Hilfe für junge Eltern: das EKiZ-Team mit Anna Lührs, Martje Imkampe, Johanna Wiegard, Carolin Keitz, Miriam Mumot, Evi Jegust, Kudret Mike und Nadine Kuegah (von oben links nach unten rechts). Foto: cvs

Wilhelmsburg hat zu wenige Hebammen: Laut Hamburger Hebammenverband boten Ende April dieses Jahres nur zwei Geburtshelferinnnen ihre Dienste auf der Elbinsel an.
Das Eltern-Kind-Zentrum (EKiZ) im Reiherstiegviertel schlägt Alarm. „Bei uns rufen vermehrt Mütter an, die nach einer Hebamme fragen“, sagt EKiZ-Leiterin Carolin Keitz. Doch diese zu finden, werde immer schwieriger. „Wir haben eine Liste hier, die wir in solchen Fällen natürlich gerne weitergeben“, berichtet Keitz. „Doch selbst, wenn ich alle 14 Nummern darauf anrufe, geht niemand dran!“.
Ein Grund für den Mangel sind die schlechten Arbeitsbedingungen: Wer als Hebamme im Krankenhaus angestellt ist, arbeitet im Schichtdienst und wird meist unterdurchschnittlich bezahlt. Aus dem Grund ziehen es 80 Prozent der derzeit rund 23.000 Hebammen in Deutschland vor, freiberuflich tätig zu sein. Doch auch hier drohen schwerwiegende Nachteile: Die Beiträge zur Haftpflichtversicherung sind in den letzten Jahren um ein Vielfaches angestiegen, weshalb viele Hebammen nur noch in Teilzeit arbeiten oder ganz aufhören.
Etwa 90 Prozent aller Hebammen bieten gar keine Geburtshilfe mehr an, sondern kümmern sich nur noch um Geburtsvorbereitung, Vorsorge und Nachbetreuung. Erschreckend: 80 Prozent der Frauen in den südlichen Stadtteilen haben keine nachgeburtliche Betreuung. Auch in Wilhelmsburg fehlen zurzeit insbesondere Kräfte für die Wochenbettbetreuung Der Norden – die Stadtteile nördlich der Elbe – ist laut Online-Portal hingegen besser dran.
Wer einen Mangel an Hebammen feststellt, kann dies auf folgender Internetseite bekannt machen:
❱❱ www.unsere-hebammen.de

Über den Mangel an Hebammen auf der Elbinsel sprach das Wochenblatt mit Carolin Keitz, Leiterin des Eltern-Kind-Zentrum (EKiZ) im Reiherstiegviertel.

In Hamburg und insbesondere im Hamburger Süden herrscht akuter Hebammen-Mangel. Woran liegt das?
Die Situation der Hebammen allgemein wird immer prekärer. Die Vergütung ist absolut unangemessen, wenn man dies noch einer unbezahlten 24-Stunden-Rufbereitschaft an jedem Tag des Jahres entgegenstellt. Die Versicherungskosten sind ungemein hoch, um nur einige Hürden aufzuzählen.
Da ist es doch ein Wunder, überhaupt noch eine Hebamme zu finden. Ganz zu schweigen davon, wie wenige Ausbildungsplätze es hier in der Umgebung gibt, um Nachwuchs zu schulen.
Warum genau der Hamburger Süden so extrem schlecht aufgestellt ist, erklärt sich mir nicht.

Wie erleben Sie die Situation in Ihrer Einrichtung? Mit welchen Fragen und Anliegen kommen die werdenden Mütter zu Ihnen? Wie können Sie weiterhelfen?
Wir haben täglich viele Anrufe und persönliche Anfragen von werdenden Müttern, von jungen Müttern und auch zunehmend mehr von Krankenkassen und anderen Einrichtungen, die dringend auf der Suche nach einer Hebamme für die Vor- und Nachsorge sind. Grundsätzliche Fragen zur Entwicklung des Kindes, zum Schlaf- oder Essverhalten können wir im EKiZ-Team auffangen durch unsere sozialpädagogische Erfahrung. Doch
deckt dies keine individuelle Wochenbettbetreuung ab.

Im Eltern-Kind-Zentrum beschäftigen Sie selbst eine Hebamme. Was bietet sie an?
Es gibt montags eine offene Babygruppe, jeder kann dort Fragen stellen und sich einfach mit anderen in ruhiger Atmosphäre austauschen. Häufige Themen werden monatlich als Infovormittag aufgegriffen. Mittwochs gibt es dann eine offene Baby-Shiatsu-Gruppe für Eltern mit Kind. Für die Zukunft planen wir momentan auch Angebote für Schwangere, zum Beispiel Gymnastik, sowie Rückbildungskurse. Doch dafür fehlt es leider noch an Finanzierungsmöglichkeiten.

Wie erklären Sie sich, dass es in anderen Stadtteilen – insbesondere nördlich der Elbe – deutlich besser um das Thema „Geburtshilfe“ bestellt ist?
Ist es das? Ich glaube, der Eindruck täuscht. Die Situation bundesweit ist extrem schlecht, und wir hier auf Wilhelmsburg spüren dies deutlich, da wir einfach ein sehr großer und dicht besiedelter Stadtteil mit einer sehr hohen Geburtenrate sind.

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