Was tun, wenn der Geburtstermin näher rückt, weit und breit aber keine Hebamme Zeit hat, sich zu kümmern? Dann könnte eine „Mütterpflegerin“ zumindest bei den nicht-medizinischen Problemen helfen, hofft Kerstin Elvers, denn „es sei nicht absehbar, dass sich auf dem Gebiet in nächster Zeit etwas zum Positiven verändere.“ Sie sollen die Frauen einige Zeit bei Haus- und Familienarbeit entlasten, sich um den nicht-medizinischen Teil der Versorgung im Wochenbett kümmern.
Die Hamburgerin Elvers lässt sich gerade zur Mütterpflegerin ausbilden, fährt dafür regelmäßig nach Gießen. Denn bisher gibt es hier keine Mütterpflegerinnen-Ausbildung. Das soll sich nun ändern. Die Idee kommt aus den Niederlanden. „Kraamverzorgsters“ heißen sie dort, berichtet die Rostocker Frauenärztin Dr. Gesine Weck-mann. Sie hat jahrelang in den Niederlanden gearbeitet, brachte die Idee mit nach Norddeutschland.
Auch hier gab es bis in die 1970er-Jahre „Wochenpflegerinnen“. Dann verlagerten sich Geburt und Wochenbett in die Krankenhäuser, der Beruf der Wochenpflegerin verschwand. Heute sind die Frauen meist nur noch kurz in der Klinik, müssen sich schnell zuhause wieder um Haushalt und Familie kümmern. Das ist das Arbeitsfeld der Mütterpflegerin: Sie betreut Geschwisterkinder, kocht, räumt auf, kauft ein, kümmert sich aber auch um Körperpflege und seelisches Wohlergehen der Mutter.
Eine Konkurrenz für die Hebamme? Dr. Weckmann glaubt das nicht: „Die Mütterpflege ist absolut kein Ersatz für die Betreuung durch eine Hebamme, die die Gesundheit von Mutter und Kind im Wochenbett überwacht. Es ist ein zusätzliches Angebot der Unterstützung zu Hause, da die Hebamme sich nicht den ganzen Tag bei der Familie aufhalten kann um die Aufgaben zu übernehmen, die die neue Mutter vorübergehend nicht selbst übernehmen kann.“
Die Mütterpflegerinnen sind selbstständig tätig. Krankenkassen bezahlen ihren Einsatz unter bestimmten Voraussetzungen, wie sie auch für Haushaltshilfen gelten, eventuell auch schon während der Schwangerschaft.

Das sagt die Gesundheitsbehörde

In der Hamburger Gesundheitsbehörde beurteilt man jede Art der Unterstützung für Frauen im Wochenbett, egal ob durch Familie, Freunde oder Mütterpflegerinnen, positiv. Eine Gefahr sieht Behördensprecherin Mareike Neuschulz in der Abgrenzung der Arbeitsbereiche: Bei den Frauen könnte der falsche Eindruck entstehen, sie seien auch ohne Hebamme ausreichend medizinisch versorgt. „Hier ist entsprechend Vorsicht oder zumindest eine Klarstellung geboten, wo beispielsweise die Grenzen in der Betreuung durch Mütterpflegerinnen lägen.“ Neuschulz weist auf ein weiteres Problem hin: Haftung und Finanzierung sind bisher nicht gesetzlich geklärt.

 

So wird man Mütterpflegerin

Im September startet der erste Ausbildungsdurchgang in Hamburg. Voraussetzungen hinsichtlich der beruflichen Qualifikation gibt es keine. Allerdings werden die Bewerberinnen in Gesprächen auf Eignung geprüft, müssen polizeiliche und Gesundheitszeugnisse vorlegen. Idealerweise haben sie selber Kinder.
Die Ausbildung läuft ein Jahr lang 17-mal sonnabends. Derzeit wird eine Zertifizierung für die Arbeitsagentur vorbereitet. Bis zum September soll sie fertig sein. Dann könnte das Arbeitsamt unter Umständen arbeitslosen Interessentinnen Zuschüsse zu den Ausbildungskosten zahlen.
Wer Interesse an einer Ausbildung zur Mütterpflegerin hat, erhält unter Tel 0381 29 64 45 74 nähere Informationen.. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli. Weitere Infos unter
❱❱ www.wochenpflege.de

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