7,8 Millionen Euro hat die Hamburger Schulbehörde in die Hand genommen, um die Schule Grumbrechtstraße fit für die Zukunft zu machen. Auf dem ehemaligen Sportplatz direkt an der Straße sind acht neue Klassenräume, eine Turnhalle sowie eine große Mensa mit Theaterbühne entstanden. „Außerdem aus Sicht der Schüler sicher das Wichtigste: ein neuer Fußballplatz mit zwei Feldern“, sagt Schulleiter Arndt Paasch schmunzelnd.
In dem Gebäude gibt es jetzt auch zwei so genannte Differenzierungsräume, in denen Gruppenarbeit oder Förderung stattfinden kann, in die sich die Schüler aber auch mal zurück ziehen können. Für weitere 645.000 Euro wurde der Verwaltungstrakt modernisiert. Momentan wird noch die alte Pausenhalle umgebaut. Hier entstehen kleine Spielflächen für Kinder.
Dieser Neubau war aus Sicht aller an der Schule Beteiligten auch längst überfällig. Momentan besuchen 594 Schüler die Grundschule, Tendenz stark steigend. Für das neue Schuljahr haben sich mehr als 600 Schüler angemeldet. „Und erstmals haben sich 80 Prozent der Viertklässler entschieden, noch zwei Jahre länger auf der Schule zu bleiben, bevor sie auf eine weiterführende Schule wechseln,“ berichtet Arndt Paasch stolz.

80 Prozent der Viertklässler bleiben noch zwei Jahre

länger auf der Schule

Aarndt Paasch
Leiter der Schule Grumbrechtstraße

Offenbar kommt das Konzept der in Harburg einzigartigen Grund- und Inklusionsschule gut an. Acht bis zehn Prozent der Schüler haben körperliche oder geistige Handicaps. Sie werden ganz normal im Unterricht integriert. Um deren Bedürfnissen gerecht zu werden, hat die Schule deutlich mehr Personal als andere Schulen. Neben 55 Lehrern gibt es ungefähr noch mal die gleiche Anzahl an Erziehern, Sozialpädagogen, Sonderschullehrern und Honorarkräften. Ab Sommer sollen auch Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Logopäden an der Grumbrechtstraße arbeiten. Dazu sind auch noch zwei bis drei Pflegekräfte geplant.
„Ich bin davon überzeugt, dass absolut jedes Kind als Teil einer Gemeinschaft die Chance für alle bietet, zu lernen“, sagt Arndt Paasch, „aber dafür müssen auch die Voraussetzungen stimmen.“ Hier denkt der Schulleiter schon über die nächsten Verbesserungen für seine Schule nach. „Barrierefreiheit ist ein großes Thema. Auch den Schulhof würden wir gern neu gestalten. Dafür gibt es auch schon Arbeitsgruppen, in denen selbstverständlich auch die Schüler Ideen mit einbringen sollen. Für die ist der Hof ja schließlich.“

 

Zwei Fragen an Schulleiter Arndt Paasch

Viele Pädagogen klagen, dass die Idee der Inklusion zwar gut ist, aber an ihren Schulen nicht genügend ausgebildetes Personal vorhanden ist, um Kinder mit Handicap auch zu betreuen. Wie ist das an der Schule Grumbrechtstraße?
Wie haben gut ausgebildete Pädagogen, Sozialpädagogen und Erzieher. Aber wir könnten gut noch mehr Platz brauchen. Andererseits bin ich davon überzeugt, dass Inklusion nicht eine Sache nur für Experten ist. Wir wollen gar nicht den ganzen Tag über Behinderungen sprechen, sondern den Kindern das Gefühl vermitteln: Du gehörst zu uns.

Hat sich der Beruf des Schulleiters in den letzten Jahren verändert?
Ja, ganz eindeutig. Das ist inzwischen wie das Management eines mittelgroßen Betriebes. Hier arbeiten mehr als 100 Menschen, und eine der Kernaufgaben bei einer Inklusionsschule ist Teamarbeit. Das bedeutet viele Gespräche, viel Verwaltungsaufwand. Wenn dazu dann noch ein Neubau oder ein Umbau kommt, dann komme ich mit einer 40-Stunden-Woche nicht aus. Aber ich finde den Job trotzdem toll.

 

Schulversuch

Im Jahr 2011 hat die Schulbehörde für vier Hamburger Grundschulen, darunter auch für die die Schule Grumbrechtstraße, den auf zehn Jahre angelegten Schulversuch „Sechsjährige Grundschule“ genehmigt. Dahinter steckt der Gedanke, dass Grundschulen in sechs Jahren ihren Schülerinnen und Schülern einen größeren Lernerfolg ermöglichen können, als dies bei einer Trennung auf zwei oder drei Schulformen nach Klasse 4 möglich wäre.
„Die ersten Ergebnisse sind sehr ermutigend, sagt der Schulleiter Arndt Paasch. „Aus meiner Sicht spricht alles dafür, das auch nach 2021 weiter zu führen.“ EW

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