Als Seefahrtschule errichtet, beherbergt das Gebäude am Elbhang heute Studenten und das Restaurant „Rainvilles Elbterrassen“ ´Foto: kroll
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Oliver Kroll, Hamburg West

Wer Schiffe gucken und gleichzeitig in Hamburger Geschichte eintauchen möchte, der ist im „Rainvilles“ genau richtig.“ Also gibt es, quasi als Gruß aus der Küche, erst einmal eine Portion Stadtgeschichte. Denn es geht um einen Ort mit ruhmreicher Vergangenheit am Ottensener Elbhang: Hier eröffnete César Lubin Claude de Rainville 1798 die erste französische Gaststätte in Altona. Damals eine Sensation. Diese gas-tronomische Tradition wird seit 2014, mit kurzer Unterbrechung, fortgeführt.

Seit Mitte April stehen draußen Tische und Stühle

Das historische Gebäude steht dabei allerdings nicht mehr zur Verfügung: Rainvilles Villa wurde Ende der 1860er Jahre abgerissen, nachdem seine Nachfolger mit dem Lokal keinen Erfolg hatten. Auf dem Gelände entstand dann 1934 die ehemalige Seefahrtsschule im Bauhhausstil, die nach längerem Leerstand von dem Architekten Meinhard von Gerkan mit Partnern saniert wurde. Die oberen Stock-werke belegen die Academy Architectural Culture, die Design Factory und die Academy für Design und Management, im Erdgeschoss wurde Platz geschaffen für Restaurant, Bar, private Dining-Rooms und Bankettsaal mit großartiger Aussicht. Manchmal kehren heute eins-tige Seefahrtschüler, spätere Kapitäne und Lotsen, an den Ort des Büffelns von Navigation, Englisch und Seemannschaft zurück. „Hier war einst der Raum, in dem wir die mehrstündige Examenskartenaufgabe lösen mussten“, zeigt ein späterer Navigationsoffizier auf das oberste Stockwerk des Gebäudes. Heute beherbergt es sechs Hotelzimmer. Geübt wurde damals auch mit Sextanten und Radargeräten. Tempi passati. Heute geht es in den Unterrichtsräumem um Architektur, Management und Design. Die Fachrichtungen wechselten, der unverbaubare Blick auf die Elbe blieb. So schweift der Blick über die Elbe bis hin zur Köhlbrandbrücke. Es ist ein sich ständig veränderndes Bild. Schlepper und Sportboote, Kreuzfahrtschiffe und Containerriesen lassen den Gast nicht aus dem Staunen kommen. Besonders an Tagen wie dem Hafengeburtstag oder den „Cruise Days“ sitzt er in der ersten Reihe. Ohne im Gewühl der Menschenmassen unterzugehen. Tipp: Seit dem 15. April stehen auch auf der Terrasse des Rainville wieder Tische und Stühle. Im Juli 2016 wurde das Res-taurant nach kurzem Leerstand von der Gastronomiefamile Urmersbach (Ratsweinkeller) wiedereröffnet. Die Nähe zur barocken Christianskirche und dem Standesamt im Rathaus Altona machen das „Rainville“ heute zum beliebten Treffpunkt auch für größere Gesellschaften. Und die Küche? Die punktet mit Klassikern wie „Rinderfilet mit grünem Pfeffer“, Cordon Bleu und Coq au Vin. Über die wechselvolle Hamburger Stadtgeschichte sinnen und dabei erstklasig speisen. Hierfür ist das „Rainvilles Elbterrassen“ ein vorzüglicher Platz.

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