Die Ottenser Autorin Rena Moises hat in ihrem Debüt-roman eigene Erfahrungen mit Untermietern verarbeitet. Foto: salewski

Anna Salewski, Ottensen
Den leuchtend türkisen Einband ihres ersten Krimis hat Rena Moises selbst ausgesucht. Eine Altbautür mit edel geschwungener Türklinke, passend zum Titel „Die Untermieter“. „Es war mir wichtig, dass das Cover des Buchs sich von der Masse abhebt und die Leser sofort anspricht“, sagt die 64-Jährige. Schließlich beschäftigt sich die selbstständige Personalmanagerin, die einige Jahre als Journalistin gearbeitet hat, seit zwei Jahrzehnten mit dem Buch, das auf persönlichen Erfahrungen beruht..
Mitte der 1990er-Jahre lebte Moises mit ihrem Sohn in einer Vier-Zimmer-Wohnung in Ottensen, einem Stadtteil, in dem die gebürtige Flensburgerin nun schon seit mehr als 30 Jahren zu Hause ist. Weil das Geld knapp war, entschied sich die alleinerziehende Mutter, ein Zimmer zu vermieten. Über die Jahre müssen es wohl mehr als zehn Untermieter gewesen sein, erinnert sich die Autorin.
An diese Zeit in ihrem Leben denkt Moises gerne zurück. „Ich habe supertolle Erfahrungen gemacht. Damals haben sich Freundschaften entwickelt, die bis heute halten“, erzählt sie. Zum Beispiel mit einer französischen Praktikantin, der es in Hamburg so gut gefiel, dass sie hier blieb, heiratete und später mit ihrem Mann nicht weit von Moises lebte. Ihren französischen Akzent und die gemeinsamen Opernbesuche hat die Autorin in ihrem Krimi verarbeitet. Auch eine Mitbewohnerin, mit der es nicht so gut lief, findet sich in dem Buch wieder. „Die war wirklich schrecklich. Ich habe sie das Jammertal genannt, weil sie sich von allen schikaniert fühlte“, erinnert sich Moises.

Fast zwei Jahre schrieb die Ottenserin an ihrem Roman

Als damals eine Freundin vorschlug, Moises sollte das Erlebte aufschreiben, zögerte sie nicht lange. Auch dass es ein Krimi werden sollte, war schnell entschieden, denn Krimis las Moises selbst am liebsten. Fast zwei Jahre schrieb sie neben der Arbeit an ihrem Roman. „Ich hatte überall Zettel dabei und schrieb sogar beim Spazierengehen Ideen und Beobachtungen auf. Das war eine schöne Zeit“, erinnert sich Moises. Das Schreiben sei ihr leicht gefallen, sagt die Autorin. Als Newcomerin einen Verlag zu finden, war umso schwerer. Irgendwann landete das Buch in der Schublade. Bis Moises schließlich das Self-Publishing entdeckte und ihr Debüt 2016 auf diesem Wege veröffentlichte. Seitdem kümmert sie sich alleine um das Marketing ihres Buchs, organisiert Lesungen und sorgt dafür, dass örtliche Buchhandlungen ihr Opus ins Regal stellen.
Natürlich basieren nicht alle Handlungsstränge des Romans auf realen Begebenheiten, schließlich ist „Die Untermieter“ ein Krimi. „Aber kein klassischer, sondern ein psychologischer“, wie Moises betont. Ihre Protagonistin Hedda ist nach einer traumatischen Kindheit nicht in der Lage, soziale Bindungen einzugehen. Den Kontakt zur Mutter bricht die junge Frau ab, Freunde hat sie nicht. Hedda lebt alleine und als sie ihren Job verliert, droht sie zu vereinsamen. Damit greift Moises ein gesellschaftliches Phänomen auf, das in vielen Städten und auch in Hamburg immer mehr an Brisanz gewinnt. Die Zahl der Single-Haushalte ist hoch: 2016 lebte in mehr als der Hälfte der Hamburger Haushalte nur eine Person. In einzelnen Stadtteilen sind es bis zu 70 Prozent. Wer keine Verwandten hat und auf kein soziales Netz zurückgreifen kann, ist damit komplett auf sich allein gestellt.

Das nächste Buch „hat wieder mit Wohnen zu tun“

So geht es auch Hedda. Bis sie auf die Idee kommt, sich per Zeitungsannonce eine Untermieterin zu suchen. Moises strickt die Handlung ihres Krimis um diese Untermieter herum, die Hedda aus ihrer Verzweiflung holen sollen – und die sie meist doch schnell wieder loswerden will.
Rena Moises lebt heute wieder alleine, auch wenn ihr die Fünf-Zimmer-Wohnung im dritten Stock einer edlen Ottenser Altbauvilla mittlerweile viel zu groß ist. Früher habe sie hier gemeinsam mit ihrem Sohn gewohnt, außerdem viel Platz für ihr Büro gebraucht. Jetzt sucht Moises eine kleinere Wohnung im Viertel. Auch weil es in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme mit der Vermieterin gab, zum Beispiel wegen einer extremen Mieterhöhung, weshalb Moises Unterstützung beim Mieterverein zu Hamburg suchte. Sie hofft, ihren nächsten Roman bereits in einer neuen Wohnung zu schreiben. Das Thema stehe noch nicht ganz fest, aber eine grobe Idee habe sie schon. „Es hat wieder mit Wohnen zu tun“, verrät die Autorin.

Rena Moises
„Die Untermieter“

Taschenbuch: 11,99 Euro
Verlag: Epubli
ISBN: 978-3-7450-5961-8
368 Seiten
Ebook: 3,99 Euro
Verlag: Neobooks
ISBN: 978-3-7427-6388-4
Mehr Infos zur Autorin und zum Buch: ❱ rena-moises.de

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