Carl Friedrich Stange, Landhaus Willem Brandt in Othmarschen von Axel Bundsen, Aquarell um 1825, Foto: SHMH, MHG.

Volker Stahl, Flottbek
Dänischen Spuren im Stadtbild in Hamburg und Altona spürt die Ausstellung über die „Norddeutsche Baukultur seit 1790“ nach, die bis zum 24. Februar 2019 im Jenisch-Haus zu sehen ist. Den Schwerpunkt der Schau bildet die Beschäftigung mit dem Klassizismus dänischer Spielart, der von vier Architekten geprägt wurde, die an der Kunstakademie in Kopenhagen ausgebildet worden waren: Johann August Arens (1757-1806), Axel Bundsen (1768-1832), Christian Frederik Hansen (1756-1845) und Joseph Christian Lillie (1760-1827).
Mit den Worten „wir befinden hier uns auf dänischem Terrain“, begrüßte Nicole Tiedemann-Bischop, Leiterin des Jenisch-Hauses, ihre Gäste. Eine kleine Provokation, aber historisch nicht ganz korrekt: Bis zum Jahre 1864 griff das dänische Königshaus zwar über mehr als vier Jahrhunderte häufig mit Hilfe seiner Statthalter über die Holsteiner Kanzlei in die Verwaltung Holsteins ein, weil der dänische König gleichzeitig deutscher Herzog war – deshalb war Holstein, zu dem Altona und Othmarschen gehörten, aber nie dänisch, sondern blieb deutsch.
Trotzdem war der dänische Einfluss auf das Gebiet groß, wie das Beispiel Christian Frederik Hansen zeigt. Der Däne wurde zum Landbaumeister von Holstein ernannt und zog 1785 nach Altona. Dort erschuf er zahlreiche öffentliche Bauten, darunter das 1794 in Altona erbaute Waisenhaus. „Es gab eine enge Verbindung zwischen Klassizismus und der Aufklärung“, erklärte die Ausstellungs-Kuratorin Kerstin Petermann.

Auch in der benachbarten freien Stadt Hamburg baute man damals im klassizistischen Stil. Das Vorhaben wurde dort von der Patriotischen Gesellschaft gefördert, die 1765 als „Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe“ im Geist der Aufklärung gegründet worden war. Altona und Hamburg waren Hochburgen dieser geistesgeschichtlichen Epoche.
Einige Bauten aus dieser Zeit sind erhalten geblieben. Zum Beispiel die vom Architekten Axel Bundsen 1817 für den Reeder und Kaufmann Wilhelm Brandt konzipierte, mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Villa, die heute wie eine antike Trutzburg an der Elbchaussee thront. Weil deren zweigeschossige Halle von Säulen optisch dominiert wird, ist die Villa als „Säulenhaus“ bekannt. „Der in Russland als Kaufmann aktive Brandt soll auf der Krim ein Schlösschen gesehen und ausgerufen haben: Sowas will ich auch haben!“, erzählte Professor Ullrich Schwarz von der Hamburgischen Architektenkammer. Schwarz hat selbst einige Fotos aus den 1920er-Jahren als Leihgabe zur Ausstellung beigesteuert. Die Bilder gehören seiner Frau, deren Familie die Villa bis in die 1970er-Jahre bis zum Kauf durch die Familie von Behren besessen hat.
1977 war das mondäne Landhaus Drehort des Wim-Wenders-Films „Der amerikanische Freund“, anschließend wurde es im Inneren umgebaut. Doch zuletzt verfiel die Villa langsam, so dass das Denkmalschutzamt mit einer Zwangssanierung unter anderem des Daches gegensteuern musste. Die heutige Eigentümerin lebt in Monaco und nutze sie, so ein Denkmalschützer beim Rundgang durch die Schau als, nun ja, „Drittwohnsitz“. Aber das ist eine andere Geschichte …

❱❱ „Klassisch dänisch“ ,
Jenisch Haus, Baron-Voght-Straße 50, di-so von 11-18 Uhr, Tickets 6,50, ermäßigt vier Euro. www.jenisch-haus.de

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