Abstieg unter Tränen: Diese HSV-Anhängerin verfolgte das Spiel der Rothosen gegen Borussia Mönchengladbach in der Stellinger Fankneipe „UnabsteigBar“. Foto: ard

Horst Baumann, Bahrenfeld
Wenn die „Tagesschau“ am Abend Bilder aus der „UnabsteigBar“ am Bahnhof Stellingen zeigt, muss es schlecht um den HSV stehen. Als es die Hamburger 2015 in der Nachspielzeit in Karlsruhe schafften, in der Bundesliga zu bleiben, gingen die Bilder aus der Fankneipe mit dem prägnanten Namen durch die Republik. Den Herzensverein von Wirt Mario Drifte und seinen Gästen hat es knapp drei Jahre später aber doch erwischt, nach fast 55 Jahren ist der Hamburger Sportverein erstmals zweitklassig.
Genau wie im knapp zwei Kilometer entfernten Volksparkstadion weinten die Anhänger, als der Abstieg feststand. In der Arena sangen sie „Mein Hamburg lieb’ ich sehr, sind die Zeiten auch oft schwer, weiß ich doch, hier gehör ich her“, ehe sich der Abpfiff um 17 Minuten verzögerte, weil eine Gruppe von Ultras Raketen und Böller auf das Spielfeld warf. Die übrigen Fans pfiffen minutenlang. Sie riefen: „Holt sie raus!“ und applaudierten der jungen HSV-Mannschaft, als sich der Rauch wieder verzogen hatte.

Am Ende hatten die meisten Fans ihren Frieden gemacht mit dem Ende der „Dino“-Geschichte. Dafür hatte sich der Abstieg des Liga-Dinosauriers nach jahrelanger Misswirtschaft zu lange abgezeichnet. Zuletzt war der stolze HSV ziemlich abhängig von Mäzen und Investor Klaus-Michael Kühne, der Millionen in den Klub gepumpt hat. Immer weiter war es für den Europapokalsieger der Landesmeister von 1983 (der heutigen Champions League) bergab gegangen. 1987 wurde mit dem DFB-Pokal der letzte Titel auf dem Rathausmarkt gefeiert.
HSV-Idol Uwe Seeler (81) hatte sich nach dem Abstieg schnell gefangen. In seiner unnachahmlich gelassenen hamburgischen Mundart versicherte „Uns Uwe“, dass er auch in der zweiten Liga weiter seinen HSV im Stadion anfeuern werde.
Die Uhr, die in weißen Ziffern auf blauem Grund die Bundesligazugehörigkeit der Rothosen anzeigt, wird bleiben. Sie wird nun die Zeit seit der Vereinsgründung 1887 messen.

Uwe Seeler und Mario Drifte bleiben dem HSV treu

So wie die Reporter Seeler nach seiner Liebe zum HSV fragten, stellten sie auch dem „Unabsteigbar“-Wirt Drifte die unvermeidliche Frage nach der Umbenennung seiner Fankneipe. Drifte, der früher unter anderem beim SC Sternschanze ein talentierter Amateurfußballer war, sagte dem Millionenpublikum der „Tagesschau“ um 20.12 Uhr, dass es schon einige Vorschläge in dieser Richtung gibt. „WiederaufsteigBar“ lautet einer davon.

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