Sylvia Strutz leitet die Familienhelden in Finkenwerder. Foto: SL

Wenn Sylvia Strutz von ihrem Job redet, dann nennt sie als höchstes Ziel, überflüssig zu werden. Die 38-jährige Sozialarbeiterin leitet seit eineinhalb Jahren das Projekt F.A.S.A.N., was für „Familienhelden in Finkenwerder, Altona, St. Pauli, Altstadt und Neustadt steht. Der freie Träger hat sich darauf spezialisiert, Familien in schwierigen Situationen beizustehen, Hilfe und Beratung anzubieten und – oft gemeinsam mit dem Jugendamt – nach Lösungen zu suchen.
„Die wahren Helden einer Familie sind die Kinder und Jugendlichen, weil die sich erst den Weg ins Leben erkämpfen müssen. Familie ist das Wichtigste. Wir müssen es irgendwie hinkriegen, dass das System läuft“, erläutert Sylvia Strutz. Wie das genau aussieht, dafür gibt es ganz verschiedene Ansätze.

Kiffende Jugendliche und überlastete Mütter

Der Bedarf nach Hilfe ziehe sich durch alle sozialen Schichten. Ob es der dauerkiffende Jugendliche ist, der keinen Bock auf gar nichts hat, oder die kranke, alleinerziehende Mutter, die mit ihren drei kleinen Kindern völlig überfordert ist.
Am Anfang stünden im immer Gespräche, in denen den Hilfesuchenden klar wird, dass sie nicht allein sind. Das allein sei für viele schon eine ganz neue Erfahrung, erläutert Sylvia Strutz und berichtet begeistert von einer Idee, die ursprünglich aus Neuseeland kommt. „Wir rufen einen Familienrat ins Leben. Dazu gehören neben den direkten Familienmitgliedern auch Nachbarn, Lehrer, Verwandte und Freunde. Das sind dann zehn bis 30 Menschen, die selber einen Plan entwickeln, wie es weitergehen könnte. Wenn es gut läuft, sind wir da irgendwann komplett überflüssig.“

Interview
mit Sylvia Strutz

Elbe Wochenblatt: Wo sehen Sie das größte Problem für die Jugendlichen?
Sylvia Strutz: Ich glaube, die Mediensucht ist ein Riesenthema. Die Kinder hängen in jeder freien Minute am Handy. Sie chatten miteinander und haben so das Gefühl, dass sie mit anderen zusammen sind. Aber das ist nur eine virtuelle Welt. Als ich Kind war, haben wir in Gruppen auf der Straße Gummitwist oder Brennball gespielt. Heute sehe ich noch nicht mal in so kleinen Orten wie Finkenwerder Kinder, die einfach so zusammen auf der Straße spielen. Das führt auch in der Schule dazu, dass sich die Kinder nicht mehr gut auf eine Sache konzentrieren können.

Was sind
„Familienhelden“?

Seit 2006 gibt es die „Familienhelden“, seit 2010 haben sie ein festes Büro am Finksweg in Finkenwerder. Sie werden über die Kinder- und Jugendhilfe der Stadt finanziert. Ein Team aus 14 Sozialpädagogen, Psychologen und Erziehern arbeitet an verschiedenen Standorten in der Stadt. Zu den Familienhelden gehören noch mehrere Unterprojekte. Dazu gehört „Bootjen“, eine Initiative, in der ältere Menschen Patenschaften für Kinder übernehmen können und mit ihnen Zeit verbringen. Dazu gehört auch Little F.o.T, ein Gruppenangebot für Jungs im Alter von acht bis 14 Jahren.

Tel. 75 66 85 88
Finksweg 10,
www.familienhelden.de

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