Professorin Dr. Dagmar Lieblovà berichtete immer wieder von ihren schrecklichen Erlebnissen in der Nazizeit. Foto: pr
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Süderelbe/Prag

Noch vor einem Jahr erzählte sie den Schülern der Stadtteilschule Fischbek-Falkenberg aus ihrem Leben, berichtete von ihrem Leiden unter den Nazis unter anderem im Neugrabener Konzentrationslager Falkenbergsweg. Jetzt ist Dagmar Liblovà in Prag gestorben. Seit 1999 hatte sie immer wieder Schulen in Süderelbe und Harburg besucht. Dagmar Lieblovà wurde am 19. Mai 1929 im tschechischen Kutnà Hora östlich von Prag geboren. 1942 war die behütete Kindheit für sie zuende: Sie wurde mit Vater Julius Fantl, Mutter Irena Fantlovà und ihrer drei Jahre jüngeren Schwes-ter ins jüdische Getto Theresienstadt transportiert, dann ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Dort wurden im Sommer 1944 noch arbeitsfähige Frauen im Alter zwischen 16 und 40 Jahren für den Zwangsarbeitseinsatz ausgesucht. Ihr Überleben verdankt Liebovà einem Schreibfehler: Weil ihr Geburtsjahr falsch angegeben worden war, gehörte die damals 15-jährige Dagmar zu den 1.000 Frauen, die im Juni 1944 im Hamburger Hafen am Dessauer Ufer ankamen. Ihre Schwester und ihre Eltern starben in den Gaskammern von Birkenau.

Das Kriegsende in Bergen-Belsen erlebt

Nach Zwangsarbeit in der Ölindustrie, Plattenhausbau in Neugraben, Trümmerarbeiten in Tiefstack und anderen Zwangsarbeiten erlebte Dagmar Lieblovà das Kriegsende in Bergen-Belsen. Nach langer Krankheit und dem Abschluss der Schulausbildung studierte sie Deutsch. 1987 besuchte sie erstmals Orte ihrer KZ-Außenlager, war auch am Falkenbergsweg. Für viele Menschen in Süderelbe war die Begegnung mit Liblovà ein berührendes Erlebnis: Sie war eine der letzten Zeitzeuginnen, die noch aus eigenem Erleben von dem Schrecklichen berichten konnte, das sie unter den Nazis in Neugraben erlebt hatte. Jungen Menschen gab sie auf den Weg: „Auf Euch kommt es jetzt an. Ihr seid diejenigen, die das Gedenken weitergeben müssen und die Verantwortung dafür tragen, dass so etwas nie wieder passiert.“ Dagmar Lieblovà ist am 22. März im 88. Lebensjahr in Prag gestorben. Sie hinterlässt zwei Töchter, einen Sohn und sechs Enkel.

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