So wie auf diesem Symbolfoto droht beim derzeitigen niedrigen Sauerstoffgehalt ein Fischsterben. foto: panthermedia

Den Fischen in der Elbe geht es an den Kragen: Seit Anfang Juni ist der Sauerstoffgehalt des Flusses so gering, daß die Lage für Meerforelle, Neunauge und Co. gefährlich werden kann. Mindestens 4,0 Milligramm Sauerstoff sollten pro Liter Wasser vorhanden sein, damit darin Fische überleben können. „Die Konzentrationen liegen im Hamburger Abschnitt der Elbe aktuell teilweise deutlich unter der für Fische als kritisch eingestuften Schwelle“, teilte die Umweltbehörde mit.
Wie dramatisch ist die Lage? An der Messstation Bunthaus waren kürzlich nur noch 2,8 Milligramm Sauerstoff in einem Liter Wasser vorhanden, an der Messtelle Seemannshöft sogar nur 1,7 Milligramm, auf Höhe Blankenese mit nur 1,5 Mil-
ligramm noch weniger. Die Umweltbehörde spricht von
einem „Sauerstoffloch“ der Elbe zwischen Bunthaus und Seemannshöft. Aber auch in kleineren Gewässern wie Teichen und Rückhaltebecken sei der Sauerstoffgehalt wegen hoher Temperaturen und niedriger Wasserstände bedenklich gesunken.
Die Umweltbehörde rechnet offenbar mit einem Fischsterben größeren Ausmaßes. Hohe Temperaturen und ein verstärkter Sedimenteintrag durch Starkregen könnten zu einem „sichtbaren Fischsterben“ führen, teilt die Behörde mit. Besonders betroffen: wandernde Fischarten wie Meerforelle, Lachs und Neunauge.

Ursachen sind umstritten: Sind Algen schuld?

Was sind die Ursachen? Die Umweltbehörde macht den Menschen verantwortlich: Deich-, Wasser- und Hafenbau hätten wichtige Flachwasserzonen verringert. Dazu komme nun die Algenblüte, die an der mittleren Elbe durch viele Nährstoffe aus Landwirtschaft und Klärwerken besonders stark ausfalle. Die vielen Algen würden dann nach Hamburg geschwemmt, wo sie von Bakterien abgebaut würden, die viel Sauerstoff verbrauchen.
Umweltschützer sehen die Algen zu Unrecht beschuldigt: Oberhalb des Hafens bekämen die Algen der Elbe gut, „weil durch die Photosynthese der Algen das Wasser mit Sauerstoff gesättigt einläuft“, sagt Klaus Baumgart vom Verein „Rettet die Elbe“. Erst „im seeschifftiefen Wasser stellen die Algen die Sauerstoffproduktion ein“, sagt er. Sein Fazit: „Bar jeden ökologischen Verständnisses verleumdet die Umweltbehörde die Algen als Ursache für den Sauerstoffmangel, weil sie nicht zugeben will, dass die Elbvertiefung Ursache der Misere ist.“
Was kann man tun? „Hamburgs Einfluss auf die Situation ist minimal“, heißt es aus der Umweltbehörde. Könnte man dem Wasser nicht von außen Sauerstoff zuführen, wie zum Beispiel im Aquarium üblich? Das geht nicht, heißt es aus der Behörde, wegen der großen Wassermenge der Elbe.

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