Rüdiger Kolmann setzt das elektrische Gerät instand, das Elke Jahnke mitgebracht hat. Foto: Ina Pokorny
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Geht nicht gibt’s nicht, oder jedenfalls meistens nicht. Wenn sich die ehrenamtlichen Reparateure des Repair-Cafés Stellingen der Baugenossenschaft Hamburger Wohnen einer Sache angenommen haben, frickeln sie das Gerät auch meist wieder zusammen. Oder bringen das Fahrrad zum Rollen, den Reißverschluss zum Schließen. Nur in wenigen Fällen muss das 25-köpfige Team aufgeben, sagt Ina Pokorny, die das Repair-Café alle drei Monate organisiert. In Hamburg gibt es inzwischen elf Repair-Cafés, sagt Pokorny. Trotzdem reisen die bis zu 50 Besucher aus allen Hamburger Himmelsrichtungen an – aus weit entfernten Stadtteilen wie Sasel oder Billstedt. Seit 2015 gibt’s das Projekt. Die Idee stammt ursprünglich aus Holland, findet seit Jahren auch in Deutschland Anhänger. „Ein Genossenschaftsmitglied hatte 2014 gefragt, ob wir nicht auch soetwas machen können“, erinnert sich Ina Pokorny, „Und: Wir können.“

Neue Dinge oft schwer zu reparieren

Rund 25 meist ältere Ehrenamtliche „Reparateure“ sind inzwischen im Team, werkeln vierteljährlich an Radio oder Mulinette, säumen Röcke oder verleimen wackelige Stühle. „Auch ein 20-Jähriger war dabei, der sich mit Computern auskennt. Doch der ist jetzt leider beruflich sehr eingespannt“, sagt Pokorny. Trotzdem können die meisten Probleme gelöst werden. Je neuer die mitgebrachten Gegenstände sind, desto schwieriger ist meist die Reparatur, hat sie festgestellt. Woran liegt das? „Die Technik wird immer komplexer.“ Und Elektrogeräte würden immer häufiger verschweißt und verklebt, sodass eine Reparatur gar nicht möglich sei. „Tatsächlich hat einmal ein Mitarbeiter eines Elektrounternehmens angefragt, ob er mit einer asiatischen Delegation kommen könne. Motto: So geht Recycling in Deutschland.“ Während die Ehrenamtlichen mit Säge oder Schraubenzieher zu Werke gehen, assistieren die Besucher, können noch nebenbei etwas lernen. Das unterscheidet das Café auch vom Handwerker. „Unsere Fachleute erklären immer, was sie machen.“ Mit den örtlichen Handwerkern gibt es kein Konkurrenzproblem, sagt Pokorny, „Im Gegenteil: Manchmal verweisen wir auf sie, wenn unsere Ehrenamtlichen wirklich nichts machen können.“ Und manchmal gibt es auch erstaunliche Erlebnisse: Die Besitzerin einer Moulinette-Zerkleinerungsküchenmaschine war am Ende weniger enttäuscht als erleichtert, als sie erfuhr, dass ihr altes Gerät nicht mehr zu retten ist. Denn: Nach jahrelangem Horten im Schrank konnte sie es nun endlich mit gutem Gewissens wegwerfen.

Ort und Zeit

Das Repair-Café ist am Sonnabend, 14. April, von 11 bis 15 Uhr im Nachbarschaftstreff „Gegenüber“, Försterstraße 52, (Zugang über Marktplatz Linse), Erdgesschoss geöffnet. „Café“ ist übrigens wörtlich zu nehmen: Kaffee und Kuchen werden ebenfalls zu günstigen Konditionen angeboten. Weitere Repair-Cafés in der Nähe: E Altona: Haus Drei Hospitalstraße 107 Tel. 38 61 41 07 E Eidelstedt Bürgerhaus Alte Elbgaustraße 12 Tel. 0163 170 55 31

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