Ewa Poblocka konzertiert am 28.06.2018 beim Chopin Festival Hamburg
Foto: Grzegorz Śledź / PR2

Ewa Poblocka ist ein hellwacher, forschender und unruhiger Geist. Sie liebt die Natur, Reisen, Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen. Wertvolle Eigenschaften, wenn man als Pianistin von Weltrang auf allen Kontinenten unterwegs ist. Quelle ihrer Inspiration ist oft der „Genius Loci“, wo sie spielen, lauschen und beobachten kann. Ebenso kann es eine Zeile aus einem Gedicht sein, die Meeresluft oder die Farben der Wolken bei Sonnenuntergang. Nach ihrer Definition ist ein Künstler ein Mensch, der, ungeachtet aller Lebenssituationen, kreativen Willen zeigt, Intuition und die Fähigkeit, ständig nach neuen Ausdrucksformen für Gedanken und Emotionen zu finden. Ihre „Sprache“ ist die Musik, die sie „mit den Händen auf der Tastatur“ spricht.

Besondere Konzerterlebnisse

Wenn sie an ihre wichtigsten Konzerterlebnisse denkt, sind es oft nicht diejenigen an berühmten Orten, wie etwa Lincoln Center New York, Petersburger Philharmonie, Théâtre des Champs Elysées Paris, Kyoi Hall Tokio, Mozarteum Salzburg. Es sind die unerwarteten Momente, die sie besonders berühren. Am liebsten erinnert sie sich an Auftritte, bei denen sie das Gefühl hat, sie würde fast selbst die Stücke gerade komponieren, die sie spielt. Wenn sie eine starke Verbindung mit dem Publikum hat. Konzerte in den berühmten Häusern bedeuten oft immensen Stress, sehr hohe Erwartungen und sie hört dann eine innere Stimme, die ihr sagt: „Ich MUSS jetzt glänzen!“.

Schön war es z.B. als sie in einer Synagoge in der Ukraine zunächst vor einem halbleeren Saal spielte. Jedoch füllte sich dieser mehr und mehr (dank der mobilen Kommunikation) und am Ende erhielt sie stürmischen Applaus für Bach, Mozart, Chopin und Panufnik. Da war auch ein Schubert-Konzert in Winchester (Großbritannien). Plötzlich begann ein Schwarm Vögel zu singen und der Duft von frisch gemähtem Gras wehte zum Fenster herein. Oder es gab ein Kammerkonzert mit Dang Thai Son, das ein wahrhaftiges Musiker-Erlebnis war. Alles Triviale war unbedeutend – das Kleid, der Klavierhocker. Einfach nur Eins-Werden mit dem Klang … Mozart wie Mozart spielen, Chopin wie Chopin und Schubert wie Schubert.

Ein musikalischer Lebenslauf

Die Liste von Ewa Poblockas musikalischen Meilensteinen ist lang. Trägerin des polnischen Ritterordens für Verdienste um Kultur und das Polnische Nationalerbe. Auftritte in fast jedem Land Europas sowie u.a. in Nord- und Südamerika, China, Südafrika, Singapur, Korea, Japan und Australien. Ihr gewidmete Werke zweier zeitgenössischer Komponisten. Fast 50 CD-Aufnahmen mit enthusiastischem Kritikerlob. Zahlreiche Auszeichnungen wie etwa die John Field Medaille für die Einspielung seiner gesamten Nocturnes. Sie gilt heute als eine der herausragendsten Pianistinnen Polens.

Ihre Liebe zur Musik scheint ihr in die Wiege gelegt zu sein. Geboren wurde sie in eine Musikerfamilie in Chełmno. Ihre Mutter war professionelle Sängerin. Als Fünfjährige begann sie ihre musikalische Ausbildung und bereits im Alter von 12 Jahren debütierte Ewa Poblocka auf der Bühne. Später begleitete sie ihre Mutter bei Gesangsvorträgen in Polen und im Ausland. Die Mutter hat auch den größten Einfluss auf die Pianistin, denn diese ermutigte sie dazu, die Musik immer weiter zu erforschen und sich stets weiter zu entwickeln. In Danzig schloss die Klavierkünstlerin 1981 ihr Studium mit Auszeichnung ab und absolvierte ihre Ausbildung in Hamburg bei dem bedeutenden Klavierpädagogen Conrad Hansen. Sie bildete sich fort bei Größen wie Rudolf Kerer, Tatiana Nikolaeva und Martha Argerich. Ihre musikalische Schaffensfreude gab sie auch an ihre beiden Kinder weiter. Die Pianistin ist mit ihren Töchtern Ewa Leszczyńska (Sopran) und Maria Leszczyńska (Cello) Teil des Multitrio-Ensembles, das für dieses Projekt komponiertes Kammerrepertoire vorstellt. Ewa Poblocka fungiert zudem international als Jurorin bei Klavierwettbewerben und gibt Meisterklassen, von denen eine auch am Freitag, 29. Juni 2018, in der Sammlung Musikinstrumente des Museums für Kunst und Gewerbe stattfindet. Für Zuhörer ist der Eintritt frei.

Dankbarkeit

In ihrem Musikerleben haben sie einige Dirigenten ganz besonders beeindruckt und sie erinnert sich an sie mit großer Wärme und Dankbarkeit. Etwa Kazimierz Kord, mit dem sie die meisten Konzerte spielte, brachte ihr bei, wie man mit einem Orchester arbeitet, wie man sich selbst einschätzt und wie man mehrwöchige Konzerttouren überlebt. Wojciech Michniewski widmete ihr viel Zeit, um zu proben und verschiedene Werke zu diskutieren. Jerzy Maksymiuk bestand darauf, dass die Musiker einander zuhören und sich dem Moment hingeben. Henryk Czyż, mit dem sie Beethovens erstes Klavierkonzert aufnahm, zeigte ihr, dass Spielen nicht Arbeit sondern pures Vergnügen bedeutet.

Zu ihrem 60. Geburtstag erschien unter dem Label des Fryderyk Chopin Instituts ein Album über das das Britische Musikmagazin Gramophone schreibt: „Die Geschwindigkeit des Vivace Rondo ist atemberaubend jedoch weder halsbrecherisch noch stört sie Poblockas glanzvolle, intelligente Fingerarbeit. Kein Wunder, dass das Publikum frenetisch applaudiert. Sie werden es auch tun.“ Am 28.06. wird Ewa Poblocka anlässlich des „1. Chopin Festivals Hamburg“ im Museum für Kunst und Gewerbe ein Konzert geben. Anschließend hat das Publikum Gelegenheit, mit ihr zu sprechen. Auf das Gespräch mit ihr darf man sich freuen, denn sie teilt gern ihre Erfahrungen, Beobachtungen und ihre Freude. Denn es ist ihr wichtig, sich Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.

Chopin Festival Hamburg

27. Juni – 02. Juli 2018

Karten, Programm und weitere Infos unter:

http://www.chopin-festival.de/

Die Karten sind zudem an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich, z.B. bei

http://www.konzertkassegerdes.de/

 

Die Chopin-Gesellschaft Hamburg-Sachsenwald e.V. auf einen Blick:

… Konzerte, Vorträge, Ausstellungen, Kulturreisen

… Förderung junger, begabter Künstler

… Unterstützung der nationalen und internationalen Chopin-Forschung

… „Chopin-Preis“ für Nachwuchstalente alle zwei Jahre

Erfahren Sie mehr unter:

http://www.chopin-hamburg.de/

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