Links neue Fliesen, rechts gucken noch Rohrenden aus der Wand: So sah es in Simone K.s Bad Ende Mai aus. Foto: mg

Seitdem im Badezimmer von Simone K. (Name geändert) Anfang Mai ein altes Wasserrohr platzte, lebt die Eimsbüttelerin auf einer Baustelle. Wasser war in die Wohnung unter ihr gelaufen, die Wände mussten zunächst getrocknet werden. Nachdem ein neues Rohr verlegt worden war, entschied Ks. Vermieter, die alte Badewanne und Toilette herausreißen zu lassen und etwas Neues einzubauen. „Ich kann nur bei einer Nachbarin duschen und auf die Toilette gehen“, sagt K., als wir sie Ende Mai in ihrer Wohnung besuchen.

Seit 1961 lebt die inzwischen 81-Jährige in der hellen Dreizimmerwohnung. Als sie mit ihrem Mann einzog, war das rotgeklinkerte Haus gerade fertiggestellt worden. Für 69 Quadratmeter zahlt sie 500 Euro warm. Sie ist die einzig verbliebene Mieterin in dem Mehrparteienhaus in begehrter Lage. Die anderen Parteien sind Eigentümer.

K.s Vermieter hat die Wohnung vor einigen Jahren geerbt, er lebt 160 Kilometer von Eimsbüttel entfernt. Am liebsten wäre es ihm, sein Sohn, der als Freiberufler in Hamburg lebt, würde die Wohnung bekommen. Einer entsprechenden Klage auf Eigenbedarf hat ein Gericht nicht stattgegeben. „Der Vermieter hat mit harten Bandagen gekämpft“, so K. Das Gericht überzeugen konnte er nicht. In der sommerlichen Hitze dieses Frühlings ist die Nachbarin, bei der das Wasser noch läuft, selten zu Hause. K. ist es unangenehm, dort ständig zu klingeln, oder ihre berufstätigen Kinder einzuspannen.

„Ich bin einfach hilflos und habe den Eindruck, ich soll mürbe gemacht werden, damit sie mich hier rausbekommen“, sagt Simone K. Der Sohn des Vermieters sei auch mal mit den Handwerkern im Schlepptau in der Wohnung gewesen. „Vorgestellt hat er sich nicht.“ K. hat den Eindruck, er wolle sich das Badezimmer, dass ja wohl schon für ihn neu gemacht werde, schon mal ansehen. Seitdem ist das Badezimmer also Baustelle. Als wir auf dem Sofa im Wohnzimmer sitzen, klingelt der Fliesenleger, der sich an die Arbeit macht.

Der Vermieter lacht viel, als wir ihn zwei Tage nach dem Besuch bei K. telefonisch erreichen. Dass seine Mieterin unter der Situation leide, habe er nicht mitbekommen, sagt er jovial. Frau K. habe nie gesagt, dass sie eine Ersatzwohnung während der Bauarbeiten wolle, sie habe doch drei Kinder in Hamburg, die ihr helfen könnten.

Der Vermieter scheiterte mit einer Klage auf Eigenbedarf

Er habe akzeptiert, dass der Sohn nicht einziehen könne, aber K. müsse akzeptieren, dass sie nur Mieterin sei, die schließlich noch eine günstige Miete habe. Was die Bauarbeiten betreffe, verlasse er sich auf die Handwerker. Dass alles so lange gedauert habe, finde er schade.

Eine halbe Stunde später ruft der Vermieter noch einmal zurück. Er habe eben mit den Handwerkern telefoniert, jetzt laufe das Wasser wieder. Frau K. könne wieder duschen und die Toilette benutzen.

Anruf bei Frau K. „Es stimmt. Der Duschkopf wurde vorhin montiert.“ Nach fast vier Wochen kann sie ihr Bad wieder benutzen. „Eine schreckliche Zeit war das, die ich so schnell nicht vergessen werde.“

 

Mietminderung
Simone K. könnte die Miete gegenüber ihrem Vermieter für die Zeit, in der Toilette und Bad nicht funktionierten, mindern. „Die Mietminderung tritt ab diesem Zeitpunkt kraft Gesetz ein. Sie betrifft die Bruttowarmmiete. Die genaue Höhe sollte Frau K., die Mitglied im Mieterverein zu Hamburg ist, nach Beratung durch uns, ihrem Vermieter bekanntgeben“, sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Hamburger Mietervereins.

❱❱ Mieter-Ratgeber unter
www.mieterverein-hamburg.de/de/tipps-ratgeber/info-blaetter/

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