Von Niels Kreller.

Momentan kämpft die Gilde gegen den Zeitgeist. Zur großen Party im Festzelt mit N-Joy-Moderator Jens Hardeland kamen am Sonnabend gerade einmal 200 Besucher.  Im Wochenblatt-Interview nimmt Ingo Mönke, Mitglied des Gilde-Vorstands – der Deputation – Stellung.

Wie sehen Sie als 1. Patron die Lage der Gilde zehn Jahre vor der 500-Jahr-Feier?
Die Lage der Harburger Schützengilde ist gut. Ihr Ruf in Harburg ist hervorragend, und sie hat in der Harburger Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Das merken wir immer wieder beim Vogelschießen und unserem Winterball.

Wie ist die Entwicklung bei den Mitgliedern? Wir haben einen leichten Mitgliederzuwachs zu verzeichnen – auch wenn unser Altersdurchschnitt immer noch sehr hoch ist.

Woran liegt das? Nicht an der Gilde. Es ist vielmehr ein generelles Problem, auch von anderen Schützenvereinen. Das wollen wir aber angehen. Zum Beispiel mit einer engeren Kooperation mit dem Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden und der Technischen Universität. Da wollen wir in Kontakt mit den vielen jungen Start-Ups treten, die es hier in Harburg gibt, und versuchen sie für die Gilde zu gewinnen.

Und was ist dafür zu tun, dass sich jüngere Menschen für die Schützengilde interessieren? Ich denke, dass wir da auch einmal über das Tragen der Uniform nachdenken müssen. Vielleicht hält das einige davon ab, der Gilde beizutreten. Die Hürde, uns kennenzulernen, ist dadurch zu hoch. Deshalb haben wir ja schon beim Vogelschießen Veranstaltungen, an denen keine Uniform getragen wird. Und auch wenn man gar keine Uniform tragen möchte, müssen wir überlegen, wie wir denjenigen trotzdem ermöglichen, bei der Gilde mit dabei zu sein. Warum sollen nicht einfach Studenten bei den Fahnenjunkern mitlaufen können? Wir sind da offen.

Warum überhaupt Gilde? Worin sehen Sie ihre Bedeutung in der Zukunft? Ich sehe vor allem zwei Säulen für die Zukunft der Gilde. Die eine ist das Sportschießen, also die Gilde als Sportverein. Da müssen wir in einen modernen Schießstand investieren, zum Beispiel mit Laser- und Lichtpunktanlagen. Mit Patronen und Blei zu schießen, ist nicht mehr modern und wird auch langfristig immer weniger gefragt sein. Darauf müssen wir uns einstellen. Aber das kostet Geld. Das Bogenschießen wäre ebenfalls bei uns möglich und auch Blasrohrschiessen begeistert nicht nur unseren Nachwuchs.

Und die zweite Säule? Das ist das Netzwerken in Harburg. Also das, was die Gilde immer war: Ein Bindeglied zwischen Wirtschaft, Politik und Kultur. Das wollen wir erhalten und ausbauen. „Zukunft braucht Herkunft“ ist da unser Motto. Unsere Herkunft ist eben eine andere, als die anderer Schützenvereine. Wir sind der legitime Nachfolger der Harburger Bürgerwehr. Wir haben es verstanden, diesen Stellenwert über Jahrhunderte zu erhalten. Jetzt müssen wir unser Profil schärfen um nicht einfach 500 Jahre alt zu werden, sondern ein zukunftsfähiges Konzept erarbeiten, das auch über die 500 Jahre hinausgeht.

Wie ist die Gilde da aufgestellt? Wir sind schon ganz gut dabei. Aber wir müssen uns noch besser in der Öffentlichkeit präsentieren. Ein gutes Beispiel war da das Gilde-Osterei, das wir im Phoenix-Center mitgestaltet haben und jetzt die Ausstellung unseres Vogelwagens mit begleitender Bild- und Textunterstützung – ebenfalls im Phoenix-Center , mit dem wir einen ausgezeichneten Partner für solche Aktionen haben. In dieser Richtung ist durchaus mehr denkbar.

Wie steht es um die finanzielle Zukunft der Gilde? Wir sind auf Spenden und Sponsoring angewiesen. Von den Beiträgen unserer Mitglieder kann man einen Verein mit den ganzen Aktivitäten nicht führen. Und dann muss man eben überlegen, wofür man das Geld ausgibt. Kann man sich zum Beispiel Pferde für die Kutsche beim Vogelschießen noch leisten? Wir setzen wie bereits im letzten Jahr dabei lieber auf historische Trecker.

Meist äußert die Gilde in jedem Jahr zum Vogelschießen einen Wunsch an den Senat. Was war diesmal los? Richtigerweise muss es heißen, dass im Rahmen des Vogelschießens ein Harburger Wunsch an den Senat gerichtet wird. Wir haben uns gewünscht, dass unsere Remise für den Vogelwagen von der alten Feuerwache am Hastedtplatz abgebaut und im Binnenhafen wieder aufgebaut wird. Denn jetzt wird sie durch Schüler der katholischen Schule als Fahrradunterstand genutzt. Wir können uns vorstellen, unseren Vogelwagen am richtigen Ort wieder dauerhaft den Harburgern zu präsentieren. Aber das war den zu beteiligenden Behörden bis zum Vogelschießen zu kurzfristig. So haben wir uns darauf geeinigt, diesen Wunsch bis zum Vogelschießen 2019 realisieren zu wollen.

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