Engagiert im Kampf gegen Armut: Klaus Wicher. Foto: stahlpress Medienbüro

Volker Stahl, Hamburg „Soziales im Blick“, lautet das Motto des Sozialverbands Deutschland (SoVD). Es ist auch das Diktum von Klaus Wicher, dem Vorsitzenden des Hamburger Landesverbands. Unter der Leitung des 69-Jährigen ist der Sozialverband wieder kämpferischer geworden – und knüpft so an die 1920er-Jahre an, als er unter dem Namen Reichsbund vehement für die Rechte der Kriegsopfer des Ersten Weltkriegs und ihrer Hinterbliebenen stritt.

Wicher ist auch Sprecher der „Ini gegen Fluglärm“

Klaus Wicher sitzt im Konferenzraum des Sozialverbands an der Pestalozzistraße, nippt an seinem Kaffee und plaudert über die Geschichte des SoVD. Den heutigen Namen trage der aus dem 1917 gegründeten Reichsbund hervorgegangene Verband seit 1999. In der Hansestadt hat er heute rund 18.000 Mitglieder, bundesweit sind es 500.000. In Hamburg ist Wicher das Gesicht der „politischen Interessenvereinigung benachteiligter Menschen“. Keine Veranstaltung, keine Gesprächsreihe, kein Protest gegen Altersarmut oder Kürzungen bei Sozialleistungen ohne Klaus Wicher. Wenn der Chef des Hamburger Landesverbands spricht, schwingt der Ton der 68er-Generation mit. Erstaunlich, denn als Rudi Dutschke und seine Kommilitonen für eine gerechtere Welt auf die Straße gingen, ackerte Wicher als Kellner im Hotel Europäischer Hof. Dort stieg er zum Abteilungs- und Bereichsleiter auf, doch intellektuelle Befriedung fand er erst im Studium an der Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP), wo er seinen Betriebswirt machte. Anschließend ging er an die Universität, die er 1982 als diplomierter Handelslehrer verließ. An der Uni engagierte er sich in der Hochschulgruppe, war in der Bildungsarbeit aktiv und erhob stets sein Wort für sozial Schwächere. Das politische Engagement wurde Wicher in die Wiege gelegt: Schon sein Großvater war Stadt- und Landtagsabgeordneter der SPD in Breslau (Schlesien). Seit 2008 ist Wicher ehrenamtlich im SoVD tätig. Er publiziert zu pädagogischen Themen und politischen Zeitfragen. In seinen Schriften wettert er gegen Hartz IV („ein Armutsprogramm“) und versucht, Langzeitarbeitslosen eine Perspektive zu eröffnen: „Hamburg hat sich zu einer gespaltenen Stadt entwickelt, in der Armut und extremer Reichtum ganz nah beieinander sind, ohne sich zu berühren.“ Entspannung findet der Vielbeschäftigte auf Reisen mit seiner Frau Marie-Luise, im Theater, Kino und in der Oper. Seit einiger Zeit hat er ein neues „Hobby“: Wicher kämpft gegen den zunehmenden Flugverkehr und wurde Sprecher der „Ini gegen Fluglärm“.

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