Schöner wohnen geht anders: Manfred Radtke, Josefina Owusu, Valentina Hakaj, Volker Krautwald und Alexandra Bergmann (v.l.). Foto: cvs

Schimmelige Wände, kaputte Heizungen, undichte Fenster: Die rotbraunen Klinkerhäuser am Ernst-August-Deich sind in keinem guten Zustand – und das bereits seit Jahren. Jetzt gehen die Mieter auf die Barrikaden. Die Wohnungen seien praktisch unbewohnbar, sagen sie. „Den Vermietern ist das egal, sie lassen nicht mit sich reden“, erklärt Bewohnerin Alexandra Bergmann.
Schon beim Betreten der Häuser – betroffen sind laut Mieterauskunft „mindestens“ die Nummern 13 bis 31 – fallen etliche Mängel ins Auge: Vielerorts ist die Haustür nicht abschließbar, ebensowenig die Briefkästen. Die Treppenhäuser wirken marode, es stapelt sich der Müll. Klingeln funktionieren oft nicht. Manche Wohnungen weisen sichtbare Wasserschäden auf, Putz bröckelt herunter.
Kakerlaken sind an der Tagesordnung: „Letztens habe ich drei Dosen Insektenspray verbraucht – und trotzdem waren die Viecher nicht totzukriegen“, berichtet Manfred Radtke. Heizung und Warmwasser fallen monatelang aus: „Statt Dusche hatte ich ein halbes Jahr lang nur den Heißwasserkocher zur Verfügung“, erzählt Josefina Owusu. „Und dann kam eine Betriebskos-tennachzahlung in Höhe von 500 Euro. Ich frage mich, wofür!“

Für die Häuserreihe am Ernst-August-Deich sind mehrere Vermieter zuständig. Teilweise erhalten sie Fördergelder vom Bezirksamt. Dabei handelt es sich um sogenannte „Belegungsbindungen“, die „Menschen mit Zugangsschwierigkeiten zum Wohnungsmarkt“ zugute kommen sollen (siehe Infotext). Vermieter Torsten Hermsmeier von der Firma „Top Immobilien“ findet, die Betroffenen könnten froh sein, überhaupt eine Bleibe gefunden zu haben. „Um Schäden im Haus kümmern wir uns natürlich“, sagt er. Die Gegebenheiten vor Ort sprechen allerdings eine andere Sprache.
Im Durchschnitt zahlen die Mieter am Ernst-August-Deich acht bis zehn Euro kalt pro Quadratmeter. Siegmund Chychla, Chef des Mietervereins zu Hamburg, findet den Betrag gemessen am Zustand der Räume „komplett überteuert“.
Er rät den Betroffenen, die Miete zu mindern oder gleich auf Instandsetzung zu klagen. „Wer staatliche Unterstützung bezieht, kann die Kosten erstattet bekommen“, so Chychla. Auch die Mitgliedschaft im Mieterverein sei für diese Personengruppe kostenfrei.

Belegungsbindung
Um Menschen „mit besonderen Schwierigkeiten am Wohnungsmarkt“ – ­ zum Beispiel ehemalige Obdachlose oder Stützeempfänger – zu einer dauerhaften Bleibe zu verhelfen, bietet die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB) Vermietern den Kauf sogenannter „Belegungsbindungen“ an.
Der Wohnungsinhaber verpflichtet sich dadurch, für einen gewissen Zeitraum und für einen festgesetzten Höchstbetrag an diese Personengruppe zu vermieten. Bei einer Bindung von zehn Jahren erhält der Vermieter 15.000 Euro pro Wohnung, bei 20 Jahren erhöht sich der Betrag auf 25.000 Euro.
Die Zuschüsse sind nicht an eine Sanierung gebunden, die Wohnung muss allerdings dem „Normalfall“ entsprechen.
Zuständig für die Einhaltung der Vorgaben ist das jeweilige Bezirksamt. Kontrolliert wird allerdings kaum. „Begehungen finden anlassbezogen statt“, sagt Norman Cordes, Sprecher des Bezirksamts Mitte.
Mieter, die sich über Schimmel oder ähnliches zu beklagen hätten, können sich an die Abteilung Wohnungspflege im Bezirksamt Mitte wenden: Tel. 428 54-45 89.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here