Wohnungen für Wohnungslose: Julian (v. li.), Lukas, Arne, Marlene, Björn und Yannick von „Ab in die Koje“. Foto: pr

Immerhin: Zwei Obdachlose haben sie schon untergebracht. In einem richtigen Zuhause, mit vier Wänden und einem Dach über dem Kopf. Eigentlich müsste man es fast als Wunder bezeichnen. „Natürlich ist das ein Erfolg für uns“, sagt Yannick Block, einer der Mitstreiter von „Ab in die Koje“. Seit knapp vier Jahren bemüht sich der Verein, Obdachlose dauerhaft in eigene Wohnungen zu vermitteln. Dadurch soll den Betroffenen unter anderem ein Neustart ins (Berufs-)Leben ermöglicht werden. „Ein großer Erfolg ist aber auch schon, dass wir es überhaupt so weit geschafft haben“, sagt Block.

Rückblick: Das Schicksal einer rumänischen Familie, über die das Magazin „Hinz + Kunzt“ berichtete, gab im August 2014 den Ansporn für die Gruppe, selbst etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen. „Ich hatte schon länger darüber nachgedacht, mich irgendwie einzubringen, wollte aber nicht nur für den Regenwald spenden“, sagt Arne Mohr. „Ab in die Koje“ – das sind sieben junge Leute zwischen 25 und 35 Jahren, die in der Schanze, in Eimsbüttel und auf St. Pauli wohnen. Alle gehen unterschiedlichen Berufen nach: Programmierer, Musikschullehrer, Studenten. Was sie eint, ist ihr Motto: Wenn wir alle zusammen anpacken, dann bekommen wir auch die Miete finanziert.

Mögliche Vermieter zu überzeugen ist nicht leicht

Das Projekt arbeitet eng mit der Sozialen Beratungsstelle Eimsbüttel zusammen, die vom Hamburger Fürsorgeverein getragen wird. Während die Beratungsstelle mögliche Kandidaten vorschlägt, sieht sich die Initiative nach bezahlbaren Wohnungen um – in Hamburg zurzeit wahrlich keine leichte Aufgabe! – und sammelt Spenden ein. Das klappt bislang so gut, dass „Ab in die Koje“ die Miete inzwischen für ein halbes Jahr übernehmen kann – anschließend muss entweder der Mieter oder das Amt als Geldgeber einspringen. Zum Job der Ehrenamtlichen gehört auch, potenzielle Vermieter von ihrem Konzept zu überzeugen. „Wir glauben, dass man ein Zuhause braucht, um sein Leben regeln zu können“, sagt Yannick Block. Zwar gebe dies keine hundertprozentige Sicherheit, aber ein Anfang sei damit gemacht.
❱❱ www.abindiekoje.de

Obdachlosigkeit
Nach einer Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) nimmt die Zahl der Obdachlosen in Deutschland zu. Demnach lebten im Jahr 2016 bereits 52.000 Menschen auf der Straße, 2008 waren es noch rund 20.000. In Hamburg liegt der Zahl der Menschen, die auf der Straße leben, bei 2.000. Während der Wintermonate öffnet die Stadt ihre Notunterkünfte, damit diese Menschen für die Nacht irgendwo unterkommen können. Seit dem 2. April haben die Unterkünfte jedoch geschlossen – bis zum nächsten Winter.
Der Begriff „obdachlos“ ist nicht nicht gleichzusetzen mit „wohnungslos“: Während Obdachlose tatsächlich ohne Dach über dem Kopf auskommen müssen, fallen in die Gruppe der Wohnungslosen unter anderem die Menschen, die vorübergehend in kommunalen Einrichtungen untergebracht sind, oder die bei Freunden und Bekannten auf dem Sofa übernachten. Die Anzahl der Wohnungslosen liegt in Deutschland derzeit bei 1,2 Millionen – gegenüber 250.000 im Jahr 2010. Allerdings werden bei den neueren Zahlen bereits Flüchtlinge mitgerechnet, die etwa in Aufnahmelagern leben. Laut BAGW macht Gruppe der Flüchtlinge mindestens die Hälfte der Wohnungslosen aus. cvs

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