Wenige Minuten, bevor der mittägliche Freitagsgottesdienst beginnt, breiten Ceyhan Ballikaya und seine Helfer große Teppiche vor dem Eingang der Yeni-Moschee in der Korallusstraße aus. Fröstelnd streifen die ersten Besucher ihre Schuhe ab und lassen sich nieder. Es war nochmal kalt geworden in der Hansestadt: Die Temperatur liegt wenig über null Grad Celsius.
Man rückt näher zusammen, vielleicht wird die Predigt – die per Lautsprecher ins Freie übertragen wird – ja auch für ein wenig Herzenswärme sorgen. Für Gemeindevorsteher Ceyhan Ballikaya ist der Andrang nichs Ungewöhnliches. „An Feiertagen haben wir draußen bis zu zwei- bis dreimal so viele Gäste sitzen wie drinnen“, sagt er.
Im lediglich 80 Quadratmeter großen Gebetsraum – ein ehemaliger Mietergemeinschaftsraum im Erdgeschoss eines Hochhauses – ist in der Zwischenzeit kein Spalt breit Fußboden mehr frei geblieben. Dicht gedrängt knien die Männer auf dem Teppich, während Imam Metin Devringi mit dem Absingen der Salah, dem Gebetsruf des Muezzin, beginnt.

Seit elf Jahren ist ein
Neubau geplant

Raumnot ist eine Sorge, die die 1999 gegründete Yeni-Moschee mit vielen anderen muslimischen Gemeinden teilt. Im Wilhelmsburger Korallusviertel fällt das Problem besonders krass auf: Zwar ist es bei den Muslimen Usus, dass Frauen und Männer getrennt beten – in diesem Fall bleibt das weibliche Geschlecht allerdings gleich ganz außen vor. Nur während des Fastenmonats Ramadan wird den Frauen ein kleiner Extraraum freigemacht.
Schon seit Jahren plant die Gemeinde, die dem türkeitreuen Ditib-Verband („Türkisch-Islamische Union“) untersteht, einen Neubau an der Thielenstraße, Ecke Dratelnstraße. Laut Ballikaya scheiterte die Umsetzung bislang am Geldmangel. „Dieses Jahr soll es endlich losgehen“, verspricht der Vorsitzende der Yeni Camii („Neue Moschee“).
Nun sitzt auch der derzeitige Vermieter, das Wohnungsunternehmen Vonovia, den Muslimen im Nacken: Noch in diesem Jahr soll ein Großteil der Gebäude in der Korallusstraße saniert werden. „Dann müssen wir sowieso erstmal ‘raus“, sagt Ballikaya.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here