Der Kurs des Gymnasiums Ohmoor mit seinen Lehrern Sílke Brinkmann und Carl-Jürgen Bautsch. Foto: stahlpress

Volker Stahl, Elbvororte

Bis heute übt Hamburg einen Sog auf viele Menschen aus. Doch die ungebrochene Attraktivität der Stadt hat ihren Preis. Die Mieten auf dem freien Wohnungsmarkt steigen weiter, allein in diesem Jahr um durchschnittlich 4,4 Prozent. Deutlich über dem Durchschnitt liegen Groß-Flottbek (plus 6,4 Prozent) und Rissen (plus 6,6 Prozent). Gegen den hamburgweiten Trend verläuft die Entwicklung in Blankenese und Nienstedten, wo die Preise bei Neuvermietungen um mehr als fünf Prozent sanken.
Die Zahlen, die auf der Auswertung von Anzeigen in Tageszeitungen und auf Immobilienportalen im Februar und März basieren, stellten Schüler des Gymnasiums Ohmoor in den Räumen des Mietervereins zu Hamburg vor. Die Studie des Geografiekurses im zweiten Semester der Studienstufe hat eine lange Tradition – sie wird seit 32 Jahren erstellt, was langzeitige Vergleiche ermöglicht.

Im Vergleich vom Frühjahr 2017 bis zu diesem Frühjahr sind die Mieten in folgenden Stadtteilen besonders stark gestiegen: In der Altstadt, die mit 29,6 Prozent den höchsten Mietenanstieg zu verzeichnen hat, sowie in Allermöhe (plus 26,9), St. Pauli (plus 24,9), Steilshoop (plus 24,7) und Rothenburgsort (plus 22,3).
Entwicklung in Blankenese gegen den Trend
„Bald kann man nicht mehr nach St. Pauli ziehen, Wohnen ist dort zum Luxus geworden“, kommentierte Studienleiter Carl-Jürgen Bautsch die Entwicklung in dem Szenestadtteil, wo Vermieter durchschnittlich 17,65 Euro pro Quadratmeter verlangen. Nur etwas billiger als der Kiez in unmittelbarer Nachbarschaft ist die Neustadt mit 16,56 Euro pro Quadratmeter. „Es gibt eine bestimmte Klientel gut verdienender Leute im Alter von 30, 40 Jahren, die es einfach hip finden, mitten in der Szene zu wohnen, egal wie laut und dreckig es dort ist“, sagt Siegmund Chychla, Vorsitzender des Hamburger Mietervereins.
Doch das Leben ist nicht nur in zentralen Gegenden der Hansestadt teuer, sondern mittlerweile auch in früher wenig begehrten Randlagen wie Billstedt, wo das durchschnittlich verfügbare Jahreseinkommen nur 23.000 Euro beträgt. 2008 betrug die Quadratmeter-Miete dort noch 7,50 Euro, heute sind es schon 11,30 Euro. „Wegen des knappen Angebots ziehen jetzt viele Außenbereiche bei der Preisentwicklung nach“, analysiert Chychla.
Aber wie erklärt sich der umgekehrte Trend in den teuren Tadtteilen Blankenese und Nienstedten? Dort werden kaum noch attraktive Wohnungen angeboten. Niemand zieht mehr aus. Es gibt kaum noch Fluktuation auf dem Wohnungsmarkt. „Was aktuell angeboten wird, ist weniger attraktiv – und daher auch billiger“, so Chychla.

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Die Zahlen
Blankenese 15,05 Euro pro Quadratmeter im Frühjahr 2018 (15,94 Euro im Frühjahr 2017) das entspricht -5,5 Prozent
Nienstedten 14,80 (15,61) -5,2
Sülldorf 11,70 (12,24) -4,4
Othmarschen 15,37 (15,58) -1,3
Iserbrook 12,63 (12,58) +0,4
Bahrenfeld 13,85 (13,39) +3,4
Groß-Flottbek 15,30 (14,38) +6,4
Rissen 12,41 (11,65) +6,6
Altona 16,40 (13,78) +19,1
St. Pauli 17,65 (14,13) +24,9

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