Während heutzutage der Begriff „Hexe“ entweder als wahlloses Schimpfwort oder als Bezeichnung für eine possierliche Besenreiterin benutzt wird, war er in früherer Zeit Ausdruck tiefer religiöser Angst, wie auch des Hasses auf die vermeintlichen Verräterinnen an dieser Religion. Den Hexen wurde vorgeworfen, sich mit niemand Geringerem als dem Teufel persönlich verbunden und mit ihm den Liebesakt vollzogen zu haben. An Hexensabbaten sollten sie an geheime Orte fliegen und gemeinsam unkeusche Rituale durchführen und ihren Mitmenschen allerlei Schaden zufügen, indem sie das Vieh der Bauern verhexten und das Wetter manipulierten. Wahr ist davon letztlich nichts. Es gab keine Hexensekte und die allermeisten der Hexerei angeklagten Frauen und Männer waren zutiefst gläubige Christinnen und Christen. Doch der Hexenwahn des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit kostete rund 40.000 bis 60.000 Menschen in Europa das Leben. Neben allgemeinen Faktoren wie Neid und Missgunst war die Suche nach Sündenböcken für den Klimawandel der „Kleinen Eiszeit“, der im 16. und 17. Jahrhundert zu Missernten führte, eine Ursache. Ebenso das Traktat „Der Hexenhammer“ von Heinrich Kramer, einem fanatischen Inquisitor und Frauenhasser. Der neu erfundene Buchdruck sorgte für rasche Verbreitung.

Hamburg war, im Gegensatz zu Köln, Bamberg oder Osnabrück, keine Hochburg der Hexenverfolgung. Doch auch hier gab es mehrere Verfahren. Die Quellenlage ist dünn, doch neueste Schätzungen gehen von über 100 Hexenprozessen aus. Das „Ordelbok“, das Hamburger Stadtrecht, enthielt den Strafbestand der Zauberei. Die erste „Hexe“ oder „Incantatrix“ (Zauberin) die in Hamburg hingerichtet wurde, war im Jahr 1444 Katharina Hanen, wie aus den erhaltenen mittelalterlichen Kämmereirechnungen hervorgeht. Dem Büttel Johann Büttel wurden aus der Stadtkasse die Kosten für das Holz ersetzt, mit dem er den Scheiterhaufen errichtete. Dieser stand höchstwahrscheinlich auf dem Berg, damals einer der zentralen Plätze Hamburgs. Er befand sich südlich des Portals der St.-Petri-Kirche, ungefähr dort wo heute der HSV-Store steht. Hier befand sich auch die Fronerei, das mittelalterliche Stadtgefängnis und davor standen der Pranger und die Richtstätte der Stadt. Erst in späterer Zeit, ab 1609 wurden die Hinrichtungen vor den Toren der Stadt, in St. Georg vollzogen.

Vor zwei Jahren wurde eine Onlinepetition ins Leben gerufen, in der eine Straßenbenennung nach Katharina Hanen gefordert wurde, um so stellvertretend an die Opfer der Hexenverfolgung in Hamburg zu gedenken. Rund 300 Menschen haben unterzeichnet. Mittlerweile ist Katharina Hanen bei den Bezirksämtern als Namenspatronin einer neu zu schaffenden Straße vorgemerkt. Doch so einhellig die Gesellschaft heute das Unwesen der Hexenverfolgung missbilligt, so leicht lässt sich auch die scheinbar aufgeklärte Welt immer wieder aufs Neue verunsichern, sobald Vorwürfe im Raum stehen und bestimmte Menschengruppen der Massengesellschaft suspekt erscheinen. Der Initiator der Petition, der auch der Autor dieses Artikels ist, wird sich am Walpurgisabend auf Einladung der „Kaffeeverkostung Hamburg“ hierzu interviewen lassen. Dazu gibt es Live-Musik von Anja Monden zu hören. Das Ganze findet statt am 30. April, ab 18:30 Uhr in der Kaffeestube, Neue Gröningerstraße 10 in Hamburg-Altstadt.

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