Ute Heucke und Gilbert Siegler („Keine Moorburgtrasse“) an der Einmündung Ebertallee / Luruper Chaussee („Ebertplatz“): Hier soll später die geplante Fernwärmeleitung an die Oberfläche kommen. Foto: cvs

Kommt sie oder kommt sie nicht? Im Jahr 2010 war der Energiekonzern Vattenfall noch mit seinem Vorhaben gescheitert, eine Fernwärmeleitung vom Kraftwerk Moorburg unter der Elbe hindurch bis in die nördlichen Stadtteile zu verlegen. Damals hatte das Oberverwaltungsgericht Hamburg „Verstöße gegen das Planungsrecht“ festgestellt. Vor dem Hintergrund des Wohnungsbau-Booms und der in die Jahre gekommenen Fernwärmeproduktion in Wedel scheinen die Planungen nun wieder aufgenommen zu werden. Die Trasse würde über Halbmondsweg, Reventlow- und Dürerstraße, sowie Ebertallee bis nach Bahrenfeld führen.
Gegen das Vorhaben wehrt sich die vor wenigen Tagen in Othmarschen gegründete Bürgerinitiative „Keine Moorburgtrasse“. Rund 25 Mitglieder gehören zum harten Kern der Gruppierung. „Die gigantischen Ausmaße des Trassenbaus sind für die Menschen im Stadtteil nicht tragbar“, sagt Ini-Grün-derin Ute Heucke. Um die rund 70 Zentimeter dicken Fernwärmerohre zu verlegen, müssten sämtliche betroffenen Straßen aufgerissen werden. Jahrelanger Baulärm, Straßensperrungen und Umleitungen seien programmiert, so Heucke. Weiterhin würden dem Leitungsbau wohl etliche Bäume entlang von Straßen und in Parks zum Opfer fallen.

Ini: Gasheiheizkraftwerke statt Kohle

Weiterhin kritisiert die Initiative die offensichtlich geplante Einführung von Fernwärme „durch die Hintertür“ – und zwar mithilfe des – insbesondere bei Umweltschützern unbeliebten – Kohlekraftwerks Moorburg. Tatsächlich will Vattenfall zwar offiziell „nur“ die unweit gelegene Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm (MVR) ans Netz anschließen – allerdings würde Moorburg im Gegenzug die bisherige Aufgabe der MVR übernehmen, die benachbarten Ölwerke Schindler mit Fernwärme zu versorgen. Das Resultat wäre also eine reine Umverteilung der Zuständigkeiten.
Anstelle von Fernwärme aus Moorburg plädiert die Initiative für umweltfreundliche, dezentrale Gasheizkraftwerke. Dies könnten nach Meinung der Aktiven ab 2030 auch auf Wasserstoff umgestellt werden. „Wir haben die Sorge, dass Moorburg zu profitabel wird und sich damit unentbehrlich macht“, sagt Ini-Mitglied Gilbert Siegler. Der Ausstieg aus der Kohleenergie – wie im Volksentscheid von 2013 vorgesehen – werde dadurch immer unwahrscheinlicher.

„Kein Kahlschlag“
Laut Vattenfall-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow gibt es für den Bau der Fernwärmeleitung noch keinen Zeitplan: „Dazu können wir aktuell nichts sagen, da das Genehmigungsverfahren noch nicht gestartet ist“, so Meyer-Bukow. Bereits jetzt stehe jedoch fest, dass lediglich sechs Straßenbäume gefällt werden müssten. Diese werde man an Ort und Stelle ersetzen. Zudem will Vattenfall nach eigener Auskunft den auf der Trasse liegenden Hindenburg-Park in Othmarschen „neu gestalten“. Laut Meyer-Bukow laufen derzeit Gespräche mit dem Bezirksamt Altona. „Es ist definitiv nicht so, dass dort ein Kahlschlag stattfinden wird“, versichert die Sprecherin. Die Initiative „Keine Moorburgtrasse“ erwartet die Auslegung der Planfeststellungsunterlagen noch für dieses Jahr. cvs

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