Gabriele Martin mit Norwegerstute Maggie. Foto: cvs

„Völlig verschüchtert“ sei das kleine Mädchen zu Beginn gewesen. „Sie hat nur auf den Boden geguckt und kaum gesprochen“, berichtet Gabriele Martin. Dann – ein paar Reitstunden später – kündigte sich nach und nach eine Verwandlung an: „Sie wurde immer offener und lebenslustiger“, sagt die Iserbrookerin. „Richtig stolz“ sei sie auf ihren Erfolg gewesen. „Da kann man mal sehen, wie heilsam der Umgang mit Tieren für Kinder sein kann.“
Seit etwa drei Jahren bietet Martin am Helmuth-Schack-See an der Grenze zwischen Hamburg und Schenefeld Reitstunden für Kinder und Erwachsene an.
Der Schwerpunkt liegt auf dem „therapeutischen“ Reiten, das hauptsächlich auf Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren zugeschnitten ist. Doch jetzt droht dem Betrieb das Aus. Der zuständige Kreis Pinneberg will den Reithof auf dem Gelände offenbar nicht mehr erlauben. Die Folge: Bis August muss Gabriele Martin mitsamt ihren drei Ponys umgezogen sein. Anderenfalls wird die kleine Reitschule geschlossen. „Uns alle macht das traurig und fassungslos“, sagt Martin.

Mehrmals in der Woche drehen Pferde und Reiter auf dem rund 7.500 Quadratmeter großen Pachtgrundstück ihre Runden. Wer sich das Sitzen auf dem Pferderücken noch nicht zutraut, darf sich erstmal – vorsichtig und ganz allmählich – mit den großen Vierbeinern vertraut machen. Der Tierbestand umfasst eine Island- und zwei Norwegerstuten, die allesamt ein gutes Gespür für das Selbstbewusstsein ihres Reiters besitzen: Ist derjenige unsicher, geben sie die Richtung vor und zockeln erstmal los. Im anderen Fall lassen sie ihn machen. Fortgeschrittenen wird auch „normaler“ Reitunterricht angeboten. Das Programm kann unter anderem bei der Angst- und Traumabewältigung, bei Gleichgewichtsstörungen und bei körperlichen und geistigen Behinderungen helfen.
Die Reitschule hat eine lange Warteliste, viele musste Martin schon vertrösten. Ein weiterer Grund, weshalb sie das Nutzungsverbot nicht versteht: „Pferdeäpfel ziehen Insekten an, die wiederum viele Vogelarten anlocken. Im Grunde trägt der Betrieb doch zum Naturschutz bei“, wundert sie sich.

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Das sagt das Amt

Laut Auskunft des zuständigen Kreises Pinneberg hat das drohende Aus für Gabriele Martins Reitbetrieb nichts mit dem Natur- oder Landschaftsschutz zu tun. „Im Außenbereich einer Gemeinde dürfen sich grundsätzlich keine Betriebe ansiedeln“, erklärt Oliver Carstens, Sprecher des Kreises Pinneberg. Ausnahmen könnten nur bei größeren Firmen oder auch Landwirtschaftshöfen gemacht werden, die entsprechende Gewinne erwirtschafteten. „Privilegierung“ – so wird die Erlaubnis in der Kreisverwaltung genannt. „Daran sind strenge Voraussetzungen geknüpft“, so Carstens. Der „Außenbereich“ einer Gemeinde beginnt demnach am Ortsschild, oder – grob gesagt – dort, wo die Bebauung aufhört. Das ist im Paragraf 35 des Baugesetzbuchs geregelt. cvs

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