Welches Gebäude passt: Dennis Barth am Modell des Diebsteichgeländes. Foto: mg

Jedes Mal wenn Dennis Barth eines der Holzklötzchen in die Hand nahm, machte es ihm sichtlich Spaß, sie für die Fotografen in das Modell des Diebsteichsgeländes einzusetzen. Der Geschäftsführer der ProHa Altona GmbH & Co. KG trug Krawatte zum dunklen Anzug als die Siegerentwürfe für das Bahnhofs- und Gebäudeensemble in einem Konferenzsaal in der Neustadt vorgestellt wurden.
Nachdem Barth im Überschwang die „bedeutsame Bedeutung“ der Bauten gelobt hatte, wurden er, Franz-Josef Höing (Oberbaudirektor) und Johannes Gerdelmann (Baudezernent Bezirksamt Altona) von den anwesenden Medienvertetern fast ausschließlich zum Gegenwind für das Bahnhofsprojekt durch Anwohner und Vorwürfe mangelnder Transparenz befragt. Diese waren in den vergangenen Wochen lauter geworden (das Elbe Wochenblatt berichtete).

Was macht die „ProHa“ am Diebsteich?

Das Immobilienunternehmen Procon und die Sparkassen Immobilientochter Haspa PEB haben für den Bau der Eingangshalle, eines Bürogebäudes und Hotels im Sommer 2017 das Gemeinschaftsunternehmen ProHa gegründet. Dass dieses „Joint Venture“ zum Zeitpunkt der Ausschreibung noch nicht existierte, rügte ein Bürger bei der EU-Kommisssion. Das Beschwerdeverfahren kann ein Jahr dauern. Barth sagte, die Ausschreibung sei rechtlich einwandfrei gelaufen. „Als zukünftiges Joint Venture beim Bieterverfahren teilzunehmen ist üblich.“

Was ist mit dem Vorwurf, am Diebsteich werde gemauschelt, den „Spiegel online“ erhob?

„Den Vorwurf der Intransparenz weisen wir zurück“, so Barth. Darüber, dass die wesentlichen Bestandteile nur geschwärzt auf dem Transparenzportal der Stadt veröffentlicht wurden, stehe man im Austausch mit dem Hamburger Datenschutzbeauftragten. Es gab ein Gespräch mit dem zuständigen Redakteur von „Spiegel online“ um Missverständnisse zu klären. Zuvor hätten sich beide Seiten „wohl etwas ungeschickt verhalten“, so Barth.

Und der Gegenwind aus der Bevölkerung?
„Es gab viele kritische Stimmen“, räumte Oberbaudirektor Höing ein. Die Beteiligungsverfahren laufen wie im Gesetz vorgesehen. Zu den Entwürfen des Bahnhofsvorplatzes habe es einige Verbesserungsvorschläge von Bürgern gegeben. „Für das Gebiet am Diebsteich gebe es noch keinen Masterplan“, betonte Altonas Baudezernent Gerdelmann.

Wie ist die Verbindung von Stadt und Investor zur Bahn?
Es ist ein kompliziertes „trilaterales Verhältnis“ aus Stadt, Bahn und Immobilienunternehmen. Die Planung der Bahn wird vom Eisenbahnbundesamt überwacht. Gegen dessen Planfeststellungsbeschluss hatte der Verkehrsclub Deutschland geklagt. Erst danach hatte das Amt die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung nachgeschoben. „Das Verfahren ist damit wohl geheilt“, sagte Dennis Barth dazu. Fahren Ende 2023/Anfang 2024 keine Fernzüge am Diebsteich ergibt auch die schönste von ihm als Holzklotz aufgestellte Eingangshalle keinen Sinn.

 

Im Juli steht der Siegerentwurf für Bahnhofshalle, Hotel- und Bürogebäude am Diebsteich fest

Gelblicher Klinker wie in den berühmten Bauten von Gustav Oelsner, einladende dänische Architektur oder eine rötliche Fassade, die sich in die industriell geprägte Umgebung am Diebsteich einführt: Die Jury des Architekturwettbewerbs für die Bebauung des Vorplatzes am gepanten Fernbahnhof Diebsteich konnte sich noch nicht für einen Siegerentwurf entscheiden. „Wir wollten es uns nicht leicht machen“, sagte Hamburgs Oberbaudirektor Franz Josef Höing.

Wie geht es weiter?
Aus ursprünglich 13 Entwürfen blieben die erwähnten drei übrig. Auch ein Altonaer Büro ist noch im Rennen: Den Oelsner-Klinker plante gmp Architekten. Das Büro von Meinhard von Gerkan, Volkwin Marg und Partnern hat in Hamburg zuletzt den eleganten neuen U-Bahnhof an den Elbbrücken entworfen. „Die kennen sich aus“, sö Höing.

Wer ist noch im Rennen?
C.F. Møller aus Arhus in Dänemark sorgt mit einer laut Höing „haptischen Fassade“ für so etwas wie eine Wohlfühlatmosphäre. „Die haben uns einfach Lust gemacht“, so der Oberbaudirektor. In Hamburg sitzt das Büro von Baumschlager Eberle Architekten, das laut Jury ziemlich viel Luft auf dem Gelände lasse. „Passt gut zum Standort“, findet Höing.

Wie lange haben die Büros Zeit, um ihre Entwürfe nachzubessern?
Einige Wochen. Vor den Hamburger Sommerferien, die am 5. Juli beginnen, will die Jury ihren Sieger verkünden.

1 KOMMENTAR

  1. Wer durfte an dem Architektur-Wettbewerb eigentlich teilnehmen? Gab es eine öffentliche Auslobung dafür?

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