Blick zum Diebsteich: Die Bahn verlegt den Fernbahnhof nach Norden. Foto: ch

Horst Baumann, Altona

Mit der geplanten Verlegung des Fernbahnhofs Altona zum Diebsteich wird sich das Hamburgische Oberverwaltungsgericht beschäftigen. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahnbundesamts (EBA) erhoben. Darin hatte die Behörde die Umzugs- pläne der Deutschen Bahn AG im Dezember 2017 weitgehend genehmigt.

Was hat der ökologische Verkehrsclub gegen einen Fernbahnhof am Diebsteich? Er befürchtet eine massive Verschlechterung für Fahrgäste und die Umwelt, wenn Fern- und Regionalzüge künftig nicht mehr bis ins Herz des Bezirks Altona fahren können und stattdessen am Diebsteich enden. Bewohner des Hamburger Westens verlieren „ihren“ Fernbahnhof, und Pendler aus Schleswig-Holstein müssen zukünftig an einer abseits gelegenen und verkehrlich nicht angebundenen Station umsteigen.

Worum geht es dem Verkehrsclub in der Klage? Der Umweltverband will die Bahn zu einem „transparenten Verfahren zwingen, in dem die Kosten offengelegt werden. Verschiedene Varianten sollten „unvoreingenommen geprüft werden und insbesondere der Fahrgast berücksichtigt werden“.

Muss die Bahn ihre Berechnungen nicht offenlegen? Die „eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchung“ sei eine interne Untersuchung der Bahn, hieß es im November 2017 vom Senat in der Bürgerschaft, als die FDP Auskunft über Berechnungen verlangte. „Momentan kommen wir zu dem Schluss, dass es diese betriebswirtschaftlichen Berechnungen unter Berücksichtigung der Fahrgastbelange nicht gibt“, sagt VCD-Vorstandsmitglied Rainer Schneider.

Gibt es Analysen, wie sich die Bahnhofsverlegung auswirkt? Ja, die gibt es. Im Auftrag von Spiegel online kam die Firma Motion Intelligence zu dem Schluss, dass 169.000 Hamburger von einem Anschluss in Diebsteich profitierten, 231.000 Menschen aber Nachteile in Kauf nehmen müssten.

Was sind die Vorteile der Verlegung aus Sicht der Bahn? Das Unternehmen argumentiert, dass im Fernverkehr durch den Umbau kürzere Reisewege entstehen und im Nahverkehr bessere Umsteigemöglichkeiten geschaffen werden. Nah- und Fernverkehr würden sich gegenseitig weniger stören, wodurch die Pünktlichkeit der Züge „markant verbessert“ werde. Außerdem gebe es weniger Leerfahrten. Dadurch würden schädliche Emissionen reduziert. Die Bahn will im Sommer mit dem Bau am Diebsteich beginnen. Zum Jahreswechsel 2023/24 sollen die ersten Fernzüge im neuen Fern-und Regionalbahnhof Hamburg-Altona halten.

Sieht der Verkehrsclub noch Chancen, den Umzugsplan zu verhindern? „Der aktuelle Planfeststellungsbeschluss des EBA weist aus unserer Sicht erhebliche verfahrenstechnische und inhaltliche Mängel auf. Daher sehen wir für unsere Klage gute Erfolgsaussichten“, heißt es in einer VCD-Pressemitteilung. Der Umweltverband arbeitet dabei eng mit der Prellbock-Initiative zusammen. Michael Jung, der Sprecher der Ini, ist Mitglied im VCD.“

Was wird aus dem Fernbahnhof Dammtor?

Der Verkehrsclub Deutschland macht sich außerdem Gedanken um den Fernbahnhof Dammtor. „Wir  haben allergrößte und berechtigte Sorge, dass mit Aufgabe des Fernbahnhofs Altona die Züge aus und in Richtung Süden zukünftig am Hauptbahnhof beginnen und enden werden.“ Schon heute würden Züge ohne Halt am Dammtor durchfahren. In Zukunft könnten weitere Züge dazu kommen. EW

2 KOMMENTARE

  1. Also wird’s eine verkehrliche Verbesserung, aber einige ältere Bürger haben Angst vor Veränderung. Daher nennen sie keinerlei Fakten, sondern nur „Befürchtungen“, weil sie irgendetwas nicht wissen, kennen oder verstehen. Das Beispiel Dammtor ist schon recht sinnfrei, da die „Durchfahrten“ dort nichts mit einer Bahnhofsverlagerung zu tun haben. Sollte es Diebsteich betreffen, gibt es null Ansatzpunkte, dass es bei Altona (alt) nicht passiert wäre. Das ist schon sehr hanebüchen.

    Das genannte IT-Start-Up hat in seinen Reihen leider auch keine Planer. Denn wie man im Spiegel sehen konnte, gingen sie in mehrfacher Hinsicht vom Status Quo aus. Sprich, sie berücksichtigten weder angepasste Erschließungen (z.B. durch neue Bushaltestelle), noch haben sie die städtebaulichen Vorhaben in Diebsteich eingebaut, obwohl sich herumgesprochen haben sollte, dass eine Stadt- und Verkehrsplanung möglichst integriert stattfinden soll statt aneinander vorbei. Ganz zu schweigen vom Nutzen der frei werdenden Bahnflächen für den Wohnungsbau. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.

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