Nico Patschinski hat das Bestattungsfahrzeug gegen einen Linienbus getauscht. Foto: stahlpress
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Volker Stahl, Eidelstedt
Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein VHH haben ein neues Aushängeschild: Nico Patschinski. Der ehemalige Profi des FC St. Pauli kurvt seit April mit einem Bus durch Hamburgs Nordwesten und Schenefeld. Für seinen neuen Arbeitgeber ist der gebürtige Berliner als Werbeträger ein Glücksfall, denn Busfahrer werden bundesweit händeringend gesucht.
Seitdem bekannt ist, dass „Patsche“, wie er bei den Fans hieß, vom Bestatter zum Busfahrer umgesattelt hat, steht bei VHH-Pressesprecherin Christina Sluga das Telefon nicht mehr still. Die Medien reißen sich um den lebenslustigen Bezwinger des FC Bayern, der die Kiezkicker 2002 mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 zum „Weltpokalsiegerbesieger“ gemacht hat und immer einen flotten Spruch auf Lager hat. „Na, ist dein Mann schon eifersüchtig, weil wir uns so oft treffen?“, neckt er Sluga.
Den neuen Job hatte der Berliner Frohnatur mit der kessen Lippe das Arbeitsamt empfohlen. Patschinski schuftete nach seiner Karriere als Profi in einer Sportsbar, war Disponent bei einem Abbruchunternehmen und trug Pakete aus. Zuletzt war er als Bestatter tätig, „aber da waren mir die Autos zu klein“, scherzt er. Wahr ist, dass ihm sein Chef keinen unbefristeten Vertrag anbieten wollte. Den hat er jetzt in der Tasche, zusammen mit dem Busführerschein, den er ausgerechnet am 6. Februar gemacht hat – am 16. Jahrestag des 2:1-Triumphes über die Bayern. Die Geschichte lasse ihn wohl nicht mehr los“, seufzt Patschinski: „Das bleibt – auch wenn ich unter der Erde liege.“
Heute hat er mit dem Fußball nicht mehr viel am Hut. Okay, er schreibt eine Kolumne für ein Internetportal, aber selbst spielen, „nee, dazu verspüre ich keinen Drang mehr“.
Zuletzt kickte „Patsche“, der für mehr Vereine antrat als er Finger an den Händen hat, in der Kreisliga für den FC Schnelsen: „Da spielst du gegen Verteidiger, die gegen einen ehemaligen Profi gut aussehen wollen und dir auf die Hufe treten.“ Nur bei Benefizspielen schnürt er noch gelegentlichseine Senkel. Fit hält sich der 41-Jährige mit Läufen durch das Niendorfer Gehege und Liegestützen.
Kontakt pflegt er noch zu „Stani“, St. Paulis Kultverteidiger und Ex-Trainer Holger Stanislawski, der jetzt einen Supermarkt in Winterhude leitet. „Aber dort einkaufen? Nö, bis ich zuhause bin, ist das Cornetto-Eis doch längst geschmolzen.“
Patschinski lebt in Eidelstedt in einer kleinen Wohnung. Von dem Geld aus der Zeit als Profi ist nichts übrig geblieben. Rund 30.000 Euro hat er verzockt, dazu kam Pech beim Immobilienkauf, und sein Gehalt – 6.000 in der 2. Liga und 12.000 Mark in der Bundesliga plus Siegprämien –war aus heutiger Sicht ohnehin nicht üppig: „Ich sitze aber nicht zuhause `rum und gucke mir meine alten Abrechnungen an“, scherzt Patsche.
Dann muss er los, die Arbeit ruft. Linie 21. Sein fünfjähriger Sohn geht zum ersten Mal mit Papa auf Strecke – von der Kita bis Niendorf Nord, wo ihn seine Mama wieder abholt. Wetten, dass der Kleine später mal Busfahrer werden will?

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