Hilfe in Sicht? Hannah Taubhorn, Cindy Brusche, Shahnama Khalid, Clara Ebel, Paula C. Faúndes Gerdts und Lia Rickert (v.l.n.r.) starteten im September 2017 im Mariahilf-Krankenhaus ihre Ausbildung zur Hebamme, hier mit der Leitenden Hebamme Maria Lopez (ganz li.), Bereichsleiterin Melanie Krebs (2. v. li.), Praxisanleiterin Barbara Heukamp (3. v. re.), Ausbildungskoordinatorin Mareike Schmidtke (2. v. re.) und Chefärztin Dr. Maike Manz (ganz re.). Foto: pr

Wer derzeit im Hamburger Süden ein Baby erwartet und noch keine Hebamme zum Beispiel für Geburtsvorbereitung oder Nachsorge Zuhause hat, kann von Glück reden, wenn der errechnete Geburtstermin in den Juni fällt. Denn freie Kapazitäten bei Hebammen gibt es im Hamburger Süden offenbar nur bei einer einzigen Hebamme, und nur für diesen Zeitraum. Jedenfalls zeigt sich dieses Bild auf der Online-Präsenz des Hebammenverbandes Hamburg.

Tatsächlich gibt es in ganz Hamburg einen Mangel an Hebammen, sagt Andrea Sturm, Vorsitzende des Hebammenverbandes Hamburg: „Ich denke, im Durchschnitt ist jede zweite Schwangere nicht versorgt.“ Aber im Hamburger Süden ist die Lage „hochdramatisch“, so Sturm.

Das gerade mit finanzieller Unterstützung der Gesundheitsbehörde erweiterte Online-Portal des Hebammenverbandes soll da helfen, das knappe Angebot optimal zu nutzen. Unter www.hebammen.info können Hebammen kurzfristig zum Beispiel durch Absagen, Fehlgeburten oder Krankheit frei gewordene Betreuungsplätze veröffentlichen. Schwangere können dann direkt Kontakt aufnehmen – falls in ihrer Nähe überhaupt freie Plätze gemeldet werden.

Offenbar kann das Portal nur den Mangel verwalten. Wer aktuell eine Hebamme sucht, wird in Altona immerhin bei zwei Hebammen fündig. Mögliche Geburtszeiträume: 10. Juni bis 29. Juli. Im Bezirk Eimsbüttel bieten sogar drei Hebammen für bestimmte Zeiträume freie Kapazitäten an.

Das Portal liefert auch eine Liste der in einem Stadtteil überhaupt ansässigen Hebammen: Im Hamburger Süden haben Schwangere ganz schlechte Karten: Zwei Hebammen sind in Wilhelmsburg tätig, vier in Harburg, zwei in Hausbruch. In allen anderen südlichen Stadtteilen: Komplette Fehlanzeige! Zum Vergleich der Hamburger Westen: Allein in Groß Flottbek arbeiten 15 Hebammen. Beachtliche 20 Hebammen sind im Stadtteil Eimsbüttel registriert.

Die Ursachen für den Mangel: Zu wenig Ausbildungsplätze (siehe Infotext), geringe Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen, sagt Sturm. „Hebammen müssen auch viele berufsfremde Tätigkeiten machen, beispielsweise putzen oder Büroarbeiten machen, weil es in Krankenhäusern dafür sonst niemanden gibt.“ Was tun, wenn trotz neuem Portal keine Hebamme verfügbar ist? Dann bleiben zwischen Wilhelmsburg und Neuenfelde nur Frauenärzte oder die Helios-Mariahilf Klinik als Anspechpartner für die Schwangeren.

So läuft die Ausbildung

Die Ausbildung zur Hebamme dauert drei Jahre. Die Anzahl der Ausbildungsplätze wurde schon gesteigert: Statt 60 in 2011 gibt es aktuell 96 Plätze. Bis 2020 sollen es 138 werden.

Derzeit bildet nur der Asklepios-Konzern Hebammenkomplett in Hamburg aus. Die seit Anfang 2017 einzige Geburtsklinik im Hamburger Süden, die Helios Mariahilf Klinik, bildet in ihrem Konzern-Ausbildungszentrum in Salzgitter Hebammen aus. In Hamburg absolvieren Hebammenschülerinnen den praktischen Teil ihrer Ausbildung.

Langfristig wird die Hebammenausbildung EU-weit an die Unis verlegt. In Hamburg haben sich darum die Hochschule für angewandte Wissenschaften und die Universität Hamburg beworben.

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