Im „Lütt Falkenstein“ trifft sich eine ganz besonders bunte Schar von Gästen. Foto: kroll

Oliver Kroll, hamburg West

Es gibt sie noch. Die ungewöhnlichen Lokale mit ungewöhnlichen Gästen. Und einem ebenso ungewöhnlichen Wirt.
Nach Damen in verspiegelten Sonnenbrillen, bedeutsam zur Schau getragenen Geschäftsführer-Gesichtern und „Hermès“-Handtaschen wird der Gast im „Lütt Falkenstein“ vergeblich Ausschau halten. Dabei gilt: So treu die Stammgäste, so bunt das Publikum.
Wenn anderenorts laut über Sylt, Mallorca oder die Hamptons parliert wird, geht es hier häufig um Substanzielles. Wobei durchaus auch mal alltägliche Banalitäten wie Autos oder Fußball besprochen werden. Etwa wenn eine sorgfältig restaurierte „Ente“ vorfährt oder der HSV wieder mal verloren hat.
Schon der Blick ins Netz zeigt, dass hier einiges anders läuft. Denn während fast alle anderen Häuser ihre Öffnungszeiten präzise angeben, bleibt „Lütt Falkenstein“-Wirt Peter Feussner vage.
Dem langjährigen Wirt
ist kein Thema fremd

Ein wenig schmeichelhaft stellt er auf der Homepage sein Lokal am Falkensteiner Ufer 54 als „Pavillon“ vor. Täglich habe er ab 11 Uhr geöffnet. Bei „Schietwetter ab 14 Uhr“. Für „unklares Wetter“ gibt der Wirt seine Telefonnummer an.
So unkonventionell die
Homepage, so liebenswert-skurril der Gastgeber. Als langjähriger Wirt ist ihm kein Thema fremd, kein Scherz zu weit weg geholt. Für die einen sind es Sprüche, für andere ist es Humor.
Peter Feussner ist es eh eins.
Willkommen ist bei ihm jeder Gast. Ob überkandidelte, ehemalige Lehrerin, schwerreicher Immobilienbesitzer oder ein absoluter Schweiger – hier wird jeder Gast, jede Dame, egal welchen Alters, gelassen, wie er oder sie ist.
Das gilt auch für eine Herrenrunde, die regelmäig im „Lütt Falkenstein“ aufschlägt. Sollte das Lokal einen zweiten Namen brauchen, hier ist einer: „Zur großen Toleranz“.
Eine Toleranz, die sich andere sogenannte Szene-Stadtteile auch zugute halten. Die dabei häufig aber kaum mehr als Gleichgültigkeit bedeutet.
Zum Schiffegucken
kommen eher wenige

Gleichgültig ist im „Lütt Falkenstein“ niemand. Selbst am Minenspiel des Schweigers ist abzulesen, was er von den Geschichten, Meinungen und Dönjes hält.
Kaum ist der nahe Zeltplatz geöffnet, schon mischt sich das ohnehin bunte Publikum mit Touristen. Eis, Cola und Bier gehen über den kleinen Tresen wie auf Sylt Champagner und Weißwein.
Obwohl nur einen Steinwurf von der Elbe entfernt, stehen die Schiffe an diesem Ort nicht ganz so im Vordergrund wie in anderen Lokalen entlang des Elbufers. Kommt ein großer Pott, recken sich schon mal die Hälse, besonders der Auswärtigen.
Zum Schiffegucken kommen eher wenige. „Wir schätzen die besondere Atmosphäre“, so ein freundlich lächelnder Stammgast.
Diskret verschweigt er dabei seine teils absonderlichen, teils skurrilen, aber immer friedlichen Erlebnisse.

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