EBV-Vorstand Joachim Bode vor dem Thermo-Ölkessel, der die Wärmepumpe der ersten Eisspeicherheizung von 2014 antreibt. Foto: oz

Frohe Kunde für die Mieter von 451 Wohnungen am Reeseberg. Bei ihnen werden sich die Heizkosten demnächst halbieren. Möglich wird dies durch drei neue EisspeicherHeizungsanlagen, die der
Eisenbahnbauverein Harburg (EBV) 2018/2019 baut. Bereits 2014 hat die Harburger Baugenossenschaft ihre erste Eisspeicherheizung in Betrieb genommen, die seitdem in Wilstorf 544 Wohnungen mit Wärme versorgt.
Bei den Gebäuden am Reeseberg, die spätestens ab Oktober 2019 von der neuen Heizung profitieren sollen, wären für eine erforderliche „klassische Vollsanierung“ hohe Kosten entstanden: rund 400 bis 500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.
Die Kosten der Eisspeicherheizung liegen inklusive Austausch der alten Elektroöfen in den Wohnungen nur bei rund 120 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt investiert der EBV für das in drei Bauabschnitte mit je 150 Wohnungen aufgeteilte neue Eisheizungsprojekt acht Millionen Euro.
„Unsere Mitglieder stehen zu 100 Prozent hinter dem Projekt, schließlich profitieren sie von einer Senkung ihrer Heizkosten von bis zu 80 Prozent“, sagt der EBV-Vorsitzende Joachim Bode. „Beim ersten Projekt in Wilstorf erhielten die Mieter im ersten Jahr drei- bis vierstellige Beträge an Heizkostenvorauszahlungen zurück. Damit rechnen wir auch hier, im Schnitt wird die Ersparnis etwa 50 Prozent betragen.“ Dabei bleibt die Kaltmiete von durchschnittlich 6,18 Euro (netto kalt) gleich.
Auch die Umwelt profitiert von der neuen Heizungsanlage: Pro Jahr werden rund 1.379 Tonnen CO2 weniger in die Luft gepustet. EBV-Vorstand Bode: „Insgesamt also eine Win-Win-Win-Situation für Mieter, Umwelt und Unternehmen.“

Norddeutsche EnergieWende 4.0
Jeder weiß: Der Vorrat an fossilen Brennstoffen wie Kohle, oder Erdöl ist begrenzt. Regenerative Energien wie Sonne, Wind oder Luft stehen dagegen in nahezu unerschöpflicher Menge zur Verfügung. Beim neuen Projekt des EBV im Wohngebiet Reeseberg kommt die regenerative Energie zu großem Anteil aus Wind- und Solarstrom, aus dem Erdreich, das die Speicher umgibt, aus der Umgebungsluft sowie aus der Kristallisationsenergie des gefrierenden Wassers.
Die Anlage nutzt die Situation, dass Ökostrom zu bestimmten Zeiten im Überfluss vorhanden ist. In der Praxis sieht das so aus:
Fällt der Preis an der Strombörse unter einen bestimmten Wert, erhalten Heizstäbe in den Eisspeichern, die aussehen wie riesige Tauchsieder, den Befehl, ihre Arbeit aufzunehmen und heizen damit das Wasser auf. Die vier Eisspeicher am Reeseberg enthalten insgesamt rund zwei Millionen Liter Wasser, damit können sie große Energiemengen aufnehmen. Sechs mit Strom angetriebene Wärmepumpen „heben“ die Temperatur des gespeicherten Wassers auf ein für die Gebäudeheizung nötiges Niveau von rund 50 Grad Celsius. Aus 200 Kilowatt Antriebsleistung der Wärmepumpen werden so 1.000 Kilowatt Heizleistung.
Mit dem Projekt ist der EBV Partner bei NEW 4.0, der Norddeutschen EnergieWende. In dem vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützten Forschungsprojekt wird in der Modellregion Schleswig-Holstein und Hamburg erprobt, wie eine sichere, kostengünstige, umweltverträgliche und gesellschaftlich akzeptierte regenerative Stromversorgung aussehen kann.

So funktionert’s
Verwandelt sich Wasser in Eis, wird eine sehr große Wärmemenge frei: die sogenannte Kristallisationswärme. Diese Wärme kann zum Heizen genutzt werden. Mit Hilfe von Wärmetauschern und Glykol, das in Rohren mitten durch einen Wasserspeicher fließt, wird Wärme entzogen. So lange, bis das Wasser im Speicher zu Eis gefriert. Der Speicher wird energetisch „entleert“. Die „Auftankung“ des Speichers erfolgt beim EBV durch überschüssige Windenergie. Das Eis schmilzt ab, die Wassertemperatur steigt. Das System ist bereit für die neue Heizperiode

EBV
Eisenbahnbauverein
Harburg
Rosentreppe 1a
21079 Hamburg

alle Angaben:
Stand 31.12.2017

Mitglieder: 4.848
Wohnungen: 3.216
Bilanzgewinn: 0,40 Mio Euro

„Aufgrund der großen Anzahl gut ausgestatteter Wohnungen, laufend fortgesetzter Modernisierung der Gebäude und der gleichzeitig angemessenen Nutzungsgebühren sowie der guten Mitgliederbetreuung erwartet die Genossenschaft auch weiterhin eine nahezu vollständige Vermietung ihrer Objekte.“ Zitat aus dem Geschäftsbericht 2017.

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