Gabriele Conrad, Kai Ramuschkat und Anke Rasmussen (v.l.) kümmern sich im STZ um Menschen, die an einer Sucht erkrankt sind. Foto: SL

Manfred Müller ist verzweifelt. Er hat so viele Schulden, dass er nicht mehr weiß, womit er sich etwas zu essen kaufen soll. Dabei hat er eigentlich einen ganz guten Job. Aber Manfred Müller ist spielsüchtig. Jeden Tag sitzt er stundenlang am Computer oder an seinem Handy und spielt. Der Hausarzt rät dem 50-Jährigen schließlich, sich einen Termin im SuchtTherapieZentrum Harburg (STZ), Schloßmühlendamm 30, zu holen. Dort arbeiten sechs Suchttherapeuten und Suchtberater, die sich auf die Heilung von verschiedenen Suchtkrankheiten spezialisiert haben.
„Wir behandeln keine Essstörungen oder Kaufsüchte, aber wer Probleme mit Drogen, Alkohol, Medikamenten oder Glücksspielen hat, ist hier genau richtig“, erläutert Suchttherapeutin Anke Rasmussen. Der Bedarf für ein solches Therapie-Zentrum ist groß. Von Suchterkrankungen sind alle Bevölkerungs-, Bildungs- und Einkommensschichten betroffen. „Wir haben den Eindruck, dass das Thema auch immer größer wird,“ ergänzt Gabriele Conrad (STZ). Gab es vor einigen Jahren unter den Drogenabhängigen vor allem Menschen, die Heroin konsumieren, wird heute immer mehr zu den sogenannten Partydrogen wie Ecstasy, Speed oder Kokain gegriffen. „Gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, die nicht nur eine Suchterkrankung haben, sondern auch parallel dazu eine psychische Erkrankung wie beispielsweise eine Depression entwickeln“, so Gabriele Conrad weiter.
Manfred Müller konnten die Suchtexperten helfen. Er hat einige Wochen in einer Klinik verbracht, anschließend noch ein Jahr lang mit einem Therapeuten Einzelgespräche geführt und auch an Gruppensitzungen teilgenommen. Heute hat er seine Spielsucht überwunden, seine Freundin geheiratet und freut sich auf sein erstes Kind.
So ein Verlauf ist perfekt, aber keinesfalls die Regel. Anke Rasmussen: „Die Erfahrung aus 30 Jahren Suchttherapie zeigt, dass ein Drittel der Klienten nach einer Therapie nicht mehr konsumiert. Einem Drittel geht es besser, aber sie sind nicht komplett von ihren Süchten befreit. Das letzte Drittel schafft es nicht. Das ist trotzdem eine gute Erfolgsquote.“
Bezahlen müssen die Klienten für die Therapie in der Regel nichts. Die Kosten übernimmt die Rentenversicherung. Das STZ ist ein Projekt der Martha-Stiftung. Es unterhält Standorte in Harburg, Barmbek und Hummelsbüttel, wo es auch eine Klinik für stationäre Behandlung gibt. Finanziert wird das STZ über Zuwendungen der Sozialbehörde. Neben Einzelgesprächen bietet das STZ auch Gruppengespräche für Betroffene und Angehörige an.

Infoabend
Am Donnerstag, 24. Mai, bietet das STZ Harburg, Schloßmühlendamm 30, von 18.30 bis 21 Uhr einen Informationsabend für Angehörige an. Die Teilnahme ist kostenlos. Mehr Infos bei Anke Rasmussen unter
Tel. 33 47 53 30. Sprechstunden ohne Voranmeldung:
mo 11 bis 13 Uhr
do 15 bis 17 Uhr

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