Belebte Straßenecke: An der Kreuzung Bahrenfelder Straße / Ottenser Hauptstraße ist derzeit noch ein Laden der Telekom zu Hause. Foto: Archiv cvs

Der Streit um eine künftige Neubebauung des Spritzenplatzes spitzt sich zu: Nachdem sich die Bürgerinitiative „Altonaer Manifest“ bereits vor zwei Jahren erfolgreich für einen deutlich kleineren Neubau als ursprünglich geplant der Ecke Ottenser Hauptstraße / Bahrenfelder Straße eingesetzt hatte, flatterte dem Bezirksamt Altona zunächst im April ein weiterer Bürgerentscheid ins Haus. Darin fordert die Gruppierung mehr Tempo bei der Umsetzung der vereinbarten Ziele. Am vergangenen Donnerstag teilte die Initiative nun mit, sich aus dem Verfahren, in dem ein Kompromiss gefunden werden soll, zurückzuziehen.

Hintergrund: Am Spritzenplatz – an der Stelle des „Telekom-Hauses“ – soll innerhalb der nächsten Jahre ein vollverglastes, etwa 18 Meter hohes Gebäude mit bis zu sechs Stockwerken entstehen. Mittels eines Bürgerbegehrens hatte sich das „Altonaer Manifest“ erfolgreich dagegen gewehrt. Die Vorgaben der Initiative: „Höhe und Kubatur“ des Neubaus sollen sich an den Nachbargebäuden orientieren – also nicht höher als zwei oder drei Stockwerke hoch werden. Mehr als 7.000 Altonaer hatten den Antrag unterschrieben. Der Bezirk hatte sich dem Bürgerbegehren kurz danach angeschlossen.
Passiert ist seither wenig: Mehrmals vertagten oder verschoben Bezirksversammlung und Planungsausschuss das Thema – oder strichen es gleich ganz von der Tagesordnung. „Die Bezirksversammlung führt uns an der Nase herum“, schimpft die Initiative. Mittlerweile ist tatsächlich Eile geboten: Denn vor dem Bau müsste der Bebauungsplan („Ottensen 69“) geändert werden – ansonsten braucht sich der Bauherr nicht an die – mühsam erstrittenen – Vorgaben der Initiative zu halten. In knapp einem Jahr läuft die Veränderungssperre ab. Zwar kann die Frist bei Bedarf um ein weiteres Jahr verlängert werden, doch ob die Zeit reicht, ist jetzt schon fraglich.
Auch auf den „Auslobungstext“ – die Vorgabe für den Architektenwettbewerb – wartete die Initiative seit langem. Nur einen Tag nach der Ankündigung des zweiten Bürgerbegehrens war er plötzlich in der Post. Ein Wunder, sagt die Initiative. „Wir wollen die Ecke unbedingt so erhalten, wie sie ist – ansonsten ginge ihr ganzes Flair verloren“, findet Schmidt-Reichard.
Nach einiger Bedenkzeit sei die Ini „zu dem Schluss gekommen, dass wir die jetzige Formulierung im Auslobungstext nicht akzeptieren können“, heißt es in einem Brief an Bezirksamtsleiterin Liane Melzer.

Offener Brief
Auszüge aus dem offenen Brief der Initiative an Bezirksamtsleiterin Liane Melzer. „Wir fühlen uns den 7.000 Menschen, die das Bürgerbegehren unterschrieben
haben, verpflichtet. Bei einer höheren Bebauung ist das Ziel, die heutige Sonnendurchflutung auch in Jahreszeiten, in denen der
Sonnenstand niedrig ist, nicht mehr gewährleistet. Dass auch unser Anliegen zur Höhenentwicklung im Auslobungstext zu lesen ist, halten wir für eine rein kosmetische Angelegenheit. Die Formulierung zur Höhenentwicklung „/… dass im //*Wesentlichen *//eine Höhe von drei Vollgeschossen nicht überschritten werden soll, …/“ unterstreicht diese Vermutung und lässt auch höhere Bebauung zu.
Zudem sind wir überrascht, dass sich der Beschluss der
Bezirksversammlung, die am 28. Januar 2016 dem Bürgerbegehren beigetreten ist, im Auslobungstext nicht als solcher wiederfindet.
Ebenso der Beschluss des Planungsausschusses vom 17.01.2018, der so von der Initiative akzeptiert wurde, findet sich in dem neuen Auslobungstext nicht wieder und wird damit ad absurdum geführt.
Wir möchten nicht als Feigenblatt herhalten, damit Politik und Verwaltung sagen können, die Bürgerinnen und Bürger wurden ja einbezogen und die Bürgerinitiative habe die Abweichungen vom Bürgerbegehren mitgetragen.“

❱❱ www.altonaer-manifest.de/spritzenplatz.php

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here