Verurteilte Straftäter sollen mit der Unterstützung von Bewährungshelfern den Weg zurück in die Gesellschaft finden. Bei Verstößen gegen Auflagen und Weisungen kann das Gericht die Bewährung widerrufen. Foto: panthermedia

Ende März wurde das Büro der Bewährungshilfe im Bezirk Harburg in der Knoopstraße geschlossen. Der Mietvertrag war ausgelaufen. 18 Jahre lang hatte das sechsköpfige Team hier straffällig gewordene Menschen auf dem Weg zurück ins normale Leben begleitet. Jetzt kümmert sich die Bewährungshilfe vom Eimsbüttler Grindelberg 62-66 aus um ihre gut 400 Klienten aus dem Bezirk Harburg. Dort sitzt das Team im siebten Stock, verteilt über die Etage.
„Es gibt keinen Warteraum für die Klienten und die Erreichbarkeit ist nicht gut. Viele werden den Weg dahin nicht finden, mit allen Folgen, die das für die Betroffenen hat“, sagt Olaf Bohn, Leiter des Hans-Fitze-Hauses, einer Anlaufstelle für Alkoholkranke. Das bedeutet konkret: Mühsam geknüpfte Kontakte drohen verlorenzugehen, Auflagen werden nicht mehr erfüllt, aus Bewährungsstrafen werden Haftstrafen.
Der „Runde Tisch Sucht Harburg“, ein Gremium, in dem alle Einrichtungen, die in Harburg mit dem Thema Sucht zu tun haben, versammelt sind, schlägt Alarm: „Die Aufgabe des Standortes Harburg lässt befürchten, dass diese erfolgreiche Arbeit in Bezug auf Resozialisierung nicht mehr gewährleistet ist. Die Bewährungshilfe muss umgehend nach Harburg zurückkommen.“
Dass der Mietvertrag für die Räume in Harburg ausläuft, war dem zuständigen Bezirksamt Eimsbüttel, das sich hamburgweit um die Bewährungshilfe kümmert, lange bekannt. Die Sprinkenhof AG sollte geeigneten Ersatz beschaffen. „Seit einem Jahr sind wir ganz intensiv auf der Suche“, sagt Sprinkenhof-Sprecher Lars Vieten.
Und Kay Becker (Bezirksamt Eimsbüttel) ergänzt: „Wir haben bislang kein passendes Objekt bekommen. In der gesuchten Größe gibt es nur wenige freie Objekte. Einige Vermieter haben uns mitgeteilt, dass die Bewährungshilfe nicht in das Mieterprofil passt.“
Daran, dass die Bewährungshilfe Harburg wieder in den Bezirk Harburg kommen wird,
lässt Kay Becker keinen Zweifel. „Das Bezirksamt Eimsbüttel hält daran fest, in der Region Süd ein Büro der Bewährungshilfe für Erwachsene zu behalten beziehungsweise baldmöglichst wieder zu beziehen.“ Wann? „So schnell wie möglich.“ In diesen Tagen steht ein Besichtigungstermin an.

Bewährungshelfer
Bewährungs­helfer sind für den verurteilten Straftäter Helfer und Aufsicht in einem: Sie helfen dem Verur­teilten dabei, seine Bewährungs­auf­lagen und -weisungen zu befolgen, berichten dem Gericht aller­dings auch regelmäßig über sein Verhalten. Verstößt ein Straftäter gegen seine Auflagen und Weisungen, muss sein Bewährungs­helfer dies dem Gericht melden. Er ist somit auch eine Art Vermittler zwischen dem Gericht und dem Verur­teilten. Bewährungs­helfer werden vom Gericht bestellt und können haupt­be­ruflich oder ehren­amtlich tätig sein.
Sie helfen zum Beispiel bei der Wohnungssuche, bei Suchterkrankungen bei der Suche nach geeigneten Therapien, bei finanziellen Problemen werden Wege aus der Schuldenfalle gezeigt.
Wenn der Verur­teilte sich nicht an die Regeln seiner Bewährung hält, drohen Konse­quenzen. Aus der Bewährungsstrafe kann schnell eine Haftstrafe werden.
Quelle: Dt. Anwaltverein

Zuständig für den Bezirk Harburg ist das Bezirksamt Eimsbüttel – Fachamt Straffälligen- und Gerichtshilfe – Abteilung Erwachsene
(Abschnitt Süd)
Grindelberg 62-66
20144 Hamburg
Tel. 42801-3661

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