Beliebtes Sammlerobjekt: Bierdeckel von Holsten. foto: Altonaer Stadtarchiv

VOLKER STAHL, ALTONA
„Holsten knallt am dollsten“, sagt man im Norden – und das schon seit 1879. In dem Jahr wurde die Holsten-Brauerei in der Hansestadt gegründet, wo sich die „Niederlassung“ befand. Gebraut wurde von Anfang an, seit dem 8. Mai 1880, in Altona an der Holstenstraße. 1892 verlegte das Unternehmen seinen Sitz nach Altona und firmierte nun als „Holsten-Brauerei Hamburg-Altona“.
Dort befindet sich die Brauerei noch heute. Aber nicht mehr lange, denn die Produktion zieht nach Hausbruch um. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Übrig wird nur ein Back-steingebäude aus der Gründerzeit bleiben. „Dort kommt eine ganz besondere Brauerei rein, die spezielles Bier produziert“, weiß Wolfgang Vacano, Leiter des Altonaer Stadtarchivs. „Damit rückt die Rest-Brauerei in den kulturellen Mittelpunkt des Holstenareals in Altona-Nord, das mit mehreren Tausend Wohnungen neu bebaut wird“, so Vacano. Auch der Ritter, das Symbol aus dem Gründungsjahr, wird weiter oben auf dem Dach des alten Mauerwerks thronen. So viel Tradition muss sein, auch wenn die Brauerei längst in dänischer Hand ist: Seit 2004 ist die Holsten-Brauerei AG ein Tochterunternehmen der Carlsberg-Brauerei.

Der Holsten-Ritter als Werbemittel

In der Gründungszeit vor bald 140 Jahren existierten in der Umgebung 32 Brauereien. Altona und Hamburg waren Bierstädte, wo sich fast an jeder Ecke eine Kneipe befand. Die Flaschen, deren Verschlüsse und die pappigen Bierdeckel wurden mit viel Liebe unterschiedlich gestaltet, weil sich jede Marke von den anderen abgrenzen wollte. Außerdem richteten die Brauereien die Gaststätten ein, pfiffige Logos und einprägsame Symbole wie der Holsten-Ritter waren Werbemittel: „Es gab einen harten Kampf um die Kunden. Deshalb setzte man mit Bierdeckel Duftmarken“, erzählt Vacano.
Die Gestalter agierten wie Werbeagenturen heute und dachten sich immer wieder was Neues aus. Deshalb gibt es so viele verschiedene Bierdeckel von Holsten. „Früher hat jeder Zweite die Dinger wie Briefmarken gesammelt“, erzählt Vacano. „Bierdeckel erzielten bis in die 1950er- und 1960er-Jahre auf Sammlerbörsen gute Preise. Meine Großmutter hatte mehr als hundert davon.“
Doch die Sammlung ist futsch. Deshalb musste sich Vacano die Deckel für sein Archiv direkt von Holsten holen. Die Brauerei hat auch zahlreiche andere Werbemittel produziert, darunter Marken zur Verschönerung von Schränken, auf alt getrimmt
Flaschen und Spielzeuge wie die rollenden Lastkraftwagen aus Plastik.
Vor Beginn des Abrisses der Brauerei ist Vacano noch einmal übers Gelände spaziert und hat mehr als 400 Fotos geschossen. Der Chronist von Altona nennt das „Bestandsaufnahme“: „Wenn ich das nicht mache, dann macht es keiner.“

❱❱ Altonaer Stadtarchiv,
Max-Brauer-Allee 134,
(über Seiteneingang Hospitalstraße), Tel. 50 74 72 24
kontakt@altonaer-stadtarchiv.de
www.altonaer-stadtarchiv.com
mo-fr 10-16 Uhr (nur nach Voranmeldung)
Leiter und Ansprechpartner: Wolfgang Vacano

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