Ärger auf dem Fußballplatz: Die einen versuchen zu schlichten, die anderen müssen „beschlichtet“ werden. Wichtig: Es handelt sich um ein Symbolfoto, nicht um das abgebrochene Spiel. Foto: pr
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Waldemar Düse, Wilhelmsburg

Wenn ein Fußballspiel deutlich länger dauert als die vorgesehenen 90 Minuten, ist das meistens kein gutes Zeichen. Das am 21.März 2017 ausgetragene Kreisligaduell zwischen Rot Weiss Wilhelmsburg und Vorwärts Ost brachte es insgesamt auf eine Austragungsdauer von vielen Stunden. Gewonnen hat niemand. Nach einer Roten Karte gegen Rot-Weiss-Akteur Muhammed B. hatte der vor einem Jahr mit einem tätlichen Angriff auf den Schiedsrichter eine Schlägerei angezettelt, an der sich weitere Spieler und Zuschauer beteiligt hatten. Besonders übel mitgespielt wurde dabei Schiedsrichter Aziz Inam. Zunächst war er von Zuschauer Mehmet G. von hinten per Faustschlag niedergeschlagen worden. Danach hatte der Rot-Weiss-Spieler Volkan C. auf den bereits auf dem Boden liegenden Schiedsrichter eingetreten. Das Sportgericht des Hamburger Fußballverbandes hatte den geständigen Muhammed B. zu einer Spielsperre von zweieinhalb Jahren verurteilt, Volkan C. zu einer einjährigen Sperre, Mehmet G. zu einer Sperre bis Juni 2018. Zudem war Rot Weiss zu einer Geldstrafe von 750 Euro verurteilt worden. Der endgültige Abpfiff des Duells erfolgte nun vor dem Amtsgericht Harburg. Nach Angaben der Kampagne „Fußball ohne Gewalt“ wurde Volkan C. wegen „gefährlicher Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeug“ – seinen Fußballschuhen – zu sieben Monaten Gefängnis auf drei Jahre Bewährung und 400 Euro Schadenersatz verurteilt. Muhammed B. wegen Beleidigung und Körperverletzung zu 900 Euro und Mehmet G. wegen Körperverletzung zu einer Strafe von 3.000 Euro. Am ersten Verhandlungstag hatte Rot-Weiss-Vorsitzender Ahmet Kilic seine ursprüngliche Zeugenaussage vor dem Sportgericht und bei der Polizei revidiert. Zunächst hatte er angegeben, gesehen zu haben, wie Mehmet G. „mit voller Wucht“ zugeschlagen habe. Vor Gericht sagte er jedoch aus, es nicht gesehen zu haben. Seine Aussage vor dem Sportgericht habe er gemacht, um eine „hohe Strafe“ von seinem Verein abzuwenden. Und bei der Polizei sei er nie gewesen. Allerdings konnte der Richter ihm eine von ihm selbst unterschriebene Zeugenaussage präsentieren.

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