„Zynische Planung“: Matthias Pusch und der Verein „Bliss“ protestieren gegen das Verkehrskonzept für die Harkortstraße. Foto: cvs

Eigentlich hatten sich die künftigen Bewohner der Neuen Mitte Altona schon so auf ihr – explizit als „autoarm“ beworbenes – Quartier gefreut: wenig motorisierter Verkehr, Sicherheit beim Überqueren der Straße und dazu möglichst wenig Lärm. Doch was nun die neuesten Pläne für den Ausbau der Harkortstraße offenbaren, lässt den Betroffenen buchstäblich die Haare zu Berge stehen: Das Tempo-30-Limit für gesamte Länge der Straße – von der Stresemannstraße bis zum Lessingtunnel – ist definitiv vom Tisch. Stattdessen soll die Regelung lediglich im nördlichen Straßenabschnitt gelten. Das Gleiche gilt für Fahrradstreifen, die ebenfalls nur im nördlichen Teil, also bis zum Park zwischen Emma-Poel-Straße und An der Kleiderkasse, eingerichtet werden. Insgesamt sind lediglich drei Querungshilfen für Fußgänger – eine Ampel und zwei Zebrastreifen – vorgesehen.
Matthias Pusch ist entsetzt: „Die Planung ist zynisch“, sagt er. „Müssen wir erst wieder so lange warten, bis jemand totgefahren wird, bevor sich etwas an der Verkehrsregelung ändert?“ Pusch ist Vorsitzender des Vereins „Bliss“, ein gemeinschaftliches Wohnprojekt für Blinde, Sehbehinderte und Sehende. Rund 25 Personen gehören der Interessengemeinschaft an, die in ungefähr zwei Jahren ihr eigenes Zuhause in der Neuen Mitte Altona beziehen möchte.
Doch die Planung für die Harkortstraße lässt die Vorfreude schrumpfen: Insbesondere Kinder und Behinderte seien akut gefährdet, sagt Pusch. „Außerdem sollen mehrere Kitas und eine Schule gebaut werden. Genügt das nicht als Begründung für Tempo 30?“, fragt er. Nach Angaben von „Bliss“ haben sich sämtliche Kitas und Baugemeinschaften vor Ort – viele davon mit Kindern, Senioren oder Behinderten – dem Protest gegen die aktuelle Verkehrsplanung angeschlossen.
Die Verkehrsbehörde (BWVI) erwartet für die Harkortstraße eine Belastung von etwa 10.000 Fahrzeugen pro Tag – allerdings nur im nördlichen Abschnitt. „Im südlichen Abschnitt ist das Verkehrsaufkommen geringer als im nördlichen“, gibt BWVI-Sprecher Dominic Völz als Begründung an. Zudem sei die Straße im südlichen Teil zu schmal, um dort Fahrradstreifen anzulegen. „Es hat auch keine Abwägung zwischen Parkplätzen und Schutz- bzw. Radfahrstreifen gegeben“, so Völz.

Neue Mitte Altona
Laut Stadtentwicklungsbehörde (BSW) sollen die letzten Wohnhäuser der Neuen Mitte Altona spätestens bis Anfang 2020 fertiggestellt sein. Der Park, der den nördlichen vom südlichen Bauabschnitt trennt, wird voraussichtlich bereits 2019 eröffnet. Insgesamt wird das neue Wohngebiet nach Abschluss der Arbeiten 1.600 Menschen beherbergen. Im städtebaulichen Vertrag mit den Eigentümern wurde laut BSW festgelegt, dass im Durchschnitt nicht mehr als 0,4 Stellplätze je Wohnung realisiert werden dürfen. Auf der anderen Seite sind 15 Carsharing-Stellplätze, zwei StadtRad-Stationen und eine Ausleihstelle für Lastenräder, E-Bikes und Fahrradanhänger geplant. Die sogenannte „Mobilitätsstation“ soll im Herbst 2018 an den Start gehen.
Weiterhin wird es eine neue Busverbindung des HVV durch die Harkortstraße geben, inklusive zweier Haltestellen. Genaueres kann das Verkehrsunternehmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht mitteilen. „Die entsprechenden Abstimmungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagt HVV-Pressesprecher Rainer Vohl. cvs

1 KOMMENTAR

  1. Abschnittsweise mit Tempo 30 und Fahrradstreifen und drei Querungshilfen für Fußgänger und eine Ampel und zwei Zebrastreifen und eine neue Busverbindung…

    Wäre eine S-Bahnstation „Neue Mitte Altona“ (irgendwo zwischen Altona und Holstenstrasse) nicht deutlich sinnvoller? Die Gleise sind da, Platz gibt’s auch. Was oder wer spricht dagegen?

    Anm. der Red.: Die Ampel und die Zebrastreifen SIND die drei Querungshilfen für Fußgänger.

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