in der Eimsbütteler Straße 45a „Beatles-Haus“. Foto: mg

Wenn der junge John Lennon Pause vom Rock ‘n’ Roll hatte, den er mit den Beatles nächtelang in den Clubs auf St. Pauli gespielt hatte, machte er einen Spaziergang in die Eimsbütteler Straße. Dort wohnte Astrid Kirchherr in einer schönen Altbauwohnung im Haus Nummer 45a. Die Fotografin gehörte zu den engsten Freunden der Band. Am 20. Mai feierte sie ihren 80. Geburtstag.

Sie machte die ersten Profi-Bilder der Beatles

„Wir haben uns gegenseitig stark beeinflusst“, so Kirchherr über ihre Freunde aus Liverpool. Kirchherr hat die ersten professionellen Fotos von den Beatles gemacht, die Bilder, die sie auf dem Hamburger Dom zeigten, wurden berühmt.
Sie hatte die Band bei einem Auftritt im Kaiserkeller im Herbst 1960 zum ersten Mal gesehen. Ihr Freund Klaus Voormann hatte sie überredet, sich ein Konzert dieser lauten Rocker in Lederklamotten anzuhören. Kirchherr war zum zweiten Mal in ihrem Leben auf St. Pauli. „Da ging man einfach nicht hin“, erinnerte sie sich in einem Interview. Die Eimsbütteler Straße war eine gutbürgerliche Gegend, der Kiez lag nur geografisch in der Nähe. Kirchherr und ihre Freunde waren „Exis“, Existenzialisten, die sich wie ihre französischen Vorbilder schwarz kleideten. Sie wurden die ersten intellektuellen Fans der Band.

Stuart Sutcliffe und Astrid lebten hier zusammen

Bald besuchten die Beatles nicht nur Kirchherr, die in der Eimsbütteler Straße gemeinsam mit ihrer Mutter lebte, sondern auch Stuart Sutcliffe, der in die Dachwohnung über den Kirchherrs eingezogen war. Astrid und „Stu“ hatten sich verliebt, Sutcliffe stieg bei der Band, bei der er der Bassist gewesen war, aus.
Er war Lennons bester Freund und hatte mit ihm in Liverpool gemeinsam die Kunstschule besucht. Sutcliffe war so talentiert, dass er ein Stipendium an der Hochschule für bildende Künste am Lerchenfeld bekam.
Ein weiteres berühmtes Foto zeigt, wie George Harrison und Lennon im April 1962 mit versteinerten Gesichtern in Stuarts Atelier im Dachgeschoss stehen. Kirchherrs Verlobter war kurz zuvor mit 21 Jahren an einer Hirnblutung gestorben.
Astrid Kirchherr hörte auf, selber zu fotografieren, als die Beatles ab 1963 weltberühmt wurden. „Die Leute haben über meine schönsten Porträts weggeblättert. Nur die Beatles haben sie interessiert“, sagte sie dem „Tagesspiegel“.
Während ihr Freund Klaus Voormann mit der Rückgabe seines „Echos“ Schlagzeilen machte und im Juni beim Konzert von Ringo Starr für den letzten Song des Konzerts auf die Bühne kam, wo er den Chor bei „Give Peace A Chance“ verstärkte, hat sich Astrid Kirchherr komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

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