Sie gehen neue Wege – sprachlich wie auch musikalisch: die Sängerinnen von „Voix de Femmes“ mit Chorleiter Rémi Laversanne. Foto: cvs

Irgendwann haben sie die letzten Männer in die Wüste geschickt. „Es waren sowieso nur noch zwei da, die dann woanders untergekommen sind“, erinnert sich Chorleiter Rémi Laversanne. Es war die Geburtsstunde von „Voix de Femmes“, dem bis dato einzigen frankophonen Frauenchor der Hansestadt. Im Jahr 2004 hatte sich das Ensemble im Rahmen einer Elterninitiative an der Französischen Schule Hamburg („Lycée Français de Hambourg“) gegründet. Für Laversanne, im echten Berufsleben Leiter des schulischen Kinderchors, tat sich sich plötzlich ein ganz neues Arbeitsfeld auf: „Der Frauenchor hat einen ganz anderen Klang und bietet so viele Möglichkeiten“, sagt er. „Man kann sich zum Beispiel auch mal an das Repertoire von Knabenchören heranwagen.“
Einmal wöchentlich, jeweils mittwochs, proben die knapp 30 Sängerinnen im Theatersaal der Schule. Gesungen wird im Normalfall dreistimmig (Sopran, Mezzosopran, Alt), bisweilen aber auch bis zu acht- oder zehnstimmig. Die Chorproben werden von einer Stimmbildnerin unterstützt. Viele der Mitglieder sind Mütter von Schülern oder ehemaligen Schülern, das Durchschnittsalter liegt bei 40 bis 45 Jahren. Etwa 90 Prozent der Sängerinnen sprechen sowohl Deutsch als auch Französisch. Wer während der Proben etwas nicht versteht, bekommt Übersetzungshilfe angeboten.
„Wir haben eine kleine Mehrheit von Franzosen und eine große Minderheit von Deutschen“, sagt Laversanne augen-zwinkernd. Was er damit meint: Die deutschsprachigen Sängerinnen machen das Salz in der Suppe aus, sie sorgen ebenfalls für Leben in der Bude. Laversanne findet das großartig, denn er liebt die Auseinandersetzung. Nicht umsonst singen die „Voix de Femmes“ demnächst ein Programm, das sich „Gegenwelten“ nennt – Stücke über das Leben von Frauen, nicht ausschließlich auf französisch und inhaltlich durchaus kontrovers. Das Lied „Nigra sum (sed formosa)“, zu deutsch „Ich bin schwarz (aber schön)“, von Pablo Casals etwa ist ein gesungener Appell gegen Rassismus.
Die „Voix de Femmes“ treten regelmäßig beim deutsch-französischen Kulturfestival „Arabesques“ auf, das jährlich im Februar über die Bühne geht. Weitere Hörmöglichkeiten ergeben sich bei der Nacht der Chöre am Sonnabend, 16. Juni, in der St. Petri-Kirche in der Mönckebergstraße und bei einem weiteren Konzert im September in Groß Flottbek.

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