Das Angebot der Nettomieten im Frühjahr in Hamburgs Stadtteilen. Quelle: Gymnasium Ohmoor

Volker Stahl, Harburg
Bis heute übt Hamburg einen Sog auf viele Menschen aus. Doch die ungebrochene Attraktivität der Stadt hat ihren Preis. Die Angebotsmieten auf dem freien Wohnungsmarkt steigen weiter, allein in diesem Jahr um durchschnittlich 4,4 Prozent. Gegen den Trend entwickelten sich die Zahlen in Harburg, wo neuvermiete Wohnungen 2,8 Prozent günstiger waren. Deutlich angezogen haben die Preise dagegen in Marmstorf (plus 8,6 Prozent), Eißendorf (9,1 Prozent) und Sinstorf (9,9 Prozent).
Die Zahlen, die auf der Auswertung von Anzeigen in Tageszeitungen und auf Immobilienportalen im Februar und März basieren, stellten Schüler des Gymnasiums Ohmoor in den Räumen des Mietervereins zu Hamburg vor. Die Studie des Geografiekurses im zweiten Semester der Studienstufe hat eine lange Tradition – sie wird seit 32 Jahren erstellt, was langzeitige Vergleiche ermöglicht.

„Bald kann man nicht mehr nach St. Pauli ziehen“

Im Vergleich vom Frühjahr 2017 mit diesem Frühjahr sind die Mieten in folgenden Stadtteilen besonders stark gestiegen: In der Altstadt, die mit 29,6 Prozent den höchsten Mietenanstieg zu verzeichnen hat, sowie in Allermöhe (plus 26,9), St. Pauli (plus 24,9), Steilshoop (plus 24,7) und Rothenburgsort (plus 22,3).
„Bald kann man nicht mehr nach St. Pauli ziehen, Wohnen ist dort zum Luxus geworden“, kommentierte Studienleiter Carl-Jürgen Bautsch die Entwicklung in dem Szenestadtteil, wo Vermieter durchschnittlich 17,65 Euro pro Quadratmeter verlangen. Nur etwas billiger als der Kiez in unmittelbarer Nachbarschaft ist die Neustadt mit 16,56 Euro pro Quadratmeter. „Es gibt eine bestimmte Klientel gut verdienender Leute im Alter von 30, 40 Jahren, die es einfach hip finden, mitten in der Szene zu wohnen, egal wie laut und dreckig es dort ist“, sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Hamburger Mietervereins.
Doch das Leben ist nicht nur in zentralen Gegenden der Hansestadt teuer, sondern mittlerweile auch in früher wenig begehrten Randlagen wie Billstedt, wo das durchschnittlich verfügbare Jahreseinkommen nur 23.000 Euro beträgt. 2008 betrug die Quadratmeter-Miete dort noch 7,50 Euro, heute sind es schon 11,30 Euro. „Wegen des knappen Angebots ziehen jetzt viele Außenbereiche bei der Preisentwicklung nach“, analysierte Chychla. Der Trend macht an den Stadtgrenzen nicht halt. Der Landkreis Harburg verzeichnet eine überdurchschnittliche Steigerung von 8,5 Prozent.
Mit 9,20 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter ist das Wohnen in Wilstorf zwar immer noch vergleichsweise günstig, aber das könnte sich bald ändern, wenn der Trend beispielsweise aus Heimfeld (plus 4,3 Prozent) auf den Stadtteil überschwappt. Der Mietervereinsvorsitzende Chychla befürchtet: „Von den 700.000 Hamburger Haushalten haben 30 Prozent weniger als 1.500 Euro im Monat zur Verfügung. Die werden sich bald auch die bisher günstigeren Stadtteile nicht mehr leisten können.“

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Die Zahlen
Neuland 10,66 Euro pro Quadratmeter im Frühjahr 2018 (11,40 Euro im Frühjahr 2017) entspricht -6,5 Prozent
Harburg 11,20 (11,53) -2,8
Veddel 9,75 (9,45) +3,2
Wilstorf 9,20 (8,81) +4,3
Heimfeld 10,70 (10,25) +4,3
Neugraben-Fischbek 10,05 (9,63) +4,3
Marmstorf 11,26 (10,37) +8,6
Eißendorf 10,99 (10,08) +9,1
Wilhelmsburg 10,93 (10,01) +9,2
Sinstorf 10,15 (9,23) +9,9
Finkenwerder 9,27 (8,33) +11,3
Hausbruch 9,89 (8,65) +14,3
Neuenfelde 8,16 (6,96) +17,2
Francop, Moorburg, Rönneburg keine Wohnungsangebote im Frühjahr 2018

1 KOMMENTAR

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich finde es super das eine Klasse sich mit der Mietenentwicklung befasst hat. Leider kann ich aber damit nichts anfangen denn lt. Mietenspiegel wird in vielen Positionen unterschieden. Es fehlt die Ausgangsmiete einer Wohnung z.Bp. normale Wohnlage-
    z.Bsp. 41m² – unter 66m² mit Bad oder ohne, Baualterklasse usw. Wir wohnen in Wilstorf und haben zum 1.Juli eine Mieterhöung von 14,8 % bekommen entspr. 6,73 € per m².
    Wenn die Zahlen unser Vermieter liest, befürchte ich, das die nächste Mieterhöhung nicht lange auf sich warten lässt.
    Es wäre schön, wenn die Aussage der Zahlen nochmals ausführlich dargestellt werden unter Berücksichtigung des Mietenspiegel bzw. deren Ausgangslage.
    Hochachtung für die Klasse, die sich mit diesem aktuellen Thema befasst hat.
    Mit freundlichen Grüßen auch an die Klasse
    Helmuth Fahning

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