Wuchs wegen der Nazi-Gesetze bei einer Pflegefamilie in Stettin auf: Hardy Andrecz. Foto: pr
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Er ist jetzt 82 und hat viel erlebt: Als Kind einer „Liebschaft“ wurde Hardy Andrecz während des Nationalsozialismus geboren, kam aufgrund der Nazi-Gesetze über arische Abstammung zu Pflegeeltern in Stettin. Dann kamen Krieg, Flucht in den Westen, Suche nach einem neuen Zuhause. Über sein bewegtes Leben schrieb Andrecz ein Buch, das im Rahmen der dritten „SuedLese“-Literaturtage am Mittwoch, 18. April, ab 19 Uhr im Sozialkontor, Schwarzenbergstraße 49, vorgestellt wird.

Ergreifende Geschichten aus einem bewegten Leben

Andrecz arbeitete nach dem Krieg zuerst im Bergbau im Ruhrgebiet, später als Polizist in Hamburg. Das Leben hielt oft Überraschendes für ihn bereit, zum Beispiel: Irgendwann steht er an der Kasse eines Möbelhauses und hört den Namen seines leiblichen Vaters … Diese und viele andere, teils tieftraurige Geschichten aus seinem bewegten Leben hat Andrecz aufgeschrieben. Daraus wurde die Autobiografie „Von der Wiege bis (fast) zur Bahre“, auch reich an aktuellen Themen ist. Trotz aller Dramatik mit vitaler Leichtigkeit, immer mit Humor und ohne Rechthaberei vom Leben erzählt: von der Kindheit in Stettin, Krieg, Flucht und vom Erwachsenwerden im Nachkriegsdeutschland, von der Arbeit erst unter, dann über Tage, von Ehe und Familie – ein Stück ganz persönliche Zeitgeschichte. So richtig ließ Andrecz sich trotz denkbar schlechter Startbedingungen nie unterkriegen: Noch heute steckt der Mann voller Lebensmut und Tatendrang, obwohl er unheilbar an Krebs erkrankt ist. Im Elbe Wochenblatt las er vor einigen Wochen von den Literaturtagen im April, der dritten „SuedLese“. Gern wäre er als Harburger Autor dabei, doch die Krankheit hat ihn inzwischen so geschwächt, dass er – nicht einmal im Rollstuhl – mehr längere Zeit sitzen kann. „Ich kann also auch keite Lesungen mehr abhalten“, sagt Andrecz. Er fragte, ob es trotzdem möglich sei, sein gerade im Druck befindliches Werk vorzustellen. Die Harburger Kulturinitiative „SuedKultur“ machte es kurzfristig möglich, organisierte Veranstaltung, Raum und Stimme: Das Vorlesen aus Andrecz’ Buch übernimmt dabei Christoph Rommel von der Harburger Schreibwerkstatt. Das komplette SuedLese-Programm gibt’s unter

❱❱ www.sued-kultur.de/suedlese_2018_online.pdf

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