Jakob Groothoff mit Vinyl aus der Reihe „Hanseplatte Schmelz“. Foto: kp flügel
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KP Flügel, Karoviertel

Gegenüber vom Knust, an der Fronteckseite des Karostars, befindet sich seit 2006 die „Hanseplatte“. „Die konzeptionelle Idee unseres Ladens ist die Limitierung auf eine Stadt, eine Musikszene, nämlich die Hamburger. Hinter dieser Beschränkung verbirgt sich kein Lokalpatriotismus, sondern das Experiment, eine Szene musikalisch so tief als möglich zu erfassen. Da geben wir uns große Mühe, auch wenn wir wissen, dass es nicht vollkommen gelingt“, sagt Jakob Groothoff. Seit 2010 ist er hier Chef vom Dienst, Inhaber und Geschäftsführer.
Angesprochen auf das Sortiment, betont er, dass zur Hamburger Musikszene nicht nur die in der Stadt lebenden Musikschaffenden gehören, sondern ebenso die vor Ort ansässigen Labels. „Wenn Tapete oder DevilDuck Künstlerinnen oder Künstler aus Amerika oder Kanada veröffentlichen, sind die Alben selbstverständlich in der Hanseplatte zu finden. Wir haben auch Olli Schulz im Programm, der schon seit längerem in Berlin wohnt. Natürlich lassen wir uns keinen Ausweis zeigen. “

Besonders stolz ist Jakob Groothoff auf das Projekt Hanseplatte Schmelz. Musiker unterschiedlicher Nationalitäten und aus unterschiedlichen Musikstilen kommend, konnten dazu bewegt werden, jeweils zwei Songs zusammen zu machen. Die Resultate wurden auf Vinyl herausgebracht. „Da hat die Hanseplatte als Label gearbeitet. Erschienen sind Platten von und mit Hava Bekteshi & Love-Songs, Tellavision & Derya Yildirim, Andi Otto & MD Pallavi und Misses Next Match & The WKR Band.“
Dass sich mit dem Zuzug von Zardoz noch ein weiterer Plattenladen im Karoviertel ansiedelt, sieht Jakob Groothoff als Gewinn an. „Je mehr Plattenläden, desto mehr Kundschaft.“ Gerade die Vielzahl der Plattenläden sei ein Ausdruck von Verlässlichkeit. Die Kundschaft könne sicher sein, hier im Viertel die gesuchten Platten auch wirklich zu bekommen. Niemand brauche mehr im Internet zu bestellen. Aber das Schönste sei, sich inspirieren lassen zu können. Dann schwärmt er vom Besuch eines älteren Ehepaars: „Beide waren so Ende Sechzig. Ich hatte gerade eine Technoplatte aufgelegt, die die Frau geil und der Mann scheiße fand. Auf altherrische Art versuchte er durchzusetzen, dass die Frau die Scheibe nicht kauft. Auch mit dem Argument, sie hätten gar keinen Plattenspieler. Daraufhin sagte sie, ‚doch, auf dem Boden‘ und dass sie den Plattenspieler herunter holen würde. Tatsächlich nahm sie die Scheibe mit. Das fand ich supergeil.“

Kurzbio
Jakob Groothoff wurde 1985 in Hamburg geboren. Er ging in Lüneburg auf die Waldorf-Schule. Früh begann er in Rockbands zu spielen, was er bis heute unter anderem bei Sprout und Lafote tut. Nach dem Abi ging er zurück nach Hamburg.

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