Nach wie vor donnern Flieger über Hamburger Dächer. Foto: pr

Statt leiser wird’s offenbar immer lauter: Der Landesverband Hamburg des Bundes für Umwelt und Naturschutz BUND hat seinen zweiten Fluglärmreport vorgelegt. Bitteres Fazit: Das Jahr 2017 war „mit einem ,Lärmteppich’ von 14,7 Quadratkilometern das lauteste Flugjahr seit über 15 Jahren“.

Derzeit sind laut aktuellen Lärmkarten der Stadt 57.900 Menschen von gesundheitsschädlichem Fluglärm betroffen, nachts ist es bei 9.700 Menschen zu laut – seit 2013 eine Steigerung tagsüber um 3,4 Prozent, nachts sogar um 115 Prozent!
Eine Ursache: „Während in den Jahren 2006 bis 2009 ein Trend zu weniger lauten Flugzeugen zu verzeichnen war, kehrte sich diese Entwicklung in den folgenden Jahren um“, heißt es im Bericht. Der Anteil der lauten Flugzeuge sei in den vergangenen Jahren gestiegen, der Anteil der leisen Maschinen, zum Beispiel die AirbusNeo, BoeingMax- oder Bombardier CS-Baureihe, liege unter einem Prozent, hat der BUND ermittelt. Besonders laute Flotten würden von den Gesellschaften Condor, Lufthansa und Turkish Airlines bestrieben.

Auch beim nächtlichen Flugverkehr neue Maximalwerte: So gab es in 2017 8.404 Starts und Landungen nach 22 Uhr, davon 1.229 nach dem offiziellen Flughafen-Betriebsschluss um 23 Uhr. In den Urlaubsmonaten Juni, Juli, August und September wurde an gerade mal drei Nächten das Betriebszeitende von 23 Uhr eingehalten.

EasyJet und Lufthansa im Visier des BUND

Dafür macht der BUND vor allem die Fluggesellschaften EasyJet (271 nächtliche Starts und Landungen), Lufthansa, Eurowings und Germanwings verantwortlich. Außerdem: „Billigflieger produzieren drei von vier verspäteten Flügen außerhalb der Betriebszeit“, heißt es in einer Pressemitteilung des BUND.

Um dem entgegenzuwirken, hat die Hamburger Fluglärmschutzbeauftragte Gudrun Pieroh-Joußen – nach erfolgloser Pünktlichkeitsoffensive in 2017 und neuer Entgeltordnung (siehe Infokasten) – Anfang März eine „Gewinnabschöpfung“ durchgesetzt: EasyJet soll für 21 verspätete Starts 468.000 Euro zahlen, damit sich solche Starts nicht mehr lohnen.
Der BUND ist dadurch allerdings nicht versöhnt: Er fordert die Stadt als Mehrheitseigner am Flughafen auf, ein Nachtflugverbot ab 22 Uhr umzusetzen. Denn dann beginne in Deutschland die gesetzliche Nachtruhe. Man wolle „keine weiteren Vertröstungsaktionen mehr“, so BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch.

Martin Mosel, Sprecher des Arbeitskreises „Luftverkehr“ im BUND Hamburg: „Die Belastung der Anwohner eilt von Rekord zu Rekord. 2016 war schon unerträglich, 2017 stellt aber alles in den Schatten. Der Betrieb eines innerstädtischen Flughafens kann so nicht weitergehen.“

 

GABY PÖPLEU, Hamburg-West

 

Ist der „Tag-Abend-Nacht-Lärmindex“ höher als 55 Dezibel (durchschnittlicher Wert über 24 Stunden, farbige Flächen) ist es zu laut: Die Start- und Landebahnen sind deutlich zu erkennen. Grafik: HH

Gewinnabschöpfung

Der Stadt Hamburg gehören 51 Prozent der Betreibegsesellschaft Flughafen Hamburg GmbH. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren verschiedene „sanfte“ Maßnahmmen angewandt, um den nächtlichen Fluglärm einzudämmen: 2016 verpflichteten sich Airlines im Rahmen einer so genannten „Pünktlichkeitsoffensive“ zu mehr Termintreue. Aber nicht alle Gesellschaften unterzeichneten. Auch die Unterzeichner hielten sich nicht daran.
Außerdem wurden die Gebühren für verspätete Starts und Landungen angehoben. Doch die Gesellschaften zahlten lieber, als pünktlich zu starten und zu landen.
Mit der Gewinnabschöpfung will man den finanziellen Vorteil einkassieren, den eine Fluggesellschaft aus Verspätungen zieht. Dabei werden zum Beispiel gesparte Hotelübernachtungskosten und Entschädigungen an Fluggäste bei einem Start erst am folgenden Tag berechnet und der Gesellschaft in Rechnung gestellt.
Die Gewinnabschöpfung im März bei EasyJet war die erste in sechsstelliger Höhe.

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